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EuGH

7 Fakten zu Genome Editing

Petrischalen mit behandeltem Saatgut (Weizen, Zuckerrüben, Erbsen).
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Julia Eder, agrarheute
am
25.07.2018

Präziser, schneller, günstiger: Mit neuen Verfahren, genannt Crispr/Cas, kann man Pflanzen effizient genetisch verändern. Ob es sich dabei rein rechtlich um Gentechnik handelt, wird der EuGH am 25. Juli entscheiden. Die wichtigsten Fakten zum Thema.

In der Gentechnik ist eine Revolution im Gange. Möglich macht das ein relativ neues Werkzeug: Die Genschere Crispr/Cas9, kurz Crispr. Sie ermöglicht es unter anderem, das Erbgut von Pflanzen und anderen Lebewesen präziser, schneller und günstiger zu verändern als bisher.

Umstritten ist, inwieweit bestimmte Anwendungen von Crispr und ähnlichen Werkzeugen unter die strengen Auflagen des europäischen Gentechnikrechts fallen. Darüber soll am 25. Juli 2018 der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilen.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengefasst.

1. Was ist Crispr/Cas?

Crispr (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) sind DNA-Abschnitte, die mit der Crispr/Cas-Methode gezielt geschnitten und verändert werden können. So lässt sich Erbgut einfügen, entfernen oder ausschalten. Auch Nukleotide in einem Gen lassen sich damit ändern.

2. Was genau wird am EuGH verhandelt?

Ein französisches Gericht will vom EuGH wissen, ob und wie es die europäischen Regeln zur Gentechnik auf die neuen Verfahren anwenden soll. Dabei geht um einen Fall in Frankreich. Der EuGH wird am 25. Juli das Urteil verkünden, ob mit Hilfe von Crispr rein rechtlich gesehen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) entstehen oder nicht. Außerdem geht es um die Frage, für welche GVO rechtliche Ausnahmen gelten.

3. Welchen Vorgaben unterliegen GVO?

GVO werden in der EU vor der Zulassung auf ihre Sicherheit geprüft. Lebensmittel, die unter die GVO-Verordnung fallen, müssen im Handel für die Verbraucher gekennzeichnet sein. In Deutschland kann man solche Lebensmittel aber nicht kaufen, sie werden vom Handel nicht angeboten.

4. Gibt es schon Tendenzen für das EuGH-Urteil zur Gentechnik?

Im Januar zeichnete sich eine Tendenz ab. In dem von Frankreich angestrengten Verfahren heißt es in der Stellungnahme es EU-Generalwalts, dass erbgutveränderte Organismen nur dann als GVO gelten und als solche reguliert werden müssen, wenn ihr "genetisches Material so verändert worden ist, wie es auf natürliche Weise nicht möglich ist." Das Gericht folgt in der Regel dem Plädoyer des Generalanwalts, muss es aber nicht.

5. Wie regulieren andere Länder Crispr-Pflanzen?

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) entschied Anfang des Jahres, dass Pflanzen, deren Erbgut mit Genome-Editing-Technik verändert wurde, nicht als GVO-Pflanzen einzustufen sind. Das USDA begründet die Entscheidung damit, dass das Bearbeiten von Genen nur eine (viel) schnellere Form der Züchtung sei. Solange die genetische Veränderung auch in einer Pflanze hätte stattfinden können, werde sie nicht reguliert. Dazu gehören Veränderungen

  • die Immunität gegen Krankheiten schaffen,
  • die natürliche Resistenz gegen Chemikalien schaffen,
  • die Samen größer und schwerer machen.

Die Entscheidung betrifft keine transgenen Pflanzen, also Pflanzen, denen Gene aus einer anderen Spezies eingefügt werden. Diese werden noch reguliert werden.

6. Was sagen Gentechnik-Kritiker?

Der gentechnik-kritische Verein Testbiotech ist der Meinung, dass mit den neuen Methoden veränderte Pflanzen nicht Gewächsen gleichzusetzen sind, die aus herkömmlicher Züchtung stammen. Deshalb könne man schlicht nicht ausschließen, ob diese veränderten Pflanzen gefährlich seien. Es gebe Befürchtungen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen in die Umwelt gelangten und nicht mehr zurückzuholen seien. Dort könnten einige von ihnen einen Vorteil gegenüber anderen Pflanzen haben und sie verdrängen.

Einige Verbraucherschützer und Gentechnik-Kritiker fürchten, dass die strengen Gentechnik-Regularien der EU ausgehebelt werden. Sollten für bestimmte Eingriffe ins Erbgut von Pflanzen künftig die GVO-Regeln nicht gelten, könnten gewisse gentechnisch veränderte Lebensmittel ohne Sicherheitsprüfung und ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen.

7. Welche Bedeutung hat das EuGH-Urteil für die Landwirtschaft?

Gelten für Pflanzen, die mit gezielter Mutagenese erzeugt wurden, künftig die GVO-Regeln, ist laut Deutschem Bauernverband zu befürchten, dass wichtige Züchtungsoptionen fehlen. "Das wäre ein signifikanter Nachteil", sagt Präsident Joachim Rukwied. "Wir brauchen Pflanzen, die gegen Krankheiten und Hitzestress resistent sind."

Ricardo Gent, Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie, fürchtet, dass der Forschungsstandort Deutschland im Vergleich zu den USA oder China stark zurückgeworfen werden könnte. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten dann kaum noch eine Chance, weil die Verfahren zu teuer würden.

Mit Material von dpa

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