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Editorial

Erzeugerpreise motivieren nicht zum Vorverkauf

Dr. Uwe Steffin
am
05.06.2017

Nur noch wenige Wochen, dann laufen die Mähdrescher bei uns wieder. Höchste Zeit also, sich Gedanken über die Vermarktung zu machen.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute

Ob sich der Anbau von Weizen, Gerste und Raps dieses Jahr rechnet, ist alles andere als sicher. Einmal mehr zeichnet sich nämlich eine weltweit komfortable Versorgung ab, was Preisphantasien begrenzt. Der empfindliche Kälteeinbruch im April und das verbreitete ­Niederschlagsdefizit haben nicht für einen Wettermarkt gereicht. Seit Monaten kommen die Erzeugerpreise nicht richtig aus dem Keller. Kaum ein Ackerbauer hat deshalb größere Mengen der 2017er-Ernte vorkontrahiert. Zu frisch ist bei vielen die Erinnerung an die Saison 2015/16, als die Weizenpreise mit dem einsetzenden Drusch blitzartig auf über 200 €/t stiegen. Ärgerlich für alle Kollegen, die ihre komplette Ernte im Frühjahr zu deutlich niedrigeren Preisen vermarktet hatten.

Guter Rat ist in dieser Situation teuer. Bei den anhaltend niedrigen Erzeugerpreisen müssen in Sachen Vermarktung nämlich zwei eigentlich konkurrierende Ziele verfolgt werden: Erstens muss Liquidität durch den Verkauf der physischen Ware auf die Höfe, ohne zweitens auf einen Preisanstieg im späteren Saisonverlauf zu verzichten. Abhilfe verspricht der Kauf von börsengehandelten Optionen, deren Funktionsweise der Broker Sebastian Brunhöver von der VR Agrarberatung in unserem Titelthema erläutert.

Solche Preisversicherungen kosten Geld, das viele Ackerbauern angesichts von ­Erzeugerpreisen dicht an der Rentabilitätsschwelle nur ungern ausgeben. Mit der richtigen Strategie lassen sich die Absicherungskosten kräftig senken. Unser ­Autor Dr. Martin Ziegelbäck empfiehlt Weizenerzeugern den Aufbau eines „Cap“, sollte der Weizenpreis an der Matif demnächst über 172 €/t steigen. Ein solcher Deckel ­begrenzt zwar einen möglichen Preisanstieg, reduziert aber die Kosten der Mindestpreisabsicherung, wie Sie diesmal im Chartisten nachlesen können.

Bei Börsengeschäften schaut auch das Finanzamt genau hin. Der Steuerberater Ernst Gossert von der Münchener Ecovis gibt deshalb Tipps, was bei betrieblich veranlassten Termingeschäften aus steuerlicher Sicht beachtet werden muss.

Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre der neuen Ausgabe.

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