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Düngerecht

Düngeverordnung: Kein Qualitätsweizenanbau mehr in Deutschland?

Gülleausbringung im Winter
Maya Rychlik, agrarheute
am
18.03.2019
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Die Änderungen des Düngerechts lösen Existenzängste auf den Höfen aus. Welche Gründe die Bauernverbände anführen.

Nach Einschätzung des Umweltausschusses vom Landvolk Niedersachsen könnten die Umweltziele und die Maßnahmen zum Gewässerschutz Tausende Betriebe wirtschaftlich ruinieren. Maßnahmen, wie etwa die zusätzliche Beschränkung zur Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf Grünland, stuft das Gremium aus Klimaschutzgründen als kontraproduktiv ein.

Mindererträge gefährden Existenzen

Eine echte Existenzbedrohung stellt nach Auffassung des Landvolks die für nitratsensible Gebiete vorgeschlagene Reduzierung der zulässigen Stickstoffdüngung dar. Acker- und Gemüsebau- sowie Sonderkulturbetriebe sollen hier nur 80 Prozent des Düngebedarfs der jeweiligen Kultur ausbringen dürfen. Damit seien Mindererträge vorgezeichnet. Diese würde starke Einkommenseinbußen verursachen und Existenzen gefährden, erklärte der Landesbauernverband. Zugleich würde der überbetrieblichen Nährstoffverwertung die Basis entzogen.

Dem Landvolkverband zufolge lassen sich die stark reduzierten Düngermengen, wie sie das Bundeslandwirtschaftsministerium vorschlägt, nicht mit den Qualitätsanforderungen der Verbraucher und nicht mit einer wirtschaftlichen Landnutzung vereinbaren. Eine regionale Erzeugung von Gemüse oder Kartoffeln wäre für konventionelle und ökologische Betriebe kaum noch möglich.

Grundwasserschutz muss auch wirtschaftlich sein

Darüber hinaus hob das Landvolk hervor, dass der Verzicht auf eine Herbstdüngung zu Wintergerste, Raps oder Zwischenfrüchten jeglichen ackerbaulichen Grundsätzen widerspreche. Der Landesbauernverband befürchtet, dass diese Kulturen dann aus den Fruchtfolgen verschwinden. Das wäre für den Gewässer- und Erosionsschutz schädlich. Aus Gründen der Pflanzengesundheit muss die Politik eine solche Entwicklung verhindern.

Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke erklärte angesichts des drohenden Szenarios, dass man im Gespräch mit der EU-Kommission gemeinsam zu einer neuen Lösung kommen müsse. Er unterstrich, dass die Landwirte die Herausforderung Grundwasserschutz annähmen, und zwar zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen.

Bauernverband fordert Verlässlichkeit und Förderung

Auch der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) Joachim Rukwied forderte Verlässlichkeit und Planungssicherheit für die deutschen Bauern. Sie bräuchten Zeit, damit die Düngeverordnung ihre volle Wirkung entfalten könne. Bereits jetzt zeige das seit 2017 geltende neue Düngerecht Wirkung.

Der nächste Nitratbericht solle nach Rukwieds Ansicht die Grundlage einer ersten Bewertung sein, wie gut das neue Düngerecht wirke.

Förderprogramme seien nötig, um weitere Fortschritte zu erzielen: Beispielsweise für den Bau von Wirtschaftsdüngerlagern, emissionsmindernde Ausbringungstechniken und eine besonders gewässerschonende Landbewirtschaftung.

Rukwied: 20 Prozent Reduktion führen zu Unterversorgung

Rukwied kritisierte, dass eine pauschale Deckelung der Düngung von 20 Prozent unter dem Bedarf zu einer Unterversorgung der Pflanzen führe und fachlich falsch sei.

Es drohe zudem ein sich selbst verstärkender Mechanismus mit weiteren Absenkungen, weil mit der Nährstoffreduktion die Erträge fielen und damit die Berechnungsgrundlage für den Düngebedarf absehbar weiter absinken würde.

Der Anbau von Qualitätsweizen sei unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich, gleiches gelte für Gemüse und Frühkartoffeln.

Je nach Belastung müsse unterschieden werden

Keinesfalls akzeptabel sei für Rukwied zudem, dass die strengeren Auflagen nicht für den Einzugsbereich belasteter Messstellen, sondern pauschal für alle Grundwasserkörper gelten sollen, in denen sich einige rote Messstellen befänden.

„Die Regelungen zum Gewässerschutz müssen künftig stärker dort greifen, wo die Probleme tatsächlich vorhanden sind“, fordert Rukwied. Hier müsse differenziert vorgegangen werden.

Mit Material von AgE

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