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7 Fakten zu Glyphosat

© Mühlhausen/landpixel
von , am
11.08.2015

Glyphosat zählt weltweit zu den meist verwendeten Herbiziden und zu einem der umstrittensten Wirkstoffe. Derzeit streiten sich die Experten um die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Erfahren Sie hier die sieben wichtigsten Fakten über Glyphosat.

1. Wie wirkt Glyphosat?

Glyphosat, eine Säure bzw. ein Salz bestehend aus den beiden Komponenten Glycin und Phosphonat, wird von den Pflanzen nicht über die Wurzeln, sondern über die Pflanzenoberfläche aufgenommen. Nach etwa einer Woche sind bei der Pflanze toxische Effekte sichtbar, wie das Welken der Blätter bis hin zum kompletten Absterben der Pflanze. Glyphosat hemmt das Enzym 5-Enolpyruvylshi kimat-3-phosphat (EPSP)-Synthetase, das in Pflanzen für die Biosynthese der Aminosäuren Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan essenziell ist.

2. Wieviel Glyphosat wird eingesetzt?

Laut einer Studie der Universität Göttingen werden in Deutschland im Mittel der letzten vier Jahre alljährlich ca. 5.000 Tonnen Glyphosat abgesetzt. Der Anteil dieses Wirkstoffs an allen verkauften Herbiziden betrage ungefähr 30 bis 40 Prozent. Aufgrund dieser großen Mengen müsse von einer hohen Bedeutung von Glyphosat in der Unkrautregulierung und der Betriebs- und Anbauplanung ausgegangen werden, heißt es in der Studie.

3. Wo wird Glyphosat eingesetzt?

In der Göttingen Studie wurde auch der Einsatz der Glyphosate untersucht. Große Flächenanteile von Raps mit 87,2 Prozent (%), Körnerleguminosen mit 72,1 % und Wintergerste mit 65,9 % werden in Deutschland mit Glyphosat behandelt. Anwendungsgebiete sind vorwiegend Stoppelbehandlung mit 23 % der Ackerfläche, Vorsaatbehandlung mit sieben Prozent und Sikkation mit 3,8 % Anteil.

4. Grenzen zum Einsatz von Glyphosat

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft(BMEL) setzt die Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat fest. Seit Mai 2014 darf mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln innerhalb eines Kalenderjahres auf derselben Fläche nur noch maximal zwei Behandlungen im Abstand von mindestens 90 Tagen durchgeführt werden. Dabei dürfen insgesamt nicht mehr als 3,6 kg Wirkstoff pro Hektar und Jahr ausgebracht werden.

5. Glyphosat steht auf dem Prüfstand

Derzeit wird Glyphosat wie jeder andere Pflanzenschutzmittelwirkstoff im Rahmen der EU- Wirkstoffprüfung hinsichtlich seiner Risiken für Gesundheit und Umwelt neu bewertet. Berichterstatter für die gemeinschaftliche Prüfung und Bewertung von Glyphosat ist Deutschland. Das Bundesforschungsinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde im Verfahren der Neubewertung mit der Bewertung des gesundheitlichen Risikos des Wirkstoffes und einer Formulierung beauftragt.

 

Der erste Entwurf des überarbeiteten Bewertungsberichts wurde bis Ende 2013 erstellt und vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übergeben. Die öffentliche Konsultation mit Fachleuten und Stakeholdern im Peer Review-Verfahren unter der Leitung der EFSA ist 2014 erfolgt. Das BfR hat alle geforderten Zuarbeiten am 1. April 2015 an das BVL gesandt, das den Gesamtbericht an die EFSA weitergeleitet hat.

6. Streitfrage: Ist Glyphosat gesundheitschädlich?

Das Bundesforschungsinstitut für Risikobewertung (BfR) hat im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat neu bewertet. Die Auswertung der Studien würden laut BfR keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren, liefern.

Die neue Risikoeinschätzung durch das Krebsforschungsinstitut IARC befindet sich im Widerspruch zur Risikoeinschätzung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Das Forschungsinsitut der WHO fand in seiner Studie Hinweise auf Kanzerogenität von Glyphosat.

Das WHO-Fachgremium "Joint Meeting of Pesticide Residues" (JMPR) ist vor Kurzem zu dem Schluss gekommen, dass es unwahrscheinlich ist, dass Glyphosat ernährungsbedingt ein Krebsrisiko für den Menschen darstellt. Warum das WHO-Fachgremium zu einem anderen Ergebnis als die Krebsforschungsagentur der WHO komme, liege darin begründet, dass verschiedene Analyseverfahren und Risikobewertungen vorgenommen wurden. Die JMPR-Forscher bewerteten das Risiko von Krebs bei der Aufnahme von Mengen von Glyphosat, die in die Umwelt gelangen und denen ein Mensch durchschnittlich ausgesetzt ist. Das deckt sich auch mit der Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikoforschung als Reaktion auf das gegenteilige IARC-Ergebnis, dass in der Öffentlichkeit für viel Aufsehen gesorgt hat. Die Krebsforschungsagentur IARC analysiere hingegen die Wirkungen von Glyphosat im Allgemeinen, also auch in hohen Dosen.

7. Beistoffe erhöhen Toxizität

Die Auswertung des BfR ergab auch, dass die Toxizität bestimmter glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel aufgrund der darin enthaltenen Beistoffe, zum Beispiel Tallowamine als Netzmittel, höher sein könne als die des Wirkstoffes. Netzmittel wie z.B. Tenside oder Tallowamine können in vitro Zellen schädigen.
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