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Pflanzenschutz

Aldi macht bei Glyphosat Druck

Aldi Logos und Kuh auf Weide
© Werkbilder/agrarfoto.com
von am
21.12.2017

Der Discounter Aldi verlangt von seinen Lieferanten umfassend Auskunft über den Einsatz von Glyphosat in Futtermitteln. Ziel ist eine deutliche Reduktion.

In einem Rundschreiben fordern Aldi Nord und Aldi Süd von 65 Herstellern detaillierte Angaben über den Glyphosatgehalt von Futtermitteln. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Unternehmen sollen angeben, innerhalb welcher Frist nach ihrer Einschätzung auf den Gebrauch des Totalherbizids bei diesen Produkten komplett verzichtet werden könnte. Außerdem sollen sie Produkte benennen, die sie an Aldi liefern und bei denen der Einsatz von Glyphosat schon jetzt sicher ausgeschlossen werden kann.

Aldi setzt die Standards

Der Brief richtet sich an die Hersteller von Lebensmitteln, die unter den Eigenmarken von Aldi verkauft werden. Da Aldi in der Vergangenheit bereits mehrfach als Schrittmacher bei der Durchsetzung neuer, privatwirtschaftlicher Produktionsstandards jenseits der gesetzlichen Forderungen auftrat, ist anzunehmen, dass das Vorbild des Discounters einmal mehr Schule macht.

Ein weitestgehender Verzicht auf Glyphosat in der deutschen Landwirtschaft rückt damit schnell näher. Der Einzelhandel reagiert, noch ehe die Zulassungsbehörden über zusätzliche Auflagen im Rahmen der gerade um fünf Jahre verlängerten Wirkstoffzulassung überhaupt entschieden haben.

Gentechnikfreie Fütterung liefert die Blaupause

Das Anschreiben der Discounter, das auf Futtermittel abzielt, setzt in erster Linie die Lieferanten von Fleisch, Molkereiprodukten, Geflügel und Eiern unter Druck. Sie werden der Aufforderung Aldis, die Glyphosatrückstände in Futtermitteln zu verringern beziehungsweise auszuschließen, an die Mischfutterindustrie weitergeben. Von dort führt die Kette zu den Landwirten.

Wohin die faktische Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels führen kann, hat das Beispiel der grünen Gentechnik gezeigt. Innerhalb kürzester Zeit ist eine gentechnikfreie Fütterung in der Milcherzeugung als neuer Standard praktisch flächendeckend durchgedrückt worden. Die Mehrkosten blieben an der Landwirtschaft hängen. Bei Glyphosat zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.

Nach Darstellung der Süddeutschen Zeitung hat Aldi Süd seine Lieferanten von Nudeln, Reis und Müsli schon im Februar aufgefordert, die Glyphosat-Rückstände auf ein Fünftel der EU-rechtlich erlaubten Höchstmenge zu reduzieren.

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