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Appell: Freilandversuche brauchen bessere Rahmenbedingungen

von , am
08.06.2010

Berlin - Die Versuchsansteller von Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen wollen sich nicht länger mit der zunehmenden Verschlechterung ihrer Rahmenbedingungen abfinden.

© Werkbild

Im Vorfeld des 3. Runden Tisches zur Pflanzenbiotechnologie, den das Bundesforschungsministerium am heutigen Dienstag in Berlin veranstaltet, riefen die Vertreter sämtlicher Einrichtungen, die in Deutschland Freilandversuche durchführen, zu einem Wandel in der Diskussionskultur zur Grünen Gentechnik auf.

Appell der Versuchsansteller von Freilandversuchen

"Nicht mehr diffuse Ängste, sondern wissenschaftlich bestätigte und überprüfte Erkenntnisse sollen die Grundlage für eine ergebnisoffene Meinungsbildung legen und weiterhin Forschung am Standort Deutschland ermöglichen", heißt es in einem gemeinsamen Appell, den der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) veröffentlicht hat.

Feldzerstörer strafrechtlich verfolgen  

Konkret mahnen die Wissenschaftler eine konsequente strafrechtliche Verfolgung von Feldzerstörern an. Das öffentliche Standortregister müsse so angepasst werden, dass Freisetzungsversuche nicht zerstört würden. Notwendig seien ferner die Anerkennung wissenschaftlicher Kompetenz sowie die Berücksichtigung wissenschaftlich bestätigter Ergebnisse bei der politischen Entscheidungsfindung. Schließlich gelte es, begleitende Kommunikationsmaßnahmen zu verstärken, um eine wissenschaftsorientierte Gesellschaftsdebatte zu ermöglichen.

Feldzerstörungen nehmen stetig zu

Seit Jahren sei eine Radikalisierung der Bewegung von Gentechnikgegnern zu beobachten, kritisieren die Wissenschaftler. Mit rechtswidrigen Feldbesetzungen und Feldzerstörungen versuchten die Gegner, die Technologie in Forschung und Anwendung zu blockieren. Allein im Jahr 2009 sei nahezu die Hälfte aller Freisetzungsversuche zerstört worden. Als Folge habe sich sowohl die Zahl der angemeldeten Freisetzungsversuche halbiert als auch die Zahl der Standorte, an denen die Versuche durchgeführt wurden. Die Wissenschaftler sehen darin „ein fatales Signal für den Wissenschaftsstandort Deutschland", dessen Ergebnisse zur Sicherheitsforschung bislang international Beachtung gefunden hätten.

Forschung am Standort Deutschland ermöglichen 

Als Reaktion auf die technologiefeindliche Entwicklung in Deutschland und Europa hätten namhafte Forschungsinstitutionen und Pflanzenzüchter ihre Forschungs- und Züchtungsaktivitäten bereits komplett ins Ausland verlagert oder angekündigt, diese in Zukunft nicht mehr am europäischen Markt auszurichten. Nicht nur renommierte Wissenschaftler, auch der wissenschaftliche Nachwuchs orientiere sich zunehmend ins Ausland, da in Deutschland die Vergabe von Forschungsprojekten an Diplomanden und Doktoranden immer stärker mit dem Risiko verbunden sei, dass Projekte aufgrund von Zerstörungen nicht abgeschlossen und Daten nicht ausgewertet werden könnten.

Bis jetzt keine negative Auswirkungen nachgewiesen

Seit Beginn der achtziger Jahre würden öffentliche Projekte zur Biosicherheitsforschung durchgeführt. Bis heute seien 300 Vorhaben mit mehr als 100 Millionen Euro gefördert worden. Die Ausschreibung und Vergabe der Fördermittel erfolgten dabei unabhängig, objektiv und nach wissenschaftlichen Kriterien; die Ergebnisse würden in international anerkannten Wissenschaftsjournalen publiziert. Bei keinem der Projekte seien negative Auswirkungen der transgenen Pflanzen nachgewiesen worden.

Potentiale gentechnisch veränderter Pflanzen bestätigt

Vielmehr habe gezeigt werden können, dass aus Sicht der Umwelt- und Lebensmittelsicherheit gentechnisch veränderte Pflanzen häufig besser abschitten als konventionelle oder biologisch produzierte Produkte. Zudem könnten nur mit Freilandversuchen die Fragen beantwortet werden, ob gentechnisch veränderte Pflanzen geeignet seien, den globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Ernährungssicherung zu begegnen. Kontrollierte Freilandversuche seien generell die Basis für eine wissenschaftliche Bewertung von Pflanzen in der Umwelt und lieferten wichtige Erkenntnisse für eine vorurteilsfreie und fundierte Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Pflanzen. (AgE) 

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