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Kontrollen

Auflagen im Pflanzenschutz: Verstöße können teuer werden

Kontrolle einer Pflanzenschutzspritze
am Freitag, 01.02.2019 - 11:26

Regelmäßig werden Landwirte wegen Pflanzenschutzverstößen angezeigt, oft ungerechtfertigt. Wenn Sie die Auflagen bei Abständen, Düsen und Bienenschutz beachten, sind Sie auf der sicheren Seite.

Die Bevölkerung nimmt Pflanzenschutz viel stärker wahr als noch vor wenigen Jahren. Regelmäßig werden Landwirte angezeigt, häufig ungerechtfertigt. Wer die Auflagen bei Transport, Abständen, Düsen und Bienenschutz einhält, ist auf der sicheren Seite. 

Mehr und strengere Auflagen – die Hürden beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden immer höher gelegt. Ein Grund ist das neue Pflanzenschutzgesetz von 2012 mit vielen neuen Verordnungen.

Schon bei der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels werden Anwendungs- und Abstandsauflagen erteilt, die Lebewesen, Pflanzen, Grund- und Oberflächengewässer schützen sollen. Sie tragen Kürzel, die den zu schützenden Bereich des Naturhaushalts beschreiben, beispielsweise:

  • NW wie Wasser,
  • NG wie Grundwasser,
  • NT wie Terrestrik, also Saumbiotope.

Geldstrafen drohen

Die Auflagen sind in der Gebrauchsanleitung nachzulesen und müssen streng befolgt werden. Bei Nichtbeachten droht nicht nur ein Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Bußgeld, sondern auch eine Kürzung der Betriebsprämie.

Um Fehler bei der Anwendung zu vermeiden, müssen sich die Praktiker ständig durch Fachzeitschriften und Warndienste auf dem Laufenden halten oder sich von Beratern informieren lassen. Eine korrekt geführte Dokumentation schließt den Kreis der Maßnahmen.

Mindestabstand ist Ländersache

Gemäß § 12 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) dürfen Pflanzenschutzmittel nicht in oder unmittelbar an oberirdischen Gewässern angewendet werden.

Für das Dienstgebiet der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wie auch für weiterer Bundesländer gilt: Zur Böschungsoberkante von Gewässern darf ein mindestens 1 m breiter Abstand aktiv nicht behandelt werden.

Falls bis zur Böschungsoberkante gesät wurde und die Fahrgasse entsprechend angelegt ist, müssen die äußeren zwei Düsen geschlossen werden und die dritte Düse wird durch eine Randdüse (asymetrischer Spritzfächer) ersetzt.

Abhängig von den Anwendungsbedingungen kann auch ein größerer Abstand notwendig sein, beispielsweise je nach Applikationsverfahren, Düsen, Wind, Hangneigung oder Randvegetation.

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Verlustmindernde Düsen

Der Regelabstand zu Gewässern (NW) und Saumbiotopen (NT) lässt sich, wenn die Auflagen in der Gebrauchsanleitung es vorgeben, durch den Einsatz von Injektordüsen verringern. Das setzt aber voraus, dass diese Düsen in das vom Julius Kühn-Institut (JKI) geführte Verzeichnis „Verlustmindernde Geräte“ eingetragen sind.

Zudem sind die dort geforderten Verwendungsbestimmungen einzuhalten, etwa ein reduzierter Druck oder das Einhalten der korrekten Gestängehöhe und Fahrgeschwindigkeit mit maximal 8 km/h. Das Verzeichnis ist unter www.julius-kuehn.de abzurufen.

Hat ein Landwirt beispielsweise eine HighSpeed 110025 von Agrotop eingebaut, werden die 90 Prozent Abdriftminderung nur erreicht, wenn der bei diesem Düsentyp übliche Betriebsdruck von 5,0 auf 2,5 bar reduziert wird; und das auf einer Breite von 20 m. Um den vorher eingestellten Wasseraufwand von beispielsweise 200 l/ha beizubehalten, ist gleichzeitig die Geschwindigkeit von rund 7,8 auf 5,4 km/h zu reduzieren.

Jeder Anwender ist gut beraten, bei einem anstehenden Düsenneukauf einen Satz mit einer Abdriftminderungsklasse von mindestens 50 Prozent zu wählen. In Gebieten mit einer Vielzahl von Gräben, Saumbiotopen, bewohnten Gebieten oder Gärten ist eine Düse mit 75 oder 90 Prozent unumgänglich.

Bienenschutz ist nicht verhandelbar

Bienenschutz hat im Pflanzenschutzrecht einen sehr hohen Stellenwert. Um Schäden vorzubeugen, ist besonders beim Einsatz von Insektiziden im Raps- oder Kartoffelbau und in Baumschulen eine sorgfältige Planung nötig.

Wichtig ist zum einen der Sicherheitsabstand von 60 m zu einem Bienenstand beim Einsatz bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel. Zum anderen sind die Besonderheiten bei der Verwendung von B2-Mitteln in blühenden Kulturen zu beachten.

Diese Mittel dürfen zwar in blühenden Beständen eingesetzt werden, aber ausschließlich nach dem täglichen Bienenflug. Auch wenn die Kultur selbst nicht blüht, muss sie der Anwender auf mögliche blühende Unkräuter oder Honigtau kontrollieren. Feuchte Bestände dürfen nicht behandelt werden. Daher ist um spätestens 23 Uhr MEZ Schluss.

Ein Verwehen auf Nachbarkulturen wie blühenden Raps und vor allem auf den Feld­randbewuchs ist unbedingt zu vermeiden. Beispielsweise wird Kamille gern von Bienen angeflogen. Diese Randbereiche wie auch Hofflächen gehören zum Nichtkulturland und dürfen folglich nicht behandelt werden.

Kontrolle der Plakette

Jeder Kontrolleur prüft im Betrieb oder auf dem Feld zuerst, ob sich auf der Pflanzenschutzspritze eine gültige Kontrollplakette befindet.

Jeder Landwirt sollte schon aus Gründen einer exakten Verteilungsqualität dafür sorgen, sein Gerät rechtzeitig vor Ablauf bei einer autorisierten Fachwerkstatt prüfen zu lassen, also alle drei Jahre oder sechs Kalenderhalbjahre.

Seine umfangreichen Kenntnisse belegt der Anwender durch seine erworbene Sachkunde. Der Sachkundenachweis im Scheckkartenformat gilt seit 2015. Er ist auch die Legitimation für den Einkauf von Pflanzenschutzmitteln im Landhandel.

Alle drei Jahre müssen Anwender, Verkäufer und Berater ihr Wissen in einer anerkannten Fortbildung auffrischen.

Mit Material von Jörg Garrelts

Pflanzenschutz mal anders

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Bildergalerie

Pflanzenschutz mal anders

am Montag, 05.11.2018 - 08:59

Landwirt Ernst-Heinrich Brede hat den Ackerbau nicht neu erfunden, aber er macht schon einiges anders als üblich - mit Erfolg.

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