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Pflanzenschutz

EU: Gefälschte Pflanzenschutzmittel verursachen 1,3 Mrd. Euro Schaden

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Julia Eder, agrarheute
am
08.02.2017

Wegen gefälschter Pflanzenschutzmittel gehen der Industrie in den EU-Staaten jährlich 1,3 Mrd. Euro und 2.600 Arbeitsplätze verloren. Allein in Deutschland sind es 299 Mio. Euro.

Wie aus einem neuen Bericht des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) hervorgeht, entsteht in der EU-28 aufgrund von gefälschten Pflanzenschutzmitteln jährlich ein Verlust an legalen Einnahmen in Höhe von 13,8 Prozent (%), in Summe 1,3 Mrd. Euro.

Berücksichtigt man neben den direkten auch die indirekten Auswirkungen, indem man die Folgewirkungen für andere Wirtschaftszweige und für die staatlichen Einnahmen hinzunimmt, ergibt sich für die EU-Wirtschaft ein Umsatzverlust von ungefähr 2,8 Mrd. Euro.

Bis zu 11.700 Arbeitsplätze gehen indirekt verloren

Diese Umsatzeinbußen haben in der Pflanzenschutzmittelindustrie der EU unmittelbar den Verlust von 2.600 Arbeitsplätzen zur Folge, da in der legalen Wirtschaft weniger Menschen beschäftigt werden als dies ohne Fälschungen der Fall wäre. Bezieht man die Folgewirkungen von gefälschten Pestiziden für andere Wirtschaftszweige mit ein, gehen in der EU-Wirtschaft insgesamt 11.700 Arbeitsplätze verloren.

Finanziell bedeuten die Produktfälschungen auch, dass den EU-Staaten jährlich schätzungsweise 238 Mio. Euro bei Steuern und Sozialabgaben entgehen.

Deutschland verliert 299 Mio. Euro und 500 Arbeitsplätze

Mit einem Umsatz von 4 Mrd. Euro ist Deutschland der größte Hersteller von Pflanzenschutzmitteln in der Gruppe der 28 EU-Mitgliedsstaaten. EUIPOs Bericht zufolge gehen in der deutschen Industrie durch gefälschte Pestizide jährlich Einnahmen von schätzungsweise 299 Mio. Euro verloren sowie rund 500 Arbeitsplätze.

Andere EU-Länder verzeichnen folgende Einbußen:

  • Frankreich: Der zweitgrößte Hersteller von Pestiziden in Europa ist Frankreich mit einem Umsatz von 3,5 Mrd. Euro. Dem Bericht zufolge gehen in der französischen Industrie durch Fälschungen jährlich Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 240 Mio. Euro und 500 Arbeitsplätze verloren.
  • Italien: Jährlicher Verlust von Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 185 Mio. Euro und 270 Arbeitsplätzen.
  • Spanien: Jährlicher Verlust von Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 94 Mio. Euro und 200 Arbeitsplätzen.
  • Vereinigtes Königreich: Jährlicher Verlust von Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 76 Mio. Euro und 200 Arbeitsplätzen.

Studienreihe der EUIPO

In der Studie werden die folgenden Produkte erfasst:

  • Insektizide, Rodentizide, Fungizide, Herbizide, Milbenbekämpfungsmittel, Schneckengifte, Biozide;
  • Keimhemmungsmittel, Pflanzenwachstumsregulatoren;
  • Desinfektionsmittel (für landwirtschaftliche und andere Zwecke);
  • sonstige agrochemischer Erzeugnisse (anderweitig nicht genannt).

Der Bericht ist der zehnte in einer Studienreihe, die vom EUIPO über die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums herausgegeben wird. Sie alle behandeln die wirtschaftlichen Auswirkungen von Fälschungen in verschiedenen Wirtschaftszweigen in der EU.

In früheren Berichten dieser Reihe wurden folgende Wirtschaftszweige untersucht: Arzneimittel, Spirituosen und Wein, Tonträger, Taschen und Koffer, Schmuck und Uhren, Spielzeug und Spiele; Sportgeräte; Bekleidung, Schuhe und Zubehör sowie Kosmetika und Körperpflegeprodukte.

Mit Material von EUIPO

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