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Aus der Wirtschaft

CME plant alternativen EU-Weizenfuture

© agrar-press
von , am
13.05.2014

Chicago/Paris - Die amerikanische CME will einen in Euro gehandelten Mahlweizen-Future einführen. Die Matif könnte dadurch an Umsatzvolumen verlieren.

An der Euronext kann physische Ware ab dem Auslaufen des Futures mit Fälligkeit im September 2015 auch an Dünkirchener Silobetreiber geliefert werden. © landpixel
Die US-amerikanische CME-Gruppe, die global größte Warenterminbörse für Agrarprodukte, will im eigenen Land einen in Euro gehandelten Future auf 50 Tonnen (t) EU-Mahlweizen auflegen, der mit dem Matif-Weizenkontrakt der Euronext in Paris um die Gunst der Marktakteure konkurrieren würde.
 
Der Matif-Future gilt in der Europäischen Union als Leitnotierung für Weizen und könnte nach der Auflage des US-Konkurrenzproduktes an Handelsvolumen verlieren. Insidern zufolge könnte der Handel mit dem neuen Kontrakt bereits im vierten Quartal 2014 starten.

Future soll sich auf Proteingehalt von 10,5 Prozent beziehen

Wie aus einem Kontraktentwurf der CME hervorgeht, der dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE vorliegt, ergäben sich aus den darin genannten Kontraktspezifikationen unter anderem für die französischen Getreidehandelsunternehmen einige Vorteile: So soll sich der CME-Future auf Weizen mit einem Proteingehalt von 10,5 Prozent (%) beziehen, während der Matif-Future hierzu keine konkrete Vorgabe macht.
 
Außerdem plant die CME als Preisbasis die freie Lieferung aus zahlreichen nord- und mittelfranzösischen Lagerhäusern von Genossenschaften und Getreidehändlern. Hier werden die Provinzen Nieder- und Obernormandie, Île de France, Picardie, Nord-Pas-de-Calais, Centre, Burgund und Champagne-Ardenne genannt. Für diese Destinationen sollen individuelle Preise nach Maßgabe ihrer Entfernung zum Hafen in Rouen abgeleitet werden. Die Lagerhalter könnten dann von ihren Kunden monatliche Gebühren von etwa zwei Euro je Tonne (Euro/t) einstreichen.
 
Dagegen sieht der Matif-Kontrakt als Lieferorte für physische Ware lediglich Lagerhäuser in den Häfen von Rouen und Dünkirchen vor. Frankreich ist der größte EU-Weizenproduzent, gefolgt von Deutschland.

Neuer Future soll an der CBoT gelistet werden

Wie den CME-Unterlagen weiter zu entnehmen ist, soll der neue Future an der Chicagoer Terminbörse (Chicago Board of Trade - CBoT) gelistet werden. Daraus ergäben sich für die Anleger wie beispielsweise Fonds durch die Kombination mit anderen Agrarkontrakten in ihrem Portfolio Möglichkeiten zur Verringerung ihrer Sicherheitsleistungen, wodurch sich die für Futuresengagements notwendige Liquidität verringern ließe. Recht günstig sind auch die geplanten Börsenhandelsgebühren für den Verkauf oder Kauf und die Glattstellung einer Position von insgesamt etwa einem Dollar (0,72 Euro).
 
Durch die Listung in den USA würde auch die internationale Markttransparenz steigen, denn die Warenterminbörsen müssen dort ab einem bestimmten Kontrakthandelsvolumen Angaben über die Handelspositionen der anzeigepflichtigen Marktteilnehmer veröffentlichen - diese Auflage muss die Euronext beim Matif-Mahlweizenfuture nicht erfüllen. Erster Liefermonat des neuen Kontraktes soll der September 2015 sein. Vorgesehen sind als weitere Fälligkeiten Dezember, März und Mai.
 
Als Handelszeit erwägt die CME 10:30 Uhr bis 18:35 Uhr Pariser Ortszeit; damit würde der Handel eine Viertelstunde früher starten und fünf Minuten später enden als beim Matif-Future.

ZMP erwartet kurzfristige Turbulenzen beim Matif-Kontrakt

Der Geschäftsführer der Zentrale Markt- und Preisinformationen GmbH, Benjamin Berndt, bezeichnete das Vorhaben der CME als "sehr interessante Marktentwicklung". Die Realisierungschancen des neuen Futures seien vor allem wegen der flexiblen Anlieferungsmöglichkeiten für physische Ware sehr hoch. In der Folge seien zwar kurzfristige "Turbulenzen" beim Matif-Kontrakt möglich, aber ein Kursrutsch sei unwahrscheinlich. Allerdings könnte die Liquidität des Pariser Futures sinken. Um dies zu verhindern, habe die Euronext die Möglichkeit, den Handel mit dem Pariser Future günstiger als bisher zu gestalten.

Euronext präsentiert sich attraktiver

Unterdessen bemüht sich die Euronext, ihren Weizenkontrakt für die aufnehmende Hand und für die Lieferanten attraktiver zu gestalten: Seit Ende April ermöglicht die Börse den Silobetreibern, nach dem Auslaufen von Futures die Annahmevoraussetzungen für Anlieferungsware wie Feuchte, Auswuchs, Bruchkorn und Besatz zu verschärfen oder durch weitere Anforderungen zu ergänzen.
 
Außerdem kann physische Ware ab dem Auslaufen des Futures mit Fälligkeit im September 2015 auch an Dünkirchener Silobetreiber geliefert werden.

Marktreport: Preiserwartungen für die neue Ernte

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