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Ausreichend Z-Saatgut für die Herbstaussaat 2014 vorhanden

von , am
24.09.2014

Der Saatgutmarkt ist zur Herbstaussaat 2014 ausreichend mit Z-Saatgut versorgt. Die Vermehrungen sind insgesamt mit guten Qualitäten gedroschen worden. Nur bei Triticale zeigen sich Probleme bei der Keimfähigkeit.

Die Erträge von Ackerbohnen variierten in den vergangenen 20 Jahren zwischen 25 und 40 dt/ha. © landpixel
Der BVA-Vorstandsmitglied und Saatgutspezialist Jörg Hartmann geht von einer guten Versorgung mit zertifiziertem Saatgut (Z-Saatgut) zur Herbstaussaat2014 aus. Bundesweit sei die Ernte der Getreide-Vermehrungsflächen mit überwiegend überdurchschnittlichen Er-trägen abgeschlossen. Qualitativ gebe es insgesamt auch nur wenige Abweichungen bei der Anerkennung von Saatgetreide. Eine Ausnahme bildete die hohe Aberkennungsquote bei Wintertriticale in Baden-Württemberg. Der Grund hierfür waren vor allem Probleme bei der Keimfähigkeit.
 
In Norddeutschland seien alle Vermehrungen mit sehr guten Qualitäten gedroschen worden. Die Erträge überträfen den langjährigen Durchschnitt deutlich - sowohl bei Gerste als auch bei Weizen. Ideale Erntebedingungen hätten zu sehr guten Keimfähigkeiten geführt. In westlichen Regionen präsentierten sich die Weizen- und Gerstenvermehrungen mit überdurchschnittlichen Erträgen und überwiegend guten Qualitäten. Auch im Osten Deutschlands konnten größtenteils sehr gute Erträge eingefahren werden. Auch hier seien bislang keine nennenswerten Auffälligkeiten bei der Qualität von Saatgetreide bekannt.

Interview zur Saatgetreide-Situation in Deutschland

Horst Bremer, Beiratsvorsitzender des Bundesverbandes der VO-Firmen (BVO)
 
1. Die Ernte ergab bundesweit überwiegend sehr gute Bruttoerträge bei Wintergetreide. Wie ist die Situation bei Saatgetreide in Sachsen-Anhalt?
 
Die Ernte der Getreide-Vermehrungsflächen in Sachsen-Anhalt ist zwischenzeitlich abgeschlossen. Aus heutiger Sicht muss weniger aus Gründen der Qualität als viel mehr aufgrund der hohen Tausendkorngewichte mit höheren Aussaatstärken pro Hektar gerechnet werden. Die Ergebnisse der Saatgutanerkennung zeigen keine schlechteren Ergebnisse als im Vor-jahr, es sind keine nennenswerten Auffälligkeiten bekannt. Aufgrund der zumeist überdurchschnittlichen Bruttoerträge bei Saatgetreide gehen wir allerdings davon aus, dass es zu keinen nennenswerten Knappheiten kommt. Dies schließt jedoch nicht aus, dass es bei stark nachgefragten bzw. neuen Sorten wie in jedem Jahr zu Engpässen kommen kann.
 
2. Wie wirkt sich die weitgehend unkomplizierte Saison auf das Bestellverhalten der Landwirtschaft für Saatgut aus?
 
Die Landwirte sind teilweise noch abwartend, was die Bestellung von Saatgut angeht. Dies ist zum Teil auch auf die noch ausstehenden Anbauentscheidungen im Zusammenhang mit den finalen Regelungen zum Greening zurückzuführen. Dabei führt der zunehmende Trend hin zu „just-in-time-Bestellungen“ zu enormen logistischen Herausforderungen. In einem Zeitfenster von nur vier Wochen werden die Vermehrungsflächen geerntet, der Aufwuchs gründlich gereinigt, amtlich anerkannt, gebeizt und schließlich verkauft. Bis dem Landwirt das fertige Z-Saatgut termingerecht bereitgestellt wird, sind also viele, den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Arbeitsschritte notwendig, die dem Kunden letztlich höchste Saatgutqualität sichern. Die Optimierung von Prozessen in der Saatgutproduktion in Form von Zeitersparnis ist somit in den meisten Fällen schlichtweg nicht möglich. Daher empfehlen wir dingend, nicht die letzten Auswertungen und Veröffentlichungen der amtlichen oder firmenspezifischen Sortenversuche abzuwarten, sondern die Bestellung des Z-Saatgutes so früh wie möglich zu erledigen. Dies sichert dann auch die termingerechte Belieferung. Dies umso mehr, als dass der Landwirt selten von einem zum nächsten Jahr alle Sorten austauscht, sondern ein Teil seines Sortenspektrums aus den Vorjahren übernimmt und auf ihm bekannte und in seinem Betrieb bewährte Sorten setzt.
 
3. Gibt es weitere Besonderheiten in dieser Saison?
 
Neue Vermarktungsformen von Saatgetreide bergen zusätzlichen logistischen Aufwand. So ist zunehmend die teilweise durch Züchter vorgegebene Vermarktung von Saatgetreide in Einheiten zu beobachten. Problematisch aus Sicht des BVO ist hierbei allerdings die unterschiedliche Definition einer Einheit. Mal bedeutet laut Züchtervorgabe eine Einheit 900.000 Körner, mal 750.000 keimfähige Körner und mal bedeutet eine Einheit zum Beispiel 1 Million keimfähige Körner. Hier fordert der BVO eine entsprechende Harmonisierung durch die Züchter, um Produktion und Vertrieb nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten. Logistisch bewegen sich die VO-Firmen ohnehin schon auf einem sehr hohen Niveau bezieht man noch den Aspekt mit ein, dass einzelne VO-Firmen bis zu 100 Sorten mit den ihnen angeschlossenen Aufbereitungsanlagen bei Unter-VO-Firmen und landwirtschaftlichen Vermehrungsbetrieben produzieren und vertreiben, gilt dies umso mehr.
 
4. Was ändert sich für VO-Firmen durch das Greening hinsichtlich der Vermehrung von Leguminosensaatgut? Wird das Saatgut knapp?
 
Aus den vergangenen Jahren sind uns keine nennenswerten Knappheiten in diesem Bereich bekannt, die Nachfrage stagnierte in weiten Teilen oder ging sogar noch zurück. Durch die Greeningdiskussion ist in einigen Regionen nun ein Anstieg der Nachfrage nach grobkörnigen Leguminosen zu spüren. Generell darf man aber nicht vergessen, dass Vermehrungen generell ein Jahr im Voraus geplant werden und somit kurzfristige Reaktionen auf bedeutende Nachfrageänderungen schlichtweg nicht möglich sind. Laut den Saatgutanerkennungsstellen der Länder werden großkörnige Leguminosen 2014 auf rund 1.000 ha mehr vermehrt als in 2013. Die Erträge waren in diesem Jahr überdurchschnittlich, sodass hier auch eine größere Menge an Saatgut zur Verfügung steht. Ob dies allerdings reicht, muss man abwarten, bis die Anbauentscheidungen der Landwirte getroffen sind. Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, Grobleguminosen anzubauen, sollte in jedem Fall an eine rechtzeitige Bestellung denken.

Vegetationsreport: Bodenbearbeitung zur Weizenaussaat

 
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