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Nährstoffbilanz

Düngeverordnung: Das müssen Sie bei der Herbstdüngung beachten

Gülledüngung vor Raps
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
14.08.2018

Seit Inkraftreten der Düngeverordnung vor einem Jahr sind die Möglichkeiten der Herbstdüngung deutlich eingeschränkt. Unser Check, was jetzt noch erlaubt ist.

Die neue Düngeverordnung greift im Vergleich zu früher deutlich in die Herbstdüngung ein. Die Vorgaben zur Düngung nach der Ernte beziehen sich jetzt nicht mehr nur auf die organischen, sondern auf alle stickstoffhaltigen Düngemittel, also auch Mineraldünger. Kompost und Festmist von Huf- und Klauentieren sind ausgenommen.

Grundsätzlich gilt auch bei der Herbstdüngung: Die Gaben sind am N-Bedarf auszurichten. Daher muss der Landwirt vor der Düngung den Bedarf der Kultur ermitteln und aufzeichnen. Nur bei aktuellem N-Düngebedarf darf bis in Höhe dieses Bedarfes gedüngt werden. Die Bedarfsermittlung muss sich dabei an den Vorgaben der zuständigen Behörde orientieren, in Niedersachsen etwa ist das die Düngebehörde bei der Landwirtschaftskammer (LWK).

Bei fehlender vorheriger Ermittlung besteht eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet werden kann. Als Nachweis und zur Anerkennung empfiehlt sich daher ein Vordruck, wie sie ihn die LWK zum Download bereitstellt.

Düngung zur Strohrotte nicht mehr zulässig

Die Sperrfrist für N-haltige Dünger auf Ackerland beginnt mit der Ernte der letzten Hauptfrucht und endet am 31. Januar. Abweichend davon dürfen auf Ackerland, ausschließlich nach Getreidevorfrucht, Stickstoffdünger bis zum 1. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste ausgebracht werden. Voraussetzung:  Deren Aussaat muss bis zum 15. September (Gerste 1. Oktober)  passiert sein. Der Gesetzgeber will damit sicherstellen, dass ein ausreichender Pflanzenaufwuchs vor Winter vorhanden ist, der den Stickstoff aufnehmen kann.

Abweichend von den bisherigen Regelungen darf im Spätsommer/Herbst nach Getreide zu Roggen, Weizen und Triticale nicht mehr gedüngt werden – nur Wintergerste. Eine Stickstoffdüngung nach Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Feldgemüse, Leguminosen und Gras oder zur Förderung der Strohrotte ist wegen des fehlenden N-Düngebedarfs grundsätzlich verboten.

Düngebedarf oder nicht?

Ob eine im Herbst angebaute Kultur einen N-Düngebedarf hat oder nicht, hängt auch vom Humusgehalt des Bodens und der Düngehistorie ab: Humusreiche Standorte liefern in der Regel genügend N zur Versorgung der Pflanzen im Herbst. Eine Stickstoffzufuhr zu Wintergerste und –raps ist hier nicht erforderlich.

Das ist immer dann der Fall, wenn der Bodenhumusgehalt über 4 Prozent beträgt. Im Ergebnis der Bodenuntersuchung ist die Humusklassifizierung mit den Symbolen „h“, „sh“, „a“ oder „H“ gekennzeichnet. Die Angabe „(h)“ bedeutet weniger als 4 Prozent Humus und damit ein geringes N-Nachlieferungspotential.

Außerdem entscheidend: Wurde eine Fläche langjährig organisch gedüngt oder nicht? Maßstabist die Phosphorversorgung des Bodens. Wenn die Phosphorgehalte im Boden mehr als 13 mg P/100 g Boden betragen, wird davon ausgegangen, dass langjährig organisch gedüngt wurde.

Böden, die über viele Jahre organisch gedüngt wurden, zeigen eine erhöhte Nachlieferung an Stickstoff aus dem Bodenvorrat. Hier ist eine zusätzliche Düngung zu Wintergerste, Winterraps und Feldfutter (Aussaat nach dem 31.08) wegen fehlenden N-Düngebedarfs jetzt nicht mehr zulässig.

Entscheidungshilfe: Wann im Herbst düngen und wann nicht?

Sollen Sommerzwischenfrüchte ausgesät und vor Aussaat von Wintergetreide wieder umgebrochen werden, müssen sie mindestens 8 Wochen stehen bleiben. So soll die gedüngte N-Menge auch aufgenommen werden können.

Aktuell steht ein Erlass der Bundesregierung an, der ein Verfüttern von Zwischenfrüchten von ökologischen Vorrangflächen zulässt. Einige Bundesländer, darunter Bayern und Niedersachsen, erlauben für 2018 zudem, trockenheitsbedingte Mindererträge bei der Nährstoffbilanz und der Düngebedarfsermittlung anzurechnen.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat eine Entscheidungsmatrix zusammengestellt (PDF), wann und in welchen Fällen im Sommer/Herbst eine N-Düngung sinnvoll und zulässig ist.

Eine Höchstmenge von max. 30 kg/ha Ammoniumstickstoff oder 60 kg/ha Gesamtstickstoff darf in keinem Fall überschritten werden!

Mit Material von LWK Niedersachsen

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