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Startup-Szene

Biostimulanzien: Menschlicher Urin für besseres Wurzelwachstum

Ein französisches Startup entwickelt Biostimulanzien auf Basis menschlichen Urins.
am Donnerstag, 10.11.2022 - 11:00 (Jetzt kommentieren)

Ein Startup gewinnt Biostimulanzien aus menschlichem Urin. Nun ist das Produkt am Markt verfügbar. Das steckt dahinter.

Jeden Tag wird menschlicher Urin mit Wasser die Toilette heruntergespült und in der Kläranlage entsorgt. Interesse an den wertvollen Inhaltsstoffen des menschlichen Urins gibt es aber schon länger. Das französische Startup Toopi Organics hat nun erstmal ein Biostimulanz auf Urinbasis auf den Markt gebracht.

Wie entstehen die Biostimulanzien aus menschlichem Urin?

Anders als andere Start-ups setzt das Unternehmen aber nicht auf die teure Extraktion der Inhaltsstoffe. Da die Inhaltsstoffe nur sehr verdünnt in der Flüssigkeit enthalten sind, sind die bisherigen Versuche, Stickstoff und Phosphor zu nutzen, wirtschaftlich nicht wettbewerbsfähig. Das französische Start-up geht einen anderen Weg.

Stattdessen dient der Urin als Nährmedium für das Bakterium Lactobacillus paracasei. Die Mikroben sind von bereits anderen Produkten als Biostimulanzien bekannt. Sie sollen Pflanzen helfen, den vorhandenen Phosphor im Boden zu assimilieren.

Das Produkt Lactopi Start soll außerdem die Wurzelbildung stimulieren und dem Keimling so zu einem besseren Start verhelfen. Die Bakterien vermehren sich im Nährmedium. Der Prozess läuft mittlerweile in großem Maßstab in Biofermentatoren ab.

Woher stammt der menschliche Urin für die Biostimulanzien?

Nach eigenen Angaben schafft es das Unternehmen 1 l Biostimulans aus 1 l Harn zu gewinnen. Das Endprodukt sei hygienisiert und stabilisiert, sodass keine unerwünschten Zusatzstoffe aus dem Urin auf den Acker gelangen.

Seinen Rohstoff gewinnt das Unternehmen aus Partnerschaften mit Unternehmen, Großveranstaltungen und öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, Raststätten und Universitäten. Hier werden wasserlose Urinale installiert, die an Tanks angeschlossen sind.

Der Harn wird vor dem Kontakt mit den Bakterien filtriert. Nach eigenen Angaben wollen die Gründer darauf aufmerksam machen, dass wertvolles Trinkwasser für Toilettenspülungen verschwendet werde. Das Unternehmen will so knappe Wasserressourcen schonen.

Wo ist die Biostimulans schon verfügbar und was kostet sie?

Die französische Nationale Behörde für Lebensmittelsicherheit (ANSES) hat das Mittel bereits freigegeben. Mittlerweile ist es in folgenden Ländern zugelassen:

  • Belgien,
  • Griechenland,
  • Spanien,
  • Italien,
  • Portugal.

Nach Angaben des Anbieters wird die Jahresproduktion von 25.000 l bereits komplett in Frankreich und Belgien vermarktet. Das Endprodukt soll für den Landwirt rund 2 Euro pro Liter kosten. 

Mit Material von terre-net.fr, Toopi Organics
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