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Regenerative Landwirtschaft

Ackerbau: Neue Wege der Nachhaltigkeit

AF-Regenwurm-Boden
am Donnerstag, 20.02.2020 - 08:44 (1 Kommentar)

Die Landwirtschaft wird wie kaum eine andere Branche für die Klimakrise zur Rechenschaft gezogen. Gleichzeitig sollen Landwirte gesunde Lebensmittel nachhaltig produzieren.

In den 1970ern prägte der Landwirt Robert Rodale den Begriff „regenerative organic farming“, um sich von der Idee der rein „nachhaltige Landwirtschaft“ abzugrenzen. Seitdem haben Pioniere wie Gabe Brown, Joel Salatin und Dr. Elaine Ingham die Ackerbau-Bewegung maßgeblich geprägt. In Amerika ist das Prinzip der regenerativen Landwirtschaft mittlerweile weit über den landwirtschaftlichen Sektor im „mainstream“ angekommen. 

 

Was ist regenerative Landwirtschaft?

Die Regenerative Landwirtschaft fordert eine Wiederherstellung und Verbesserung der Natur, sowie einen ganzheitlichen und systemischen Denkansatz und geht somit über die nachhaltige Landwirtschaft hinaus. Auch in Europa finden die fünf Grundprinzipien der regenerativen Bewirtschaftung nach Gabe Brown weite Verbreitung als Grundlage für viele Landwirte:

  • So wenig wie möglich mechanische, physische und chemische Beeinflussung/Störung von Boden
  • Ständige, ganzjährige Bodenbedeckung
  • Förderung der Biodiversität von Lebewesen und Pflanzen
  • Langer Erhalt von lebenden Wurzeln
  • Integration von Tieren in den Betrieb

Dabei gibt es keine Blaupause, um die regenerative Landwirtschaft umzusetzen. Jeder Standort ist anders und benötigt seine eigenen angepassten Methoden. Über die Jahre haben sich verschiedene Ausprägungen der regenerativen Landwirtschaft etabliert: Agroforst, Permakultur, Holistic grazing, Keyline-design und Crop grazing, um nur die gängigsten Konzepte zu nennen. All diese Ansätze versprechen verbesserte Böden, gesteigerte Biodiversität, bessere Wasserspeicherung, verringern Erosion und vermeiden die Abhängigkeit von Chemikalien.

 

Mit Material von Farm & Food Congress 2020

Altes Wissen und neue Technologie

AgFunder News’ Chefredakteurin Louisa Burwood-Taylor ist sich sicher, dass die Regenerative Landwirtschaft dabei helfen kann, heutigen und kommenden Ansprüchen an die Landwirtschaft gerecht zu werden.

Was denken Sie: Warum ist die Regenerative Landwirtschaft heute ein so interessantes Feld?

Mehr als je zuvor werden die Lebensmittel- und Agrarindustrie für viele der größten Probleme der Welt verantwortlich gemacht; von Kohlenstoffemissionen bis hin zu Wasserknappheit, Fettleibigkeit und Unterernährung. Auch wenn einige Kritikpunkte weit hergeholt sind, ist es sicherlich richtig, dass die Landwirtschaft insgesamt eine Rohstoffindustrie ist. Sei es, dass sie den Boden auslaugt, natürliche Ressourcen für den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden nutzt oder riesige Mengen von unerwünschten Treibhausgasen in die Atmosphäre abgibt.

Das muss nicht so sein. Es gibt immer mehr Erkenntnisse über das Potenzial der Landwirtschaft, nicht nur weniger Ressourcen zu verbrauchen, sondern auch der Umwelt zu nutzen, indem sie die Nährstoffbasis des Bodens wieder auffüllt, die Wüstenbildung umkehrt, CO2 aus der Atmosphäre absondert und das Land wieder seiner natürlichen Artenvielfalt zuführt. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass dies auch zu ernährungsphysiologisch verbesserten Lebensmitteln führen kann.

Das letzte Jahrzehnt war für viele ein Erwachen über die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Lebensmittel- und Landwirtschaft – und in anderen Branchen – um weltweit nachhaltiger und gerechter zu werden. Man braucht sich nur die zunehmende Präsenz von Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei den großen, börsennotierten Unternehmen anzusehen, um zu erkennen, dass Aktionäre und Verbraucher Maßnahmen verlangen. In diesem Jahrzehnt wird es darum gehen, diese konkreten Maßnahmen zu ergreifen, und hoffentlich wird die regenerative Landwirtschaft genau in diese Maßnahmen passen.

Warum sind Investoren daran interessiert, diese Entwicklung in der Landwirtschaft zu unterstützen?

Anleger sind zunehmend daran interessiert, wirkungsvollere Investitionen zu tätigen, die unter dem Strich eine dreifache Rendite erzielen: sozial, ökologisch (oder ökologisch) und finanziell. Sie haben vielleicht eine bestimmte These, um in ökologisch vorteilhafte Unternehmen oder solche mit klareren sozialen Renditen zu investieren, aber letztendlich erkennen sie, dass die Suche nach einer gerechten finanziellen Rendite wahrscheinlich ihre Aufwärtsentwicklung und die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen insgesamt einschränkt.

Dennoch waren Investitionen in die regenerative Landwirtschaft bisher begrenzt; es gibt einige wenige Agrarland-Fonds, die in angemessener Höhe Mittel für die Umstellung von Agrarland auf regenerative Prinzipien aufgebracht haben, und es gibt eine Reihe von Technologieunternehmen, die diesen Übergang unterstützen, aber ansonsten ist es immer noch ein relativ junges Investitionsfeld.

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