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Düngung

Düngen wir demnächst Silizium statt Phosphor?

Phosphor-Duenger
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Anne Ehnts, agrarheute
am
04.02.2019

Silizium kann im Boden gebundenen Phosphor für Pflanzen verfügbar machen. Das haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden. An Eisen gebundener Phosphor soll durch eine gezielte Siliziumdüngung mobilisiert werden.

So könnten landwirtschaftliche Erträge weltweit gesichert und der Einsatz phosphorhaltiger Dünger stark reduziert, möglicherweise sogar über Jahre hinaus überflüssig, werden. Das haben Forscher der Universitäten Bayreuth und Kopenhagen durch Untersuchungen von Böden in der Arktis herausgefunden.

Phosphor ist in Ackerböden oft reichlich vorhanden, aber zum größten Teil chemisch fest gebunden, insbesondere an Eisen. Dieser Phosphor ist immobil und für die Pflanzen nicht verfügbar. Wenn Landwirte ihren Böden genau dosierte Mengen Silizium zuführten, könnten sie ohne Ernteverluste für gewisse Zeit, gegebenenfalls sogar über mehrere Jahre, auf phosphorhaltige Dünger verzichten, so die Annahme des interdisziplinären Forscherteams um Dr. Jörg Schaller (Bayreuth) und Prof. Dr. Bo Elberling (Kopenhagen).

Die weltweite Phosphorverfügbarkeit soll sich gezielt steuern lassen

Für Dr. Schaller liegen die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile auf der Hand: „Phosphorhaltiger Dünger ist eine begrenzte Ressource, wohingegen Silizium nahezu unbegrenzt vorhanden ist. Auf der Basis unserer Forschungsergebnisse kann die weltweite Verfügbarkeit von Phosphor im Boden durch eine gezielte Düngung mit Silizium präzise gesteuert werden. Dies wäre ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit.“
Gerade in tropischen und subtropischen Entwicklungsländern sei in einigen Böden sehr viel Phosphor gebunden, der durch den kontrollierten Einsatz von Siliziumdünger Stück für Stück mobilisiert werden könne.

Die Umwelt soll ebenfalls profitieren

Damit sei zudem ein bedeutender Beitrag zum Umweltschutz verbunden, so der Bayreuther Umweltgeochemiker. Die verringerte Phosphordüngung und die präzise Steuerung der Phosphorverfügbarkeit durch Silizium könnten dazu führen, dass möglicherweise weniger Phosphor von den Feldern in die Gewässer gelangt. Die Anreicherung der Böden mit Silizium habe einen weiteren ökologischen Vorteil: Sie bewirke, dass mehr Silizium von den Böden ins Meer transportiert werde. Infolgedessen könne in den Meeren mehr Kohlenstoff durch Kieselalgen gebunden werden, statt als Treibhausgas in der Atmosphäre zu verbleiben.

Permafrostböden liefern Erkenntnisse für die Landwirtschaft

Das Forscherteam hatte an mehr als 150 Stellen auf dem schwedischen Festland, auf Spitzbergen, an der Nordküste Russlands und auf Grönland Bodenproben entnommen und anschließend im Labor Analysen und Experimenten unterzogen. Permafrostböden haben für die Erforschung geochemischer Prozesse den Vorteil, dass sie noch nicht durch Landwirtschaft und andere Aktivitäten des Menschen beeinflusst worden sind.

Mit Material von Uni Bayreuth
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