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Bodenschutz

Bodenverdichtungen vermeiden: So rettet schonendes Ackern Ihren Ertrag

Beim Verzicht auf den Pflug und dem Einsatz von Mulchsaat bleibt die Bodenstruktur besser erhalten.
am Freitag, 12.08.2022 - 11:20 (2 Kommentare)

Bodenverdichtungen kosten Erträge und schneiden Pflanzen vom Grundwasser ab. Wir zeigen, was dagegen zu tun ist.

Für Bodenverdichtungen gilt: Kleine Fehler auszubügeln ist sehr aufwendig. Gleichzeitig führen sie zu ungewollt hohen Ertragsverlusten. In zu festem Bodengefüge können die Pflanzenwurzeln den Boden nicht mehr durchdringen, das ohnehin schon knappe Wasser wird noch knapper. Umso mehr kommt es daher auf bodenschonendes Arbeiten auf dem Acker an.

Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge sind 20 Prozent der Ackerflächen in Deutschland schadverdichtet. Wir zeigen, wie Sie freundlich zu ihrem Boden sind und was dabei zu beachten ist.

Diese Folgen haben Bodenverdichtungen für Acker und Bodenleben

Der Boden ist dichter gelagert. Dadurch sinkt das Porenvolumen im Boden. Die Folgen sind:

  • Pflanzen können den Boden weniger durchwurzeln und gelangen schlechter an Wasser,
  • Starkniederschläge versickern schlechter,
  • erhöhter Oberflächenabfluss und Erosion treten auf,
  • Regenwurmpopulationen brechen um bis zu 70 Prozent ein,
  • tiefere Bodenschichten sind schlechter durchlüftet,
  • Lachgas tritt in die Atmosphäre aus, da Bodenmikroben Stickstoff nicht mehr verstoffwechseln können.

So entstehen Verdichtungen im Boden

Überfahrten bei nassem Wetter, etwa zur Maisernte, sind besonders schädlich. Die Nässe wirkt auf die Bodenteilchen wie Schmierseife. Sie gleiten ineinander und verkanten sich. Entgegen vieler Vorurteile sind die Verdichtungen nicht nur auf den schweren "Minutenböden", sondern auch auf Sandböden ein Problem. Aber auch häufige Überfahrten und schwere Maschinen mit über 6 t Radlasten bewirken dauerhaft Schäden im Bodengefüge.

Verdichtungen im Unterboden lassen sich kaum noch richtig beheben. Die Pflugsohlenverdichtung unterhalb des Bearbeitungshorizonts tritt etwa schleichend mit den Jahren auf.

Diese technischen Möglichkeiten helfen, Bodenverdichtungen vorzubeugen

Einige einfache Punkte helfen schon, den Boden beim Ackern zu schonen.

  • Der Reifeninnnendruck lässt sich gerade bei lockerem oder feuchtem Acker  verringern. Dadurch vergrößert sich die Bodenaufstandsfläche und der Reifen sinkt weniger ein. Ein zu niedriger Wert ist aber bei Zugarbeiten nachteilig. Der individuell passende Wert lässt sich auf der Reifendrucktabelle nachschauen. Zu beachten ist, dass eine vergrößerte Bodenaufstandsfläche hohe Gewichte nur bedingt kompensieren kann.
  • Die Reifendruckregelanlage ist besonders nützlich, wenn etwa beim Güllefahren häufig zwischen Acker und Straße gewechselt wird. In den Niederlanden ist dafür mittlerweile auch die Gülleverschlauchung verbreitet, damit keine Fahrzeuge mit falschem Reifendruck auf die Fläche müssen.
  • Fahrgassensysteme helfen, die Belastung auf Teilbereiche des Ackers zu beschränken. Mit den GPS-gestützten Parallelfahreinrichtungen lassen sich die einmal festgelegten Fahrgassen jedes Jahr aufs Neue nutzen. Auf besonders problematischen Flächen kann es besser sein, auf Kulturen zu verzichten, die regelmäßig für Schäden sorgen. Auf besonders nassen Flächen ist etwa das Befahren mit dem Rübenroder im Herbst nicht sinnvoll. Unter Umständen sollte dort ganz auf den Anbau bestimmter Kulturen verzichtet werden.
  • Eine Packerwalze beim Pflügen hilft, das lockere Gefüge anschließend wieder etwas rückzuverdichten. Trotzdem sollte die Fläche nicht direkt nach dem Pflügen befahren werden, da die Last des Schleppers durch den aufgelockerten Boden direkt in die Tiefe übertragen wird.

Mit Humus und Bodenleben Verdichtungen vorbeugen

Langfristig vorbeugen lassen sich Verdichtungen durch pflanzenbauliche Arbeiten. Ausreichende Humusgehalte und ein aktives Bodenleben spielen eine wichtige Rolle für ein besonders tragfähiges Bodengefüge.

Deshalb ist es wichtig, den Boden gut mit organischer Substanz zu versorgen und in der Fruchtfolge auf eine ausgeglichene Humusbilanz zu setzen. Das geht über 

  • Zwischenfrüchte und Untersaaten,
  • organische Düngung und
  • das Belassen von Ernterückständen auf dem Acker.

So lässt sich mittelfristig ein zur Bodenart passender Humusgehalt auf der Fläche aufbauen. Ist das Bodenleben in der Fläche besonders aktiv, werden die Bodenteilchen durch die Schleimstoffe von Bakterien und Pilze lebendverbaut. Dazu benötigen die Mikroben und Pilze aber ausreichend Futter aus organischer Substanz.

Besonders bodenschonend arbeitet die konservierende Bodenbearbeitung. Durch den Verzicht auf den Pflug, Direktsaat und das Arbeiten mit dauerhafter Begrünung der Fläche wird die vorhandene Bodenstruktur erhalten und stabilisiert.

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