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Zwei Junglandwirte unterwegs

Ernte Down Under: 2 Deutsche Junglandwirte in Australien

Feierabend! Zu sehen sind die Fieldbins, die Trocknung, der Überladewagen und im Hintergrund die Mähdrescher.

Clemens und Lukas sind nach Lettland nun zur Ernte in Australien. Warum bei Trockenheit und Wind das Dreschen verboten ist, Raps und Gerste in Schwad gelegt werden und in der Weihnachtszeit Erntefest gefeiert wird, erzählen die beiden hier.

am Sonntag, 20.11.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)
Lukas und Clemens in Frankfurt am Flughafen bereit für Australien.

Nach unserer Erfahrung in Lettland zieht es uns, Clemens und Lukas, auf die andere Seite der Welt nach Australien. Anfangs hatten wir etwas mit der Zeitverschiebung zu kämpfen. Neben dem anfänglichen Jet lag war auch das Wetter anders als erwartet. In der letzten Oktoberwoche war es nicht wärmer als 15 °C, sehr kalter Wind und es gab ungefähr 140 mm Niederschlag. Diese schlechten Wettertage haben wir genutzt, um an allen Maschinen Service zu machen. Der Erntebeginn wurde dadurch verschoben.

Hier sind die zwei deutschen Landwirte als Erntehelfer im Einsatz

Der landwirtschaftliche Betrieb von Michael Swarbrick, auf dem wir als Erntehelfer sind, befindet sich an der Südseite der Westküste Australiens. Bis zur bekannten Küstenstadt Bremer Bay sind es circa 30 Minuten von unserem Betrieb aus.

  • Michael Swarbrick bewirtschaftet 2700 ha und hält 2000 Schafe extensiv auf der Weide.
  • Angebaut werden 1.100 ha Raps, 500 ha Weizen, 500 ha Gerste, 350 ha Lupinen und 250 ha Bohnen. Die Flächen sind hier zwischen circa 30 und 300 ha groß.
  • Er hat einen australischen Festangestellten und zurzeit sind wir vier weitere deutsche Erntehelfer.
  • Zum Hauptfuhrpark gehören zwei John Deere STS Rotormähdrescher (9660 und 9770), ein John Deere 8260R, ein John Deere 9570R, ein Fendt 716, eine John Deere Spritze mit 6.000 Liter Tank und 36 Meter Arbeitsbreite, ein Rauch Düngerstreuer mit 36 Meter Arbeitsbreite, einer 12 Meter breiten Sämaschine, ein MacDon „Swather“ und einem Tandem Überladewagen.
  • Zudem haben wir einen mobilen Tankwagenanhänger und Kompressor. Die Maschinen bleiben auf dem Feld und werden am nächsten Morgen vor Ort getankt und für den Tag vorbereitet (Filter auspusten, Öle kontrollieren, abschmieren usw).
  • Zum Lagern des Getreides hat er mehrere sogenannte Fahrbare „Fieldbins“. Diese haben ein Fassungsvermögen von 24 to bis ca 85 to. Von den Feldsilos („Fieldbins“) aus werden die LKWs beladen. Angetrieben werden die Überladeschnecken per Zapfwelle. Dafür stehen ein alter International Traktor, zwei mobile Motoren mit Zapfwellenantrieb und der Fendt 716 zur Verfügung. Umgestellt werden können sie nur wenn sie leer sind. Die kleinen Silos kann man mit dem Pickup fahren und die großen werden mit dem Fendt umgestellt.

Erträge sind zufriedenstellend

Bisher hatten wir erst vier Erntetage. Begonnen haben wir mit dem Raps, bisher sind rund 320 ha gedroschen. Der Ertrag liegt bei circa 2,5 t/ha und ist laut unserem Chef sehr zufriedenstellend. Generell steht das Getreide, der Raps, die Bohnen und Lupinen gut. Die Ertragserwartungen sind im Verhältnis zu den sonstigen Jahren sehr gut. Da der Raps unter 8 Prozent Feuchtigkeit haben muss, müssen wir ihn teilweise durch das schlechte Wetter trocknen. Dafür haben wir eine Mobile Dieselangetriebene Trocknung. Sie umfasst einen vollen Überladewagen (20-25 t) und das Trocknen dauert je nach Feuchtigkeit 2 bis 3 Stunden. Für das Gebläse wird die Zapfwelle benötigt.

Was ist bisher anders?

  • Zum einen wird mit der Ernte im Frühling angefangen und soll um die Weihnachtszeit beendet sein.
  • Offizieller Sommerbeginn ist hier am 01.12 und der Hochsommer beginnt ab Januar. Die Ernte ist somit vor Beginn des Hochsommers beendet.
  • Die Wintergetreideausaat beginnt im April/Mai und die Sommerkulturen werden im September/Oktober gesät.
  • Wegen der Brandgefahr muss ein Auto mit mindestens 600 Liter Wassertank am Feldrand stehen. 
  • Ist es zu heiß und windig mit extremer Trockenheit ist das Dreschen verboten. Entschieden wird ein Verbot anhand dieser Faktoren vor Ort von einem „Brandmeister“.
  • Bereits Anfang Oktober hat unser Chef begonnen den Raps in Schwad zu legen. Mit dem MacDon und 12 Meter Schneidwerk wird alles außer der Weizen in Schwad gelegt. Alles, was in Schwad gelegt wurde wird dann mit dem Mähdrescher und einer angebauten Pickup aufgenommen und gedroschen. In Deutschland und in anderen europäischen Ländern haben wir diese Vorgehensweise noch nicht gesehen.

Warum Erntegut in Schwad legen?

Zusammen mit einem befreundeten Landwirt hat Micheal den Schwadleger MacDon mit 12 Meter Schneidwerk. Anfang Oktober wurde begonnen der Raps in Schwad zu legen. Der Grund ist das gleichmäßigere Abreifen und am Ende das einfachere und schnellere Dreschen. Bis vor zwei Wochen wurden dann insgesamt 5000 ha Raps in Schwad gelegt. 3500 ha waren im Lohn bei befreundeten Landwirten. Nun werden noch Gerste, Bohnen und Lupinen in Schwad gelegt. Diese müssen nicht wie der Raps zwei bis drei Wochen in Schwad liegen, bis sie gedroschen werden können. Am Ende hat der Schwadleger dann in rund 8 bis 9 Wochen 7.000 ha in Schwad gelegt. Eine extreme Belastung für die Maschine bei dem viel Wartung des Schneidwerks erforderlich ist.

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