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Ackerbauer Daniel Bohl: "Schlechteste Ernte seit 30 Jahren"

Daniel Bohl
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
03.08.2018

Bei Daniel Bohl von der Wariner Pflanzenbau eG in Mecklenburg-Vorpommern ruhen die Mähdrescher jetzt wieder. Zeit für ein erstes Resumee. Wir haben den Ackerbauern beim Berechnen der aktuellen Erträge erreicht.

Herr Bohl, mit welchem Fazit schließen Sie die Ernte ab?

„Wir haben in diesem Jahr die schlechteste Ernte seit 30 Jahren eingefahren. Normalerweise rettet auch in miesen Jahren wenigstens eine Kultur den Ertrag, aber 2018 sieht es über alle Fruchtarten hinweg schlecht aus.“

Können Sie das belegen?

„Ja, nachdem es aus Berlin von Ministerin Klöckner heißt, dass konkrete Zahlen nötig sind, haben wir für unseren Betrieb gerechnet. Und zwar im Vergleich zum fünfjährigen Mittel, den besten und den schlechtesten Wert haben wir gestrichen.

Beim Raps liegen wir 37 Prozent unter unserem langjährigen Mittel, bei Wintergerste 45 Prozent, bei Winterweizen 38 Prozent und bei Roggen 53 Prozent darunter.“

Was bedeutet das in Dezitonnen pro Hektar?

Gerstenernte bei der Wariner Pflanzenbau eG

„Im Schnitt aller Getreidearten haben wir 40 dt/ha gedroschen. In normalen Jahren sind es 70 dt/ha. Unsere schlechteste Ernte haben wir in letzter Zeit 2016 eingefahren, das waren 56 dt/ha.

Einzig die Zuckerrüben sehen bei uns noch überraschend gut aus. Wir werden keine Höchsterträge erreichen, aber die Pflanzen können gut mit Trockenheit umgehen.“

Wie ist es um die Qualitäten bestellt?

„Die sind eigentlich okay. Die A-Qualität beim Weizen haben wir erreicht, bei der Gerste ist das Hektolitergewicht etwas schwach. Den Ölgehalt beim Raps haben wir noch nicht gemessen, aber auch der scheint in Ordnung zu sein.“

Stabilisieren sich damit wenigstens die Preise?

„Ja, das schon. Derzeit liegen wir beim Weizen bei 210 Euro/t, vor einem Jahr waren es 165 Euro/t. Allerdings müssten sich die Preise nahezu verdoppeln, um die Verluste auszugleichen.

Unser Glück war, dass wir aufgrund der sich abzeichnenden Trockenheit relativ wenige Vorverträge abgeschlossen hatten.“

Wie ist die Situation der viehhaltenden Betriebe in Ihrer Region?

„Von meinen Nachbarn bekomme ich mit, wie angespannt die Lage ist. Wir konnten Grünland, das nicht für unsere Schafe benötigt wurde, einem Milchviehbetrieb für seinen 2. und 3. Schnitt zur Verfügung stellen.

Beim Mais scheint die Situation hier nicht so extrem angespannt zu sein wie in Teilen Niedersachsens.“

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Aktuelles Heft Oktober 2018

Wie sieht der Mais bei Ihnen aus?

„Wir bauen Mais für Biogas an. In normalen Jahren ernten wir 380 dt/ha. Ich glaube nicht, dass wir die erreichen werden – die Reise geht eher in Richtung des Trockenjahrs 2013, wo wir 260 dt/ha gehäckselt haben. Das ist aber noch Kaffeesatzleserei. An unseren besseren Stellen steht er derzeit gut 2 m hoch, mancherorts aber auch so, dass man darüber hinwegschauen kann.“

Was tun sie, damit der Biogasanlage nicht das Futter ausgeht?

„Wir werden unsere Fruchtfolge etwas verschieben müssen. Also weniger Herbstsaat und mehr Mais im Frühjahr anbauen. Den Roggen sehen wir jetzt erst mal zur GPS-Nutzung vor und schauen im nächsten Jahr, ob wir ihn dreschen oder als Ganzpflanzen häckseln.

Bei den Zwischenfrüchten müssen wir nicht viel ändern. Unsere greeningfähigen Wickenmischungen dürfen wir sowieso mit den Schafen beweiden. Mit der Aussaat müssen wir aber noch warten, das macht derzeit überhaupt keinen Sinn.“

Wo können Sie jetzt sparen, um die Liquidität zu erhalten?

Ernte bei der Wariner Pflanzenbau eG

„Wir versuchen, an vielen kleineren Stellschrauben zu drehen. Wenn größere Einsparungen möglich wären, hätten wir in den letzten Jahren einiges falsch gemacht.

Wir überlegen bei jeder Maßnahme, ob sie jetzt nötig ist, oder auch später. Wo wir sonst ausschließlich Z-Saatgut verwenden, greifen wir jetzt stärker auf Eigenvermehrung zurück.

Außerdem haben wir Stroh gepresst und verkauft – in anderen Jahren bleibt das immer zum Humusaufbau auf unseren Flächen. Außerdem werden wir die Herbstdüngung weiter reduzieren.“

Ist Ökolandbau die bessere Alternative, wie manche behaupten?

„Das ist Unsinn. Leider kochen jetzt einige Interessensgruppen ihr Süppchen auf der Trockenheitskatastrophe. Dabei sitzen wir alle in einem Boot.

Der Mais eines benachbarten Ökobetriebs sieht genauso aus wie unserer, die Tierhalter stehen vor den gleichen Problemen und die Landwirte untereinander sind gottseidank solidarisch.

Dass die Biobetriebe vor denselben Problemen stehen wie wir, zeigt sich doch schon daran, dass sie jetzt auch konventionelles Futter verfüttern dürfen.“

Was erwarten Sie an finanziellen Hilfen?

„Die von Kommissar Hogan angekündigten vorgezogenen Direktzahlungen würden uns aktuell Liquidität verschaffen.

Den Vorschlag von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus, nur viehhaltende Betriebe zu unterstützen, finde ich nicht gerecht. Dann hätte ich das Stroh lieber zurückgehalten, um es später meistbietend verkaufen zu können.

Ich erwarte aus der Politik aber vor allem konkrete Vorschläge, wie sich die Landwirtschaft anpassen soll, um gleichzeitig auf Trockenheit und Regenperioden eingestellt zu sein.

Schnell und leicht gesprochene Worte wie die von Umweltministerin Schulze, die Landwirtschaft solle sich auf häufigere Extremwetterlagen einstellen, sind nichtssagende Ratschläge von der Seitenlinie, die mir unglaublich auf den Senkel gehen.“

Das Interview führte agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann

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