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Kommentar

Düngeverordnung: Von guten und von schlechten Brunnen

Gülleausbringung Bodennah
am Mittwoch, 19.02.2020 - 11:23 (Jetzt kommentieren)

Die Düngeverordnung sorgt bei vielen Landwirten für Unverständnis, da sie die Auswahl der Messstellen für Nitratbelastung im Trinkwasser für fragwürdig halten. Ein Kommentar von Bernd Feuerborn.

Bernd Feuerborn

Gülle war schon immer ein heikles Thema: Für die einen ist Gülle ein wertvoller Dünger, für andere Abfall, der die Umwelt und insbesondere das Trinkwasser gefährdet. Dabei ist das Messnetz der Brunnen, die auf Nitrat untersucht werden und deren Werte nach Brüssel gemeldet werden, sehr umstritten. Viele Landwirte sehen die Auswahl der Messpunkte als falsch an, da nur belastete Brunnen gemeldet würden. Viele Recherchen von Landwirten zeigen, dass dieser Verdacht nicht unbegründet ist.

Widerstand gegen die Düngeverordnung

Aber: Wenn dieses Messnetz falsch ist, sind auch die daraus abgeleiteten Maßnahmen falsch. Hier sollte man ansetzen. Stattdessen wird auf Brüssel verwiesen. Werden die Vorgaben von Brüssel nicht erfüllt, drohen Strafabgaben in nicht unerheblichem Ausmaß. Hier stehen Strafgelder von 850.000 Euro im Raum - pro Tag! Also muss die Düngeverordnung mit ihren Einschränkungen her, sagt die Bundesregierung. Sie schafft es aber nicht, diese auch zu beschließen und schiebt den Schwarzen Peter den Bundesländern zu. Jetzt sollen sich erst die Bundesländer bis zum April einigen. Auch wegen der Kommunalwahl in Bayern regt sich gerade bei der CSU Widerstand.

Landwirte reagieren erbost: Zum einen verteuert die Düngeverordnung die Produktion, da mehr Lagerraum geschaffen werden muss und die Fläche zur Ausbringung nicht mehr reicht, da Obergrenzen gelten. Die Obergrenzen werden als willkürlich angesehen, da nicht mehr bedarfsgerecht gedüngt werden kann. Das Dilemma ist vorprogrammiert: Was ich nicht einsehe oder verstehe, will ich auch nicht umsetzen.
 

Das wichtigste Lebensmittel: Trinkwasser

Keine Frage: Trinkwasser ist ein wertvolles Gut. Die Frage ist nur, wie es bewahrt werden kann. Es gibt genügend Beispiele, in denen Wasserversorgung und Landwirtschaft Hand in Hand zusammenarbeiten und das Trinkwasser - wieder - eine exzellente Qualität hat. Landwirte und Verbraucher brauchen sauberes Trinkwasser und das gilt es zu schützen, koste es was es wolle. Aber nicht einseitig zu Lasten der Landwirte. Dort wo sich die Landwirtschaft klar als Verursacher identifizieren lässt, ist sie auch in der Verantwortung. Das lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Es kann nur nicht sein, dass man die Landwirte in Sippenhaft nimmt, weil das Messstellennetz fragwürdig ist. Was ist mit den kommunalen Kläranlagen und den maroden Kanälen in den Gemeinden? Auch hier gilt es mögliche Einträge ins Grundwasser schnellstmöglich zu beseitigen. Auch hier darf sich keiner wegducken.

Ein Weiter so, darf es für mich nicht geben. Das Messnetz muss neu überdacht werden. Alle Brunnen gehören beprobt und an Hand dieser Erkenntnisse müssen Maßnahmen ergriffen werden. Auch wenn die manchmal den Landwirten weh tun. Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel, das wir haben, das gilt es zu bewahren. Das wollen die Verbraucher und ganz sicher auch die Landwirte.

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