Login
Aus der Wirtschaft

Argentinien: Weizenernte ein Drittel kleiner

© Rainer Sturm
von , am
05.11.2012

Die argentinische Weizenernte könnte rund 30 Prozent geringer ausfallen als im letzten Jahr. Dies liegt jedoch weniger an den anhaltenden Regenfällen als vielmehr am Rückgang der Anbaufläche.

Die Wintergerstenvermehrung wurde um rund 1.700 ha reduziert. © Mühlhausen/landpixel
Die im Dezember beginnende argentinische Weizenernte könnte nach derzeitigen Schätzungen bis zu ein Drittel keiner ausfallen als im letzten Jahr. Vor einem Jahr haben die argentinischen Farmer von knapp 5,2 Millionen Hektar (Mio. ha) rund 15,5 Mio. Weizen geerntet und davon knapp 12 Mio. exportiert. Viele argentinische Farmer haben in diesem Jahr jedoch Gerste anstelle von Weizen angebaut, denn der Gerstenmarkt ist im Unterschied zum Weizenmarkt in Argentinien fast nicht reguliert. Der Weizenanbau schrumpfte deshalb von 5,2 Mio. ha um etwa auf 30 Prizent auf 3,6 bis 3,8 Mio. ha.

Kleinere Produktion und weniger Exporte

Die Getreidebörse in Buenos Aires hat vor dem Hintergrund der kleineren Anbaufläche die Produktionsschätzung auf 10,1 Mio. t zurückgenommen und das USDA-Büro in Argentinien schätzte die Ernte Anfang November auf 10,7 Mio.t. Damit fällt die Produktion gegenüber dem Vorjahr um mehr als 5 Mio. t oder ein Drittel kleiner aus. Das USDA hat in seiner Oktober-Prognose noch mit einer Weizenernte von 11,5 Mio. t gerechnet sowie mit einer Exportmenge von 7,3 Mio. t.
 
Anfang November erwartet das USDA Büro in Buenos Aires in einer aktualisierten Markteinschätzung nur noch eine Exportmenge von 6,6 Mio. t (Juli bis Juni). Das argentinische Landwirtschaftsministerium hat die Exportquote für das im Dezember beginnende neue argentinische Wirtschaftsjahr 2012/13 zunächst auf 6 Mio. t festgelegt. Nicht weniger Beobachter halten diese Menge jedoch immer noch für zu hoch.
 

Schwierige Ernte und Krankheitsdruck

Ein Grund für die weiter nach unten korrigierten Ernte- und Exportschätzungen sind die extremen Regefälle in Argentinien. Zwar hat der Regen die Wachstumsbedingungen in der Hauptanbauprovinz Buenos Aires zunächst spürbar verbessert. Immerhin befanden nach den Erhebungen der Getreidebörse in Buenos Aires im September noch 82 Prozent des Weizens in guten Zustand.
 
Anderseits dürften die zunehmenden Überflutungen die bevorstehenden Erntearbeiten behindern und zugleich führt die hohe Feuchtigkeit zu massivem Krankheitsdruck und Mindererträgen. Hinzu kommt offenbar, dass die Lagerbestände im Vergleich zum Vorjahr erheblich kleiner sind. Nach Weizenbeständen von rund 4 Mio. t Ende letzten Jahres, sollen die verfügbaren Bestände bis zum Ende des Wirtschaftsjahres auf knapp 0,5 Mio. t zusammenschmelzen.
 

Exportpreise kräftig gestiegen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Im letzten Jahr (zuletzt im Oktober) haben argentinische Exporteure Weizen bis nach Ägypten und Nordafrika geliefert. Wichtigster Abnehmer ist allerdings Brasilen. Der große südamerikanische Nachbar nimmt etwa die Hälfte aller Exporte ab. Die argentinische Haupternte beginnt im Dezember und ist im Januar beendet. Die Weizenpreise sind in Argentinien zuletzt kräftig gestiegen. Die alte Ernte kostet derzeit rund 330 US-Dollar ja Tonne (USD/t).
 
Die neue Ernte wird fob-Exporthäfen zur Anlieferung im Januar 2013 für knapp 340 USD/t angeboten und für den Märztermin kostet der argentinische Weizen bereits 350 USD/t. US-Weizen (Basis CBOT) wird derzeit am Golf von Mexiko für den Zeitraum November/Dezember für 345 USD/t gehandelt. Französischer Weizen kostete bei der letzten Exportauktion 353 USD/t und deutscher Brotweizen wurde Anfang November fob-Ostseehafen für 367 USD/t (282 Euro) verladen.
Weitere Informationen, Analysen und Preise zum Getreidemarkt finden sie im neuen dlv-Angebot Marktkompass in der Rubrik Marktfrüchte.
 
Auch interessant