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Ackerbau ohne Pflanzenschutz: Wo bleiben die Lösungen?

hackstriegel-pflanzenschutz
am Freitag, 25.11.2022 - 12:15 (5 Kommentare)

Taugliche Strategien für eine Zukunft ohne Pflanzenschutz sind nicht in Mode. Die Politik setzt lieber auf Leuchtturmprojekte.

Für die Politik bleibt chemischer Pflanzenschutz trotz aller Versorgungskrisen unerwünscht. Die Flächen, auf denen die Mittel überhaupt noch eingesetzt werden dürfen, schrumpfen; egal ob Naturschutzgebiete, Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Flächen oder bald möglicherweise auch Landschafts- oder Wasserschutzgebiete.

Das alles soll das Artensterben aufhalten, sorgt aber auch für schrumpfende Ernten. Lebensmittelengpässe rücken selbst in Europa ins Bewusstsein.

Leuchtturmprojekte statt langfristiger Strategie in der Politik

Umweltschonenderer Anbau steht zwar gesellschaftlich im Kurs – doch können Betriebe davon leben? Der Niedersächsische Weg war eine von allen Seiten gelobte Strategie, um diese Zielkonflikte anzugehen und alle Seiten an einen Tisch zu bekommen. Umweltschonende Lebensmittelerzeugung sollte sich lohnen. Auch in anderen Bundesländern schauten Bauern und Naturschützer auf den Versuch.

Im Koalitionsvertrag der neuen niedersächsischen Landesregierung wird die Strategie zwar noch fortgeführt, aber rückt in den Hintergrund. Praxistaugliche und langfristige Strategien, um Zielkonflikte anzugehen, sind von der Agenda verschwunden.

Ökolandbau als Patentlösung?

Stattdessen gerät einmal mehr der Ökolandbau zum Wundermittel für alle Probleme. Nun sollen viele neue Zentren, Einrichtungen und Projekte entstehen, um den Bioanbau zu fördern – alles schöne Symbolvorhaben, die aber finanzielle Mittel langfristig binden. Gleichzeitig schauen Praktiker in die Röhre.

Wollen sie Artenschutz über Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) umsetzen, wird prompt das Geld dafür knapp. Allein in Niedersachsen fehlen bis 2027 mehr als 100 Mio. Euro, um AUKM zu finanzieren. Für einige Maßnahmen gibt es sogar einzelbetriebliche Obergrenzen. In anderen Bundesländern sieht es nicht besser aus.

Ob das Geld aus der Gemeinsamen Agrarpolitik auch für die Förderung von bundesweit 30 Prozent Ökolandbau reicht, ist mehr als fraglich.

Schwierige Zeiten für Bio-Produkte

Am Markt sinken derweil die Preise für Bioprodukte dramatisch. Ökoanbauer bleiben auf ihrem Biodinkel und ihrer Biomilch sitzen, denn die Konsumenten von heute sind zwar anspruchsvoll, aber ihr Geldbeutel schrumpft. Wenn schon Öko, dann vom Discounter. Auch Biobetriebe bekommen nun die knallharten Preisverhandlungen der Einzelhändler zu spüren und geraten in Schwierigkeiten. Ist das die Zukunft?

Wenn in Deutschland künftig noch Lebensmittel erzeugt werden sollen, braucht es eine Strategie, um die Zielkonflikte praxistauglich anzugehen. Leuchtturmvorhaben hören sich zwar gut an, aber sie helfen wenig.

Weite Reihen und Untersaat: So geht's künftig mit Agrarumweltprogramm

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