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Kommentar

Bundesweite Protestaktionen: Die Stimme der Bauern ist lauter geworden

Demo in Bonn
am Mittwoch, 23.10.2019 - 07:38 (Jetzt kommentieren)

Die Bauern verschaffen sich neues Gehör. Sie erheben ihre Stimme, erstmals auch ohne das Zutun der Verbände und ihrer Funktionäre. Das haben die bundesweiten Protestaktionen in den größeren Städten Deutschlands gezeigt. Ein neues Wir-Gefühl in der Szene war da zu spüren.

Das kam auch bei den Verbrauchern meist gut an. Sie zeigten überwiegend Verständnis für die von Traktoren verstopften Straßen. Bei vielen Berufskollegen dagegen sitzt der Frust inzwischen tief über die Entscheidungsfindung für immer neue Vorschriften und Auflagen. Und er entlud sich in München, Bonn oder Hannover zum Teil heftig. Da war kein Blatt vor dem Mund. Die Botschaft: Wir lassen uns nicht länger als Sündenböcke abstempeln, als Tierquäler, Umweltvergifter oder Klimaschädiger. Wir fordern Wertschätzung für unsere Arbeit.

Noch nicht alles in Stein gemeißelt

Agrarpaket, Insektenschutz, Düngevorschriften, Mersocurabkommen und Bauernbashing treiben die Landwirte auf die Barrikaden und vermiesen die Stimmung auf den Höfen ordentlich. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Ihre Existenz sehen sie mit der aktuellen Umwelt- und Agrarpolitik massiv bedroht. Da tut echte Solidarität gut, so wie sie auf den zahlreichen Kundgebungen zu erleben war.

Das neue Zusammengehörigkeitsgefühl nährt denn auch Hoffnung. Denn bei der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, dem Handelsabkommen, dem Insektenschutz und dem Tierwohl ist noch klängst nicht alles in Stein gemeißelt. Die Forderung, dabei noch mitreden zu dürfen, ist das Mindeste, was die Landwirte völlig zu Recht fordern.

Das immerhin hat Staatssekretär Aeikens in Bonn zugesagt. Schulze und Klöckner waren auf der zentralen Veranstaltung auf dem Münsterplatz nicht zugegen. Aber sie dürften sich künftig einer gestärkten Stimme gegenübersehen. Eilig laden Kanzlerin Merkel und Julia Klöckner denn auch demnächst zu einem Landwirtschaftskongress ein, um mit den Bauern wieder besser ins Gespräch zu kommen. Versöhnen statt Spalten ist dabei die Devise.

Echte Kompromisse erforderlich

Tatsächlich lassen sich die Forderungen der Gesellschaft nicht ohne die Landwirte lösen. Aber nichts fürchten die Bauern mehr als eine Ökodiktatur, bei der die Bürokraten und die Nichtregierungsorganisationen mehr zu melden haben als diejenigen, die ihre Arbeit 365 Tage im Jahr gewissenhaft erledigen. Dass vor allem die bäuerlichen Familienbetriebe im Mittelpunkt der Politik stehen, nehmen die Demonstranten den Politikern nicht mehr ab. Doch die Zeit der nicht eingehaltenen Worte sei nun vorbei, so der Tenor der Proteste.

Und so baten die Landwirte nicht nur zu Tisch, sie riefen förmlich an den Verhandlungstisch. Die Politiker haben das offenbar vernommen. Die über die sozialen Medien vernetzten Akteure haben bewiesen, dass sich der Berufsstand durchaus Gehör verschaffen kann, ohne sich spalten zu lassen. So waren auch auffallend viele junge Praktiker unter den Demonstranten.

Dass ihre Stimme was zählt, war bei den bundesweiten Veranstaltungen positiv zu spüren, Motto: Wir Landwirte stehen überall, wir sind Vereinsvorsitz und Feuerwehr, und wir sind jetzt laut, wir lassen uns den Mund nicht mehr verbieten, so die Botschaft. Die neue Bewegung stehe künftig nicht eher vom Tisch auf, bis echte Kompromisse gefunden seien. Das neue Gemeinschaftsgefühl jedenfalls ist erwacht - und lässt sich zu dem Zweck jederzeit wieder aktivieren. Wenn sich nichts ändert, protestieren die Bauern erneut.

Bauerndemonstrationen in ganz Deutschland: Aktuelle Bilder

Demo in Bonn
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Traktoren in Würzberg
Demo in Würzburg

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