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Kommentar

Chemischer Pflanzenschutz - Dagegen sein ist zu einfach

Pflanzenschutz im Weizen im Frühjahr
am
05.02.2019

Die Gesellschaft lehnt den chemischen Pflanzenschutz ab. Es ist heute schick, dagegen zu sein. Aber können wir uns das eigentlich leisten? Ein Kommentar von agrarheute-Redakteurin Anne Ehnts.

Bei uns im Land gehört es heute anscheinend zum guten Ton, dagegen zu sein: gegen den Energieträger Kohle, gegen Dieselfahrzeuge, gegen die Ferkelkastration oder gegen den chemischen Pflanzenschutz. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Viele Menschen in Deutschland stehen nicht nur den Produktionsmethoden der modernen Landwirtschaft, sondern selbst ihren nachweislich hochwertigen Produkten kritisch gegenüber.

Ich will gar nicht darüber lamentieren, ob diese Haltung gerechtfertigt ist oder nicht. Ich stelle vielmehr die Frage, ob wir uns das eigentlich erlauben können, nicht finanziell, also vor dem Hintergrund des internationalen Wettbewerbs, sondern moralisch. Können wir es uns an einem Gunststandort wie Deutschland mit hoher Kaufkraft moralisch leisten, den chemischen Pflanzenschutz abzulehnen?

Ich behaupte nein, denn uns in Deutschland mit einer extensiven Landwirtschaft zu schmücken, würde durch erhöhte Importe indirekt global Fläche verbrauchen, die den Menschen mit geringerer Kaufkraft genommen würde. Denn ein Mehr an Fläche wird es auch in Zukunft nicht geben – weder bei uns noch sonst wo auf der Welt.

Im Gegenteil: In Deutschland gehen nach Angaben des Statistischen Bundesamts täglich etwa 62 ha wertvolle Ackerfläche für die Bebauung verloren. Insgesamt schrumpft durch das Wachstum der Weltbevölkerung die verfügbare landwirtschaftlich nutzbare Fläche pro Kopf auf unter 2.000 m2 bis zum Jahr 2025. 1950 waren das laut FAO noch 5.000 m2.

Unsere weiße Weste würden wir also auf Kosten anderer tragen. Weder dem globalen Umweltschutz noch der weltweiten Versorgung mit Lebensmitteln wäre gedient.

Dazu ein Gedankenspiel: Würden wir in ganz Deutschland auf Ökolandbau umstellen, fehlten nach Angaben des Testbetriebsnetzes des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft allein 14 Mio. t Weizen. Dies reicht aus, um weltweit circa 216 Mio. Menschen mit einer durchschnittlichen Jahresration dieses Getreides zu versorgen. Wer also kann es vertreten, dass wir unseren Beitrag zum globalen Warenkorb nicht leisten?

Dazu trägt auch der chemische Pflanzenschutz bei. Hier muss das Ziel sein, Ökonomie, Ökologie und gesellschaftliche Verantwortung unter einen Hut zu bringen – und das global.

Hätten Sie's gewusst? 10 Fakten zum Pflanzenschutz

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