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Serie Ackerbaustrategien

Ackerbau auf Sand: "Jeden Arbeitsgang infrage stellen"

Conrad Waydelin auf seinem sandigen Acker
am Montag, 17.12.2018 - 12:53 (Jetzt kommentieren)

Conrad Waydelin wirtschaftet auf extrem sandigen Böden. Mulchsaat, Zwischenfrüchte und ein gezielter Glyphosateinsatz sind seine Schlüssel gegen Erosion.

Conrad Waydelin ist Ackerbauer in Dettmannsdorf im Landkreis Vorpommern-Rügen. Die Bedingungen auf den sandigen Flächen östlich von Rostock sind eine echte Herausforderung.

„Dem Sand fehlt einfach die Fähigkeit zur Selbstlockerung. Die Bodenbearbeitungsgänge sind auf diesen Böden hier wichtig, aber wir versuchen sie so gering wie möglich zu halten“, erklärt Conrad Waydelin.

Alle Regenwurmgänge zugespült

Mit vier Mitarbeitern im Ackerbau und einem in der Werkstatt probiert der Ackerbauer, einen Anbau mit minimal möglicher Bodenbearbeitung zu gewährleisten: „Wir stellen jeden Arbeitsgang infrage.“

Vor allem muss er auf die Bodenverhältnisse Rücksicht nehmen. „Wir haben hier nichts über 40 Bodenpunkten. Und Sand neigt dazu, bei Niederschlägen alle Regenwurmgänge zuzuspülen. Deswegen müssen wir jedes Jahr die tiefe Lockerung wiederholen, aber mit möglichst wenig Bodenbewegung.“

Berater Detlev Dölger von der Hanse Agro betreut die Wöda Agrar seit dem Jahr 2000. „Sand packt sich bei Niederschlägen und bei wendender Bearbeitung sauber geordnet nach Schichten. Den kann man nur tief, aber nicht komplett wendend bearbeiten.“

Tief arbeiten, wenig bewegen

Anspruchsvoll ist der Standort aber nicht nur in Bezug auf den Boden. Der oft starke Wind verursacht Erosion und die Niederschläge variieren von Jahr zu Jahr immer stärker. „Von 400 bis 1.200 mm war in den letzten Jahren alles dabei.“

Das Wasser ist hier oft der begrenzende Faktor, so wie in diesem Jahr. „Im Frühjahr haben wir irgendwann Pflanzenschutz und Düngung eingestellt.“

Unschätzbar wichtig unter diesen Bedingungen ist die intakte Mulchschicht. Und die fängt bereits hinter dem Mähdrescher an. „Ich muss mit der Häckslereinstellung bei der Getreideernte schon auf meine Folgekultur eingehen. Es gibt unterschiedliche Arten von Mulchsaat und nicht alle eignen sich für alle Kulturen.“

In Jahren mit wenig Stroh, wie 2018, hält er es für unerlässlich, die Arbeitsgänge auf ein Minimum zu reduzieren. „Mit jedem Arbeitsgang steigt das Erosionsrisiko.“ Schon aus diesem Grund ist der Strohstriegel für ihn ein unverzichtbares Arbeitsgerät.

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Kaum Fortschritt beim Strip Till

Eigentlich ist der Betriebsleiter überzeugt vom Strip Till-Verfahren, also der streifenweisen Bearbeitung. „Für unseren Boden eignet sich das deutlich besser als ein absetziges Verfahren.“

Er muss aber notgedrungen den Schritt zurück zur mehrteiligen Bodenbearbeitung machen, weil die passenden Maschinen für Strip Till fehlen. Waydelin versteht, dass diese Technologie nur auf fließfähigen Böden funktioniert. „Bei über 40 Bodenpunkten ist sie ungeeignet, aber für uns hier passt sie perfekt.“

Deshalb ist er unzufrieden mit der Entscheidung der Landtechnikanbieter, an der Strip-Till-Technik nur noch begrenzt weiterzuarbeiten. „Wir haben vor zehn Jahren unsere erste Maschine gekauft, erst eine von Horsch, dann von Köckerling. Nun müssen wir zurück zum alten System – das heißt, wir splitten alle Arbeitsgänge wieder auf.“

Rückverfestigen ist das A und O

Mulchsaat mit einer Horsch-Köckerling-Kombi

Dabei muss er mit jedem Arbeitsgang den Boden ein Stück tiefer bearbeiten. „Erst tief mit dem Grubber lockern, dann das Stroh mit der Scheibenegge einarbeiten und gleichzeitig den Acker wieder einebnen.“

Der Ackerbauer schwört dabei auf Scheibeneggen. „Die sehe ich als eine Art Zwangsbeglückung für den Boden. Sie dreht und vermischt Boden und Stroh. Alle anderen Geräte trennen die beiden Komponenten auf sandigen, schüttfähigen Böden zumeist.“

Ganz wichtig ist Conrad Waydelin auch seine „selbst erfundene Grundregel“: Jeder Arbeitsgang muss sofort auf die gleiche Arbeitstiefe rückverfestigt werden. Sonst sind Spurenelementmangel und Herbizidprobleme vorprogrammiert.

Glyphosatverlust schadet dem Boden

Angesichts der komplizierten Standortbedingungen und seines unbedingten Willens zum Bodenschutz ist für Waydelin Glyphosat derzeit unverzichtbar. Vor allem zu den Sommerungen, die am meisten auf den Wirkstoff angewiesen sind.

Dennoch stellt er jede einzelne Anwendung auf den Prüfstand. Und das nicht nur gedanklich, sondern in der ständigen Untersuchung verschiedener Verfahrensvarianten.

Für seine Zuckerrüben stellt er zum Beispiel fest: „Wir haben in den Rüben mit Strip Till und Glyphosat die besten Erträge. Und die Rübe ist meine zuverlässigste Kultur.“ Auch nach Raps und zu Mais ist die Glyphosatanwendung bei ihm Standard.

Glyphosatverbot? „Dann kaufen wir zwei Pflüge“

Auf die Frage, ob er sich den Wegfall des Wirkstoffs vorstellen kann, zuckt er mit den Schultern. „Ich weiß nicht so richtig, ob und wie das gehen soll. Klar kann man es anders lösen, aber es wird viel teurer und birgt ackerbauliche Probleme. Nicht zu vergessen die Umwelteinflüsse. Wasser- und Winderosion sind hier einfach ungeheuer gefährlich.“

Waydelin resumiert: „Wenn Glyphosat wegfällt, kaufen wir uns wahrscheinlich zwei Pflüge und pflügen 2.000 ha. Aber das wäre eine Katastrophe, weil es gegen alles verstößt, was wir wollen und was wir bisher gemacht haben.

Ich wehre mich gegen den Ersatz einer verhältnismäßig verträglichen Variante wie Glyphosat durch lauter CO2-verbrauchende Arbeitsgänge.“ Diese Einstellung untertstützt auch der Berater.

„Mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegel, Feingrubber oder Egge würde auf Sand, vor allem bei Trockenheit, zum Strukturverlust der Böden führen. Mit jedem Arbeitsgang wird der Boden schwieriger in der Bearbeitung und Erosion und Wasserverlust nehmen zu.“

Die vollständige Reportage ist in agrarheute Pflanze+Technik 12/2018 erschienen.

Weniger Druck, mehr Bodenschutz

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