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Forst

Bedeutung als internationale Leitmesse unterstrichen

von , am
19.07.2010

München - Die ganze Forstwelt hat sich vergangene Woche auf der Interforst 2010 getroffen, die am Sonntag nach fünf Ausstellungstagen zu Ende gegangen ist.

© Interforst 2010

Die 11. Internationale Messe für Forstwirtschaft und Forsttechnik mit wissenschaftlichen Fachveranstaltungen und Sonderschauen präsentierte in den Hallen und auf dem Freigelände der Messe München auf insgesamt knapp 67.000 Quadratmetern Bruttofläche ein breites Angebot aus den Bereichen Forst und Holz.

Angemeldet waren Messeangaben zufolge insgesamt 408 Aussteller, etwa ebenso viele wie zur vorherigen Interforst im Jahr 2006. Zur Bedeutung der Schau erklärte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner: "In der heutigen Zeit haben wir mehr denn je die Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen und vielfältigen Leistungen des Waldes zu erhalten und auszubauen." Das gelinge aber nur, wenn der Forst nachhaltig genutzt und "pfleglich bewirtschaftet" werde.

Pfeiffer: Mit Ausstellerzahlen zufrieden

Messe-Geschäftsführer Dr. Reinhard  Pfeiffer  zeigte sich zufrieden mit den diesjährigen Ausstellerzahlen. Für die Veranstaltung hätten sich Unternehmen aus insgesamt 24 Ländern angemeldet. Das seien 40 Prozent mehr gewesen als bei der Interforst 2006. Gleichzeitig sei die Zahl der internationalen Aussteller um fast 22 Prozent gegenüber 2006 auf 128 in diesem Jahr gestiegen. Damit habe die Interforst als internationale Leitmesse nochmals deutlich an Bedeutung gewonnen, betonte Pfeiffer. Außerdem sei die gebuchte Ausstellungsfläche gegenüber dem Boomjahr 2006 um etwa acht Prozent größer ausgefallen, obwohl die gesamte Branche auf schwierige Jahre zurückblicke.

Neu: Bodenschutz durch Reifendruckanzeige

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) stellten auf der Interforst ihre "Offensive zum Bodenschutz" im Wald vor. Die BaySF sicherten durch organisatorische und technische Maßnahmen den Schutz von mehr als 80 Prozent des Ökosystems Forst, unterstrich der Staatsbetrieb und wies auf seine neue Broschüre zum Bodenschutz hin, die auf der Internetseite der BaySF heruntergeladen werden kann. Fahrbewegungen der Forstmaschinen würden strikt auf die Erschließungslinien, die sogenannten Rückegassen, konzentriert. Deren dauerhafte Befahrbarkeit werde zudem durch gezielte Maßnahmen sichergestellt. Hinzu komme eine sorgfältige Planung der Holzerntemaßnahmen.

Unter Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse im Jahresverlauf seien spezielle technische Lösungen eingeführt worden, stellten die BaySF fest und präsentierten ein eigens entwickeltes Reifendruckventil für Forstspezialmaschinen. Dieses ermögliche den Förstern selbst im laufenden Einsatz eine schnelle optische Kontrolle des Reifendruckes, einer maßgeblichen Bestimmungsgröße des Bodendruckes.

BaySF: Gute Einstellungschancen

Daneben nutzten die BaySF die Messe dazu, sich als attraktiven Arbeitgeber sowohl für Forstakademiker als auch Lehrberufe und Spezialisten rund um den Wald zu präsentieren. Derzeit bildeten die BaySF mehr als 70 Nachwuchskräfte in den unterschiedlichsten Berufen aus, darunter Forstwirte, Mechatroniker, Industriekaufleute und Revierjäger, betonte der Forstbetrieb. Bei der sachgerechten Bewirtschaftung der Wälder sei immer mehr Spezialwissen gefragt, wenn es darum gehe, den Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung mit Leben zu erfüllen. Hauptsächlich suche das Waldunternehmen aber forstlichen Nachwuchs. Hochschulabsolventen forstlicher Studiengänge seien die wichtigsten Experten, wenn es um die Zukunft der Wälder gehe, hoben die Staatsforsten hervor. Studienabsolventen hätten in den kommenden Jahren gute Einstellungschancen bei den BaySF.

Ihre Forstbetriebe und Sondereinrichtungen sowie die Zentrale in Regensburg deckten ein breites Aufgabenspektrum der forstlichen Berufswelt ab, etwa Waldbau und Naturschutz, Holzlogistik und Jagd. Um die Wege in das "Berufsfeld Wald" für möglichst viele Interessenten aufzuzeigen, haben die BaySF das Informationsblatt "Arbeiten mit Wald und Verstand" herausgegeben. In diesem gehe es unter anderem um die Einstellungsvoraussetzungen und die Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens. Die Broschüre kann unter www.baysf.de im Internet heruntergeladen werden.

CARMEN: Entwicklung von Einkommensalternativen

Das Centrale Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk (CARMEN) bot auf der Interforst Verbraucherinformationen zu Pellet-, Hackschnitzel- und Stückholzkesseln sowie eine Bioenergieberatung für Forst- und Landwirte an. Diese Beratungsinitiative sei Bestandteil des Projektes "Regionale Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit", das bis August des kommenden Jahres über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert werde, erläuterte CARMEN, eine von insgesamt zwölf in diesem Vorhaben aktiven Bioenergie-Beratungsstellen in ganz Deutschland. Ziel sei es, mit dem Produktionszweig Bioenergie Absatz- und Einkommensalternativen für Land- und Forstwirte zu entwickeln. Beratungsschwerpunkte auf der Interforst seien Festbrennstoffe, die Entwicklung von Wärmeverwertungskonzepten und die Anlagenauslegung gewesen.

Bund deutscher Forstleute: Mindestlohnforderung bekräftigt

Der Bund deutscher Forstleute (BDF) bekräftigte anlässlich der Interforst seine Forderung nach einem bundesweiten Branchenmindestlohn für Waldarbeiter in Höhe von zehn Euro pro Stunde. Die Arbeit im Wald sei eine der gefährlichsten in der Berufswelt, stellte BDF-Bundesvorsitzender Hans  Jacobs  fest. Außerdem sehe sich der Berufsstand Forderungen nach einem hohen qualitativen Niveau der Arbeitsergebnisse gegenüber. Vor diesem Hintergrund verwunderten immer wieder Dumpinglöhne, die im Preiskampf zwischen den Unternehmen entstünden, unterstrich Jacobs und ergänzte, die kommende Arbeitnehmerfreizügigkeit werde den Preiskampf nicht entspannen.

Die Waldbesitzer, auch die öffentlichen, hätten eine besondere Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und dem Wald, der sie allerdings "nicht immer gerecht" würden. Notwendig sei daher ein Mindestlohn in der Forstwirtschaft, "damit forstliche Lohnunternehmer, auch Waldbesitzer, die Möglichkeit erhalten, qualitativ hochwertiges Personal einzusetzen, hochwertige Arbeit zu leisten und trotzdem wettbewerbsfähig zu sein". (AgE)

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