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EU-Pflanzenschutznovelle

Droht ein Rückfall in die 70er Jahre?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
26.11.2015

Was bringt die Pflanzenschutznovelle? Bei der Magdeburger Runde, zu der Syngenta eingeladen hat, wird einen Ausblick gewagt. Demnach könnte es zu einem dramatischen Verlust an Mitteln kommen.

Anlässlich der traditionellen Magdeburger Runde von Syngenta beschäftigte sich der Leiter "Registrierung und Produktsicherheit" des Unternehmens, Dr. Günther Peters, mit den Auswirkungen der Pflanzenschutznovelle. Peters konstatierte deutliche Wirkstoffverluste aus der EU-Zulassungsverordnung, deren Gesamthöhe noch nicht absehbar sei. Ganze Anwendungsbereiche würden somit auf der Kippe stehen, auch breite Zulassungen mit vielen Indikationen seien kaum noch zu bezahlen.

Verlust an Pflanzenschutzmitteln

Die bisher eingeführten Verordnungen wie die EU-Zulassungsverordnung von 2009, die sogenannte Ausschlusskriterien neu eingeführt hatte, und auch weitere Leitlinien, die derzeit in der Entwicklung sind (wie die Leitlinie zur Risikobewertung für Bienen und weitere acht zur Ökotoxikologie) erschwerten die Existenz zugelassener wie auch neuer Mittel. In der Folge werde, wegen des Wegfalls bzw. Auslaufens von Mitteln, ab 2017 ein dramatischer Verlust an Pflanzenschutzmitteln zu erwarten sein.

Beim Getreide könnten Krankheiten wie Septoria, Gelbrost, Fusarium, DTR oder Netzflecken in Zukunft nicht mehr bekämpft werden, wie eine Studie des Industrieverbandes Agrar ergab. Sollten die Kriterien für hormonschädliche Stoffe (endrokrine Disruptoren) der EU-Kommission umgesetzt werden, würden bei Getreidefungiziden neun der zehn meistverkauften Produkte wegfallen.

Keine neuen Insektizide

Im Kartoffelbau würden Kontaktmittel knapp und neue Wirkstoffe seien nicht in Sicht. Bei den Kartoffel-Herbiziden seien Resistenzprobleme absehbar. Die bereits erwähnte EFSA-Leitlinie zur Risikobewertung bei Bienen würde bei Inkrafttreten dazu führen, dass absehbar keine neues Insektizid für den europäischen Markt mehr zugelassen wird.

Zulassungsverfahren wird immer komplizierter

Die äußeren Umstände für den Pflanzenschutz hätten sich in den zurückliegenden Jahren verändert, erklärte Peters weiter. Die Mittelzulassung sei inzwischen nicht mehr in Länderhoheit, sondern auf europäischer Basis in Zonen organisiert. Sie werde immer komplexer und komplizierter und mit konstant steigenden Datenmengen verbunden. Das sei laut Peters teuer für die Antragssteller, aber es bremse auch die Zulassung: schon heute würden 60 Prozent der Anträge für Hauptzulassungen eine Bearbeitungsdauer von über zwei Jahren brauchen, vorgeschrieben seien dagegen 18 Monate.

Auch die immer stärkere Einflussnahme der Politik bringe Probleme, so Peters. Insgesamt verändere sich auch in der Bewertung die Einstellung weg von einer Risiko- hin zu einer Gefahrenorientierung.

 

 

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