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Braunschweig

Dürre: Mit Duschwasser auf dem Acker beregnen

Die Trockenheit in Deutschland nimmt zu: Mais wird beregnet.
am Montag, 05.09.2022 - 10:50 (Jetzt kommentieren)

Trotz Dürre ist in der Region Braunschweig genügend Wasser zum Beregnen da. So nutzen Landwirte aufbereitetes Klarwasser.

Überall ist das Wasser knapp, die vergangenen trockenen Jahre und die erneute Dürre dieses Jahr haben die Landwirtschaft hart getroffen. In der Region Braunschweig aber ist davon auf den Feldern mit Zuckerrüben und Mais nichts zu sehen. Warum? Weil hier bewässert wird - aber nicht mit Grundwasser.

Genauer: Nur zum kleinen Teil mit Grundwasser, denn es wird vor allem mit geklärtem Abwasser, sogenanntem Klarwasser, beregnet. Das ist das Wasser, das täglich aus Dusche, Waschbecken und Toilette den Abfluss runter geht. 37.000 Kubikmeter, sorgfältig geklärt in verschiedenen Stufen, landen davon jeden Tag auf den umliegenden Feldern, zusammen mit 13.000 Kubikmetern Grundwasser. Es ist ein einzigartiges Modell in Deutschland.

Was zahlen Landwirte fürs Verregnen des Klarwassers?

Pro Person werden im Schnitt jeden Tag 127 Liter Trinkwasser den Abfluss runtergespült. Angesichts immer größerer Trockenheit ist es naheliegend, dieses aufbereitete Wasser wiederzuverwenden. In Braunschweig hat man bereits vor Jahrzehnten entschieden, dies zu tun und entsprechend investiert.

Das Klarwasser wird an die Felder der 80 Landwirte und Landwirtinnen gebracht, die Mitglied im hiesigen Verband sind. Regenmeister und Regenwärter sprechen die Bewässerung mit den Landwirten ab. Landwirte, die Mitglied beim Abwasserverband sind, zahlen pro Jahr und Hektar 83 Euro Beitrag für die Verregnung. Grundwasser wäre doppelt so teuer. Angebaut und bewässert werden allerdings nur Pflanzen, die Menschen nicht roh verzehren. Denn der Klärschlamm wird am Ende fein dosiert wieder beigemischt - damit profitieren die Landwirte auch beim Dünger.

Reglementierung erschwert Wasser-Recycling

Wassernutzung ist allerdings in Deutschland streng reglementiert. Neue Anforderungen könnten noch dazukommen. Ab Juni kommenden Jahres muss eine Richtlinie der EU-Kommission umgesetzt werden. Dann könnten national noch anspruchsvollere Regelungen entwickelt werden. Das Klarwasser in Braunschweig könnte dann nicht mehr verwendet werden.

Mit Beregnung erfolgreich gegen den Dürresommer

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