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Boden schonend bearbeiten - welche Rolle spielt Glyphosat?

von , am
18.01.2013

Die Ausschüsse für Ackerbau und Pflanzenschutz der DLG diskutierten in einer gut besuchten Veranstaltung die Zukunft bodenschonender Bearbeitungsverfahren und den Wirkstoff Glyphosat.

Horst-Henning Steinmann, Uni Göttingen, stellte eine Studie zur Glyphosatanwendung in Deutschland vor. © Hahn
"Pflügen oder spritzen - Ackerbau im Zwiespalt" lautete der einführende Vortrag von Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen, Soest. Darin fasste er die Arbeitsgebiete zusammen, in denen Glyphosat heute angewendet wird.
 
Im ersten Teil ging es um den Vergleich der Anbausysteme Mulchen/Spritzen und Pflügen. Er zählte die zahlreichen ackerbaulichen Vorteile auf, die eine Mulchauflage für den Wasserhaushalt, das Bodenleben und die Erosion hat. Diese Mulchauflage ist eben nur durch Verzicht auf den Pflug zu erreichen, gleichzeitig fördere die sinkende Bodenbearbeitungsintensität aber das Vorkommen von Unkräutern und Ausfallsamen. Deren effiziente Beseitigung sei mit Totalherbiziden wie Glyphosat möglich. Mechanische Varianten - wie der Einsatz einer Scheibenegge - seien, so Schäfer, teurer, setzen mehr Treibhausgase frei und verbrauchen mehr Treibstoffe.

Grundwasser schonen

In einem weiteren Abschnitt widmete sich Schäfer der Schonung des Grundwassers mit dem Anbauverfahrens Pflugverzicht/Glyphosat. Die Bodenruhe bei Verzicht auf wendende Bodenbearbeitung vermeidet eine verstärkte Mineralisation von Stickstoff. Nachweisbar seien die Mineralisationsraten wesentlich höher, wenn der Boden im Herbst bearbeitet wird.
 
Als Instrument zur Ernteerleichterung sei die Sikkation (Abreifebeschleunigung von Pflanze durch das spritzen soganannter Sikannten) bei einigen Kulturen fast Standard. 

Ackerbauliche Bedeutung von Glyphosat in Deutschland

Im anschließenden Vortrag stellte Dr. Horst-Henning Steinmann von der Georg-August-Universität Göttingen eine Studie zur Glyphosatnutzung vor. Bereits vor zwei Jahren haben er und seine Mitarbeiter dazu eine Umfrage unter etwa 900 Landwirten durchgeführt, die zwei Prozent der deutschen Ackerfläche repräsentieren.
 
Die Umfrage zeigte, dass der Wirkstoff in den letzten Jahren eine große Karriere im deutschen Ackerbau gemacht hat. Auf 39 Prozent der Ackerfläche wird er jährlich ausgebracht. Die Stoppelbehandlung im Raps finde auf 87 Prozent (%) der Anbaufläche mit Glyphosat statt, die Sikkation in Wintergerste auf 66 %.

Offensichtlich, so schloss Steinmann aus den Umfrageergebnissen, ist die Glyphosatanwendung in großem Umfang zur Routinemaßnahme "verkommen".  Allerdings, mahnte er, sei das Produktionsmittel zu wertvoll, um es für billige, routinemäßige Ackerbaueinsätze zu "verheizen". Anwender, Wissenschaftler, Beratung und Regulierungsbehörde sollten sich mit den Kerneinsatzgebieten und mit nachhaltigen Anwendungspraktiken auseinandersetzen.

Unterschiedliche Meinungen zu Glyphosat

In der anschließenden Diskussion wurde die differenzierte Sichtweise des Publikums zu diesem Thema deutlich. Ein Landwirt wies daraufhin, dass der Wirkstoff womöglich schädlicher sei, als die bisherigen Untersuchungsergebnisse nahelegen. Andere Landwirte betonten die Bedeutung des Wirkstoffs für ihre Ackerbausysteme. Detlev Dölger von der Unternehmensberatung Hanse Agro berichtete, dass sein Unternehmen langjährige Untersuchungen zu pfluglosen Anbausystemen in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt habe. Da seien auch Ergebnisse zutage getreten, die ein etwas fragwürdiges Licht auf den Wirkstoff werfen würden.
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