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Brandenburg: Helikoptereinsatz gegen Raupen

von , am
15.05.2013

Potsdam/Berlin - Brandenburg geht bis zum 10. Juni aus der Luft und vom Boden aus mit einer Chemikalie gegen den Eichenprozessionsspinner vor.

Der Eichenprozessionsspinner treibt sein Unwesen vermehrt in Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg. © Albrecht E. Arnold/pixelio.de
Am 7. Mai gab Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger den Startschuss für einen ersten Helikoptereinsatz, der das Mittel Dipel ES über den mit diesem Schädling befallenen, großen Eichenbeständen im Havelland versprüht; in Brandenburg sind daneben die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und in weiten Teilen auch Oberhavel am meisten betroffen.
 
Wie das Potsdamer Agrarressort anlässlich des Starts der Maßnahmen weiter mitteilte, bestehen nach Einschätzung der Experten des Landesbetriebes Forst Brandenburg in den Wochen nach dem Start die besten Voraussetzungen, um die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners wirksam einzudämmen; insgesamt sollen die Arbeiten noch bis zum 10. Juni laufen.

`Dipel ES` gegen Eichenprozessionsspinner

Das Präparat Dipel ES werde dabei ordnungsbehördlich auch in Waldrandbereichen als Biozid eingesetzt; es werde als das am besten geeignete Mittel angesehen, sei im Ökolandbau anwendbar und seit vielen Jahren ohne Probleme im Einsatz. Die Bekämpfung des Schädlings, der sich in den vergangenen Jahren auch mangels weniger natürlicher Gegenspieler in der Region so gut habe vermehren können, werde vom Boden und aus der Luft erfolgen, wenn es die Wetterbedingungen zuließen.

Hautirritationen und allergische Reaktionen möglich

Problematisch am Eichenprozessionsspinner sei neben den Fraßschäden im Wald insbesondere auch der Befall von Eichen an Straßen und im Siedlungsgebiet. Die Brennhaare der Raupen könnten allergische Reaktionen auslösen, deren Häufigkeit stark zugenommen habe. Ferner seien mit dem Insekt erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen verbunden.

18.000 Liter des Präparates angeschafft

Jedoch stießen die Bekämpfungsmaßnahmen auf praktische und auf rechtliche Hürden, führte das brandenburgische Landwirtschaftsministerium weiter aus. So sei 2012 unter Federführung des Landwirtschaftsministeriums eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die unter anderem beim Bund die Zulassung und Beschaffung von Dipel ES erwirkt habe. Mittlerweile seien 18.000 Liter des Präparates angeschafft worden, das der Landesbetrieb und die Landkreise einsetzten.

Für die Bekämpfung 9.000 Hektar Wald genehmigt

Die vermutlich durch den Klimawandel begünstigte Zunahme des Eichenprozessionsspinners habe in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme verursacht. Die von Fraßschäden betroffene Waldfläche im Bundesland sei von weniger als 1.000 Hektar im Jahr 2008 auf fast 4.000 Hektar in 2012 gestiegen. In diesem Jahr sollen neben den kommunalen Flächen 9.000 Hektar Wald behandelt werden. Im Nordwesten Brandenburgs sei es 2012 lokal zu einem Massenbefall auch in Ortschaften und zu schwerwiegenden Belastungen der Menschen gekommen. Neben der Einhaltung von Verhaltensregeln komme zur Vermeidung von allergischen Reaktionen der Bekämpfung dieser Raupe eine erhebliche Bedeutung zu, betonte das Landwirtschaftsministerium. Während das Absaugen von Raupennestern punktuell Abhilfe schaffen könne, reduziere der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Population der Raupen im Frühjahr.

NABU: Kein Gifteinsatz in deutschen Wäldern

Anlässlich des Starts der Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Schadinsektes hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) einen "sofortigen Stopp des Gifteinsatzes gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners im Wald" gefordert. "Dem NABU ist die Problematik des Eichprozessionsspinners und seinen Risiken für die menschliche Gesundheit und den möglichen Schäden für die Forstwirtschaft sehr bewusst. Der rasche Griff zur Giftspritze kann aber keine Lösung für große Waldflächen sein", so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Seinen Worten zufolge muss der Eichprozessionsspinner in Siedlungen, Parks, Schwimmbädern und Friedhöfen zum Schutz der Bevölkerung so naturverträglich wie möglich bekämpft werden.

Gefährdung des Lebensraums Wald vermeiden

Nach Auffassung des NABU muss in Wäldern auf den Einsatz von Insektiziden verzichtet werden. Um Risiken für Menschen zu vermeiden, sollten stark befallene Bereiche in der kritischen Jahreszeit gesperrt werden. "Durch einen großflächigen Gifteinsatz wird ein zusätzlicher und unnötiger Stressfaktor für die Wälder geschaffen, die schon heute unter Grundwasserabsenkungen, zunehmenden Hitzeperioden, Stürmen und hohen Stoffeinträgen wie Stickstoff aus der Landwirtschaft leiden. Darum müssen weitere Belastungen für das Ökosystem Wald vermieden werden", erklärte NABU-Waldexperte Stefan Adler. Er wies darauf hin, dass die eingesetzten Insektizide sehr unterschiedlich wirkten; langfristige Schäden auf die Natur seien dabei auch bei dem biologischen Insektizid Dipel ES nicht auszuschließen.
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