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Forst

Der deutsche Wald bleibt krank

von , am
28.12.2009

Kiel - Erholung bei Nadelbäumen, leichter Anstieg der Buchen- und Eichenschäden - das ist zusammengefasst das Ergebnis der Waldzustandserhebung in Schleswig-Holstein, die an ca. 3.600 Bäumen auf 150 Beobachtungsflächen durchgeführt wurde.

© Peter Kirillov/fotolia

Obwohl im Vergleich zum Jahr 2008 die Fichten unverändert und die Kiefern sogar besser beurteilt wurden, erhöhte sich der Anteil deutlich geschädigter Bäume zum Vorjahr insgesamt maßvoll um zwei Punkte auf 30 Prozent, wie das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein berichtet. Grund hierfür war eine sehr starke Fruchtbildung im Jahr 2009 vor allem bei Buchen, Förster sprechen von einer "Buchen-Vollmast", die zu einer Verringerung der Blattmasse führte. Diesem Resultat ist allerdings gerade bei Buchen die zuletzt im Jahr 2008 festgestellte Zustandsverbesserung gegenüber zu stellen.

Die Fichten haben das Ergebnis von 2008 halten können, insbesondere jüngere Bäume verbesserten sich, während ältere Bäume über 60 Jahren ein weiterhin hohes Schadensniveau aufwiesen. Leichte Entspannung auch bei Kiefern, jüngere Bäume zeigten ebenfalls ein besseres Ergebnis als im Vorjahr. Generell ist der Anteil der Kiefern ohne sichtbare Schadsymptome deutlich größer als bei den übrigen Hauptbaumarten und liegt bei gut der Hälfte aller Bäume.

Stressfaktoren für die Waldbäume reduzieren

Luftverunreinigungen haben auf Waldbestände und deren Entwicklung nach wie vor großen Einfluss. Ihre Nährstoffeinträge, Säurebildung oder andere potentiell toxische Effekte liegen in Waldbeständen deutlich über dem Eintrag von Luftverunreinigungen im Freiland. Das liegt an der insgesamt großen Oberfläche von Blättern, Zweigen und Nadeln, an denen sich Wassertröpfchen und Staubpartikel mit den darin enthaltenen Stoffen anlagern. Mit dem von den Baumkronen abtropfenden Niederschlagswasser gelangen sie dann in den Waldboden.

Weitere Maßnahmen notwendig

Dennoch haben die Anstrengungen der Luftreinhaltepolitik seit den 1980er Jahren Wirkung gezeigt: Besonders die Schwefeleinträge wurden stark reduziert. Unbefriedigend sind jedoch nach wie vor die hohen Stickstoffeinträge, deren wesentliche Quellen Ammoniak aus Tierhaltung und Düngung sowie Stickstoffoxide aus Heizungsanlagen, Energiewirtschaft und Straßenverkehr sind. Der ausführliche und mit aktuellen Grafiken versehene Waldzustandsbericht 2009 für Schleswig-Holstein wird als .pdf-Datei im Internet veröffentlicht unter: www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft.

Klassifizierungssystem

Der Verlust an Blatt- oder Nadelmasse wird europaweit in Schadstufen klassifiziert. Schadstufe 0 bedeutet einen Verlust von bis zu zehn Prozent der Blattmasse. Schadstufe 1 beginnt bei elf und endet bei 25 Prozent. Die natürliche Schwankung der Blattmasse liegt bei einem Verlust von bis zu 15 Prozent. Aus diesem Grund wird die Stufe 1 als Warnstufe bezeichnet. Schadstufe 2 bedeutet einen Verlust zwischen 26 und 60 Prozent, in diesem Bereich beginnen die deutlichen Schäden. Schadstufe 3 beschreibt den Verlust an Blattmasse zwischen 61 und 99 Prozent, Schadstufe 4 bedeutet 100 Prozent Verlust, der Baum ist abgestorben. Die Schadstufen 2 bis 4 werden zusammengefasst und als "deutlich geschädigt" bezeichnet. (pd)

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