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DMM-Beizung bei Raps empfehlenswert

© Mühlhausen/landpixel
von , am
13.09.2011

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt aktuelle Empfehlungen zum integrierten Pflanzenschutz in Getreide, Raps und Zuckerrüben.

Auch bei der kommenden Getreideaussaat sollte die Beizung eingeplant werden.
Die Getreideernte konnte am letzten Wochenende weitgehend beendet werden. Für die kommende Aussaat ist die Beizung als wichtige Standardmaßnahme zu planen. Gleichzeitig wurde mit Hochdruck die Rapsaussaat vorangetrieben. Auch hier sollte die Beizung gegen Blattkrankheiten wie z.B. den Falschen Mehltau vorgenommen werden. Bei den Zuckerrüben hat die feuchte Witterung zu Blattkrankheiten in unbehandelten und in vor drei bis vier Wochen gespritzten Flächen geführt.

Winterraps: Pflugsaat durchführen und wüchsige Hybridsorten ausdrillen

Die Rapsbestände teilen sich derzeit vergleichbar dem Jahr 2010 in stark unterschiedliche Entwicklungsstadien auf. Einerseits die Frühsaaten Mitte August, die zügig und gleichmäßig aufgelaufen sind und auf einigen Schlägen bereits das zweite Laubblattpaar entwickelt haben, andererseits verschlemmte Rapssaaten nach Starkniederschlägen bei denen Bestandesausdünnungen nicht ausgeschlossen sind. Für noch anstehende Rapssaaten sollten den Feldaufgang und die Bestandesentwicklung fördernde Maßnahmen geplant werden. Hierzu gehören möglichst Pflugsaaten durchführen sowie wüchsige Hybridsorten wie z. B. Visby oder Sherpa ausdrillen. Zudem sichert eine DMM-Beizung die kleinen Pflanzen gegen Blattkrankheiten wie z. B. Falschen Mehltau ab.
 
Weiterhin ist es absichernd, die Aussaatstärken zu erhöhen und ggf. grobes Saatbett nach der Saat anzuwalzen, um einen gleichmäßigeren Feldaufgang und Herbizidwirkungen zu erzielen. Eine frühzeitige Schneckenbekämpfung verhindert zudem Bestandesausdünnungen im Feldaufgang. In den Frühsaaten insbesondere den Mulchsaaten haben die Niederschläge einen schnellen Auflauf des Ausfallgetreides bewirkt. In Mulchsaaten von Winterraps tritt Ausfallgetreide vermehrt auf Unter diesen Bedingungen sollten bereits frühzeitig im Zwei-Blattstadium des Ausfallgetreides Gräsermittel wie Fusilade Max oder Panarex mit 50 % der Aufwandmenge zur Anwendung kommen, um die Konkurrenzkraft des Winterrapses zu unterstützen.
 
Häufig wird eine Zweitmaßnahme gegen weitere Auflaufwellen erforderlich. Frühe Maßnahmen wären unter Umständen mit Rapsherbiziden wie Butisan Top oder Butisan Gold im Nachauflauf kombinierbar. Diese Metazachlor-haltigen Präparate wie auch Butisan Kombi besitzen selber eine Wirkung gegen Ungräser ebenso Clomazone-haltige Präparate wie Colzor Trio oder Nimbus, die Ausfallgetreide schädigen. In Pflugsaaten laufen die Gräser in der Regel später auf, so dass eine einmalige Maßnahme im Drei- bis Vier-Blattstadium des Ausfallgetreides ausreichend ist.

Ruhen der Zulassung Clomazone-haltiger Pflanzenschutzmittel beachten

Das BVL hat am 2. September dieses Jahres mit sofortiger Wirkung das Ruhen der Zulassung für alle Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Clomazone angeordnet. Dies bedeutet, Pflanzenschutzmittel, die diesen Wirkstoff enthalten, dürfen ab sofort weder vertrieben noch angewendet werden. Mittlerweile haben jedoch einige Zulassungsinhaber Widerspruch gegen diese Ruhensanordnung eingelegt, so dass eine Anzahl von Clomazone-haltigen Präparaten befristet handelbar oder anwendbar sind. Informationen darüber, welche Clomazone-haltigen Präparate dies aktuell sind, erhalten Sie über den Pflanzenschutzdienst ihrer zuständigen Bezirksstelle.
 
Auf Rapsflächen, auf denen eine Resistenz von Ackerfuchsschwanz oder Windhalm gegen FOP’s wie Agil S, Panarex oder Fusilade Max vorliegt, sollte bei frühen Gräsermaßnahmen DIM’s wie Focus Ultra oder Select 240 EC eingesetzt werden. Alternativ kann im Spätherbst gegen Ausfallgetreide, Trespe und Ungräser als Resistenzbaustein Kerb Flo/Groove zur Anwendung gelangen. Ist eine Gräsermaßnahme z. B. in sehr früh gedrillten Rapsbeständen notwendig, die bereits vier Laubblätter entwickelt haben, kann die Gräsermaßnahme mit einer Wachstumsreglerbehandlung kombiniert werden. Diese sehr wüchsigen Bestände sollten dann z. B. mit einem Carax behandelt werden, ggf. wird eine zweite Maßnahme zum späteren Zeitpunkt erforderlich.

Zuckerrüben: Nachbehandlung gegen Cercospora

Die feuchte Witterung hat die Ausbreitung von Mehltau und Rost in unbehandelten und in vor drei bis vier Wochen gespritzte Flächen gefördert. Auch Cercospora-Nester fallen in unbehandelten Beständen vermehrt auf. Nachbehandlungen sind erforderlich, wenn die Befallshäufigkeit der ermittelten Blattkrankheiten 45 Prozent überschreitet. Kontrollieren Sie daher Ihre Zuckerrübenflächen, bei denen die erste Fungizigmaßnahme länger als drei Wochen zurückliegt. Wird die o.g. Bekämpfungsschwelle als Summe der Blattkrankheiten überschritten, sollten Nachbehandlungen z. B. mit Spyrale, Duett Ultra oder Domark 10 EC erfolgen. Fungizidmaßnahmen sollten sich dabei auf Spätrodungsflächen ab Ende Oktober beschränken. Beachten Sie die Wartezeit der Präparate!

Beizung von Wintergetreide als Standardmaßnahme

Die Beizung des Getreides ist eine Standardmaßnahme und wird hauptsächlich an samenbürtigen Krankheiten wie Flug- und Steinbrand ausgerichtet. Zum Teil werden auch frühe Blattkrankheiten erfasst. Durch die Bekämpfung der Typhulafäule oder des Schneeschimmels wird die Winterfestigkeit gefördert. Für die kommende Aussaat sind nach dem Auslaufen der Zulassung im Vorjahr und dem Ende der Aufbrauchfrist zum 31. Mai 2011 die Beizmittel Baytan2 und EfA nicht mehr in der Anwendung. Darüber hinaus wurde für Landor CT die Zulassung auf Wintergerste erweitert, so dass neben Rubin TT eine weitere Universalbeize in allen Getreidearten zur Verfügung steht. Die Absicherung gegen Schwarzbeinigkeit in Weizen und Triticale durch Jockey oder Galmano als Vollschutz bzw. mit Latitude als Zusatzbeize zu einem Standardprodukt kann insbesondere in getreidereichen Fruchtfolgen in Stoppelweizen und bei früher Aussaat sinnvoll sein. Eine Beizung mit diesen beiden Spezialbeizen brachte im Winterweizen in den vergangenen Jahren in Versuchen Mehrerträge von 0 - 5 %, wobei die Effekte zwischen Jahr und Standort stark schwanken. Bei Latitude waren die Mehrerträge tendenziell höher. Zur Kostendeckung sind jedoch 2 dt/ha Mehrertrag bei einer Aussaatmenge von 150 kg/ha ca. erforderlich.
 
Nach Angaben der Firma Bayer ist die Galmano-Beize zwar zugelassen für die Beizsaison 2011, steht jedoch nur in geringer Menge im Handel zur Verfügung. Da weiterhin gegen Virusvektoren in Getreide zurzeit keine Beizmittel zugelassen sind, ist die Bekämpfung im Bedarfsfall durch gezielte Insektizideinsätze durchzuführen. Lediglich gegen die in Spätsaaten auftretende Brachfliege kann der Weizen mit 60 ml/ha Contur Plus abgesichert werden. Zur Absicherung des Mikronährstoffbedarfs der jungen Getreidepflanze kann die Zusatzbeize Nutriseed (ca. 4 €/dt) mit 250 ml/dt in allen Getreidearten zur Anwendung kommen. Zu Ertragseffekten liegen jedoch unterschiedliche Ergebnisse vor. Erfahrungsgemäß reichen aber in unserer Region Blattspritzungen ab dem Zwei- bis Dreiblattstadium aus. Zu bedenken ist, dass bei einem Anbeizverfahren die Nährstoffmengen sehr gering sind und eine weitere Düngungsmaßnahme erforderlich ist.
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