Login
Klimawandel

Extremwetter: So können Sie als Landwirt reagieren

Ausgetrocknetes Getreidefeld
Thumbnail
Anne Ehnts, agrarheute
am
18.07.2018

Hitzewellen, Dürreperioden und Starkregen nehmen zu. Diese Handlungsempfehlungen geben Landwirte, DWD und Ministerien.

Das sagt eine Studie des Landwirtschaftsministerium

Die Studie „Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten des Risikomanagements“ (2015) vom Landwirtschaftsministerium sagt folgende konkrete Wetter-Trends vorher:

  • Die Tage mit Temperaturen über 30°C werden häufiger.
  • Der Hitzestress für Pflanzen nimmt zu.
  • Die Gefahr von Kahlfrösten steigt.
  • Die Anzahl der Frosttage im Februar und März nimmt ab.
  • Hohe Bodenfeuchten steigen im Frühjahr.
  • Starkregenereignisse kommen öfter vor, insbesondere im Winter.

Das sagen die Agrarmeteorologen vorher

„Die Landwirte müssen damit rechnen, dass die Winter milder und feuchter werden. Dafür häufen sich im Sommer längere Trockenphasen mit Hitzetagen, die von Starkregenereignissen durchbrochen werden. Auch wenn der Februar 2018 ein bisschen aus der Reihe tanzt, milde Winter sind der stärkste Trend, den Meteorologen beobachten“, sagt Dr. Mathias Herbst vom Zentrum für Agrarmeteorologische Forschung Braunschweig.

Das beobachtet die Forschung

„Milde Winter können fatale Folgen haben. Pilze und Viren breiten sich aus und führen teilweise zu Totalausfällen“, sagt Dr. Albrecht Serfling vom Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz des Julius Kühn-Instituts in Quedlinburg. Sein Team beobachtet seit 2012 eine Steigerung des Gelbrostbefalls im Weizen und empfehlt den Landwirten, sich immer wieder aufs Neue über resistente Sorten in der Beschreibenden Sortenliste zu informieren.

Zudem verstärke der Trend zur früheren Aussaat den Blattlausbefall, wenn die Temperaturen mild bleiben. Die Gefahr von Infektionen steige dann. Virusvektoren, wie beispielsweise die Große Haferblattlaus, könnten um so mehr an den Pflanzen saugen, je länger die Monate nach der Aussaat mild blieben. Bisher sei Paroli die einzige in Deutschland zugelassene resistente Gerstensorte.

Das empfiehlt das Ministerium in Sachsen-Anhalt

„Um Ernteeinbußen aufgrund von Extremwetterereignissen zukünftig zu minimieren, muss sich die Landwirtschaft stärker an den Klimawandel anpassen“, ist Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert überzeugt. Die landwirtschaftlichen Betriebe in Ihrem Zuständigkeitsgebiet, Sachsen-Anhalt, haben aktuell sehr unter der Trockenheit zu leiden. Ihr Ministerium veröffentlichte kürzlich folgende Handlungsempfehlungen:

Tipps zur Risikoanalyse

Um standortabhängig die richtige Strategie zu entwickeln, sollte zunächst eine betriebliche Risikoanalyse erfolgen. Hier bietet die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) in ihrem Fachportal Unterstützung:

  • Die Web-GIS-Anwendung Agaratlas Sachsen-Anhalt bietet Informationen zu den natürlichen Standortbedingungen in Form von Karten
  • Der Agrarmeteorologie-Informationsdienst ISABEL liefert Warnhinweise und Informationen
  • Mit dem ABAG-Kalkulator 2017 lässt sich die Wassererosionsgefährdung in Kleineinzugsgebieten landwirtschaftlich genutzter Flächen bewerten
  • Informationsbroschüre „Beratungsleitfaden Bodenerosion und Sturzfluten“
  • isip - Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion.

Handlungsoptionen

Anhand des ermittelten Risikos stünden dann beispielsweise folgende Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Nutzpflanzen können auf spezielle Sorten umgestellt werden, die eine höhere Trockentoleranz aufweisen. Die Bestandsdichte sollte so bemessen sein, dass es nicht zur Wasserkonkurrenz zwischen den Einzelpflanzen kommt.
  • Auch eine stärkere Anbaudiversifizierung im Ackerbau, die über die Mindestanforderungen an die Betriebsleiter im Rahmen des Greenings hinausgeht, kann zur Risikostreuung beitragen. Ein angemessenes Verhältnis von Winterungen zu Sommerungen mit langer Vegetationszeit wirkt unterstützend.
  • Eine weitere Möglichkeit sind konservierende Bodenbearbeitungsverfahren. Auf der Bodenoberfläche verbleibende oder oberflächennah eingearbeitete Erntereste bieten einen natürlichen Verdunstungs- und Erosionsschutz. Eine verbesserte Bodenstruktur erhöht die Infiltration des Regenwassers und das Wasserspeichervermögen des Bodens.
  • Auch Maßnahmen der Flurgestaltung, wie das Anlegen von Windschutzpflanzen oder von Binnengräben, können helfen.

Das rät der Deutsche Wetterdienst

Auch nach Darstellung des DWD-Vizepräsidenten Dr. Paul Becker ist es sinnvoll, sich auf zunehmende Extremwetter mit weiter steigenden Temperaturen einzustellen. Der Landwirtschaft rät er zu robusteren Kulturen und Sorten, die sowohl Hitze- und Kälteperioden als auch trockene Phasen weitgehend unbeschadet überstehen. Keinesfalls dürfe man allerdings wegen der insgesamt steigenden Durchschnittstemperaturen ausschließlich auf wärmeliebende Sorten setzen, da ungeachtet der allgemeinen Temperaturentwicklung immer auch die Gefahr von kalten Phasen und Spätfrösten bestehe.

Die Erfahrungen der Versicherer

Witterungsereignisse hätten 2017 zur größten jemals ausgezahlten Versicherungssumme geführt und sich auch dieses Jahr mit unverminderter Heftigkeit fortgesetzt, erläuterte Vorstandschef Dr. Rainer Langner der Vereinigten Hagel am Rande der DLG-Feldtage in Bernburg/Sachsen-Anhalt Mitte Juni. Die diesjährigen Witterungsextreme könnten zum zweiten Überschadensjahr in Folge führen. Obwohl Trockenheit durch den Klimawandel seit Jahren immer wieder ein Thema ist, seien Versicherungen gegen Dürreschäden hierzulande bisher kaum verbreitet. Den Anteil der gegen Dürreschäden versicherten Flächen beziffert der Versicherer auf aktuell weniger als 500 ha in ganz Deutschland. Sich hier nochmals schlau zu machen, kann sicherlich nicht schaden.

So reagieren die Landwirte

Landwirt Ludwig Lang aus dem oberpfälzischen Berching-Stierbaum, Kreis Neumarkt, setzt bei Weizen inzwischen „zu 90 Prozent auf begrannte Sorten, weil die Grannen besser vor intensiver Sonneneinstrahlung schützen“.

Landwirt Claus Schmoldt aus Krummendeich an der Elbe zwischen Cuxhaven und Stade, hat seine Fruchtfolge umgestellt und setzt vermehrt auf Sommerungen: „Durch die Nässe im Herbst wird der Zeitraum, in dem ich Wintergetreide bestellen kann, immer kleiner und ich brauche eine höhere Schlagkraft. Das Risiko, dass ich wie im vergangenen Jahr nicht auf die Felder kann, ist groß. Außerdem sind der Ackerfuchsschwanz und die Fraßschäden von Wildgänsen ein Riesenproblem. Fruchtfolgen wie vor 15 Jahren allein mit Wintergetreide, Wintergetreide und Raps gibt es schon länger nicht mehr.“ Ein weiterer Trend ist laut Schmoldt das Tiefenlockern. Harte Winter bleiben aus, sodass der Boden nicht mehr durchfriert. „Vor allem in trockenen Phasen im Sommer nutzen wir die Chance und lockern den Boden in 35 bis 40 cm Tiefe, um den Boden unter der Pflugsohle, also unter der Schmierschicht, zu lockern."

Mit Material von agrarheute, BMEL, MULE, Vereinigte Hagel, DWD

Wetter: Hochwasser und Überschwemmungen

Überschwemmte Flächen
Hochwasser am Rhein
Überschwemmte Flächen
Überschwemmte Flächen
Überschwemmte Flächen
Überschwemmte Flächen
Überschwemmte Flächen
Auch interessant