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Die Folgen des aktuellen USDA-Report

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von , am
15.08.2013

Diese Woche hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA neuen Eckdaten zu den Märkten für Getreide und Ölsaaten geliefert. Dabei gab es durchaus einige Überraschungen.

© Mühlhausen/landpixel
Das zeigt unter anderem die Entwicklung der Preise, die zunächst für Mais, Weizen und Soja gestiegen sind und dann für Mais und Weizen wieder stark nachgaben um heute am Donnerstag wieder zuzulegen. Das zeigt auch, dass die Märkte die neuen Zahlen offenbar noch richtig verdaut haben oder die enthaltenen Informationen sind keineswegs so eindeutig wie es zunächst aussah.
 
Beim Weizen hat es dabei eigentlich die wenigsten Überraschungen gegeben. Tatsache ist zumindest, dass die deutlich nach oben korrigierte Ernte nicht zur Deckung des Bedarfs ausreicht und auch der Export kräftig nach oben gesetzt wurden. Im Vergleich zum Juli hat das USDA die globale Weizenproduktion um 7,5 Millionen Tonnen (Mio. t) auf die neue Rekordmarke von 705 Mio. t nach oben geschraubt. Gleichzeitig wächst der Verbrauch um sieben Mio. t auf den neuen Rekordwert von 707 Mio. t und übersteigt damit die Produktion. Vor allem der Verbrauch von Futterweizen wird vom USDA größer eingeschätzt als im Juli. Eine Aufstockung der sehr niedrigen Bestände ist damit nicht möglich und die Versorgungslage bleibt trotz der Rekordernte sehr angespannt.

EU wird zum zweitgrößten Weizen-Exporteur gestuft

Interessant ist, dass der Welthandel mit Weizen nochmals um fast vier Mio. t auf 152 Mio. t nach oben gesetzt wurde und die US-Analysten speziell mit einer kräftigen Zunahme der EU-Ausfuhren rechnen. Die EU wäre danach mit 22 Mio. t, nach den USA mit 30 Mio. t sowie deutlich vor Kanada (20), Australien (19) und Russland (17) der zweitgrößte Exporteur. Grund für den Anstieg des globalen Weizenhandels ist unter anderem der größere Importbedarf Chinas, der von 8,5 Mio. t auf 9,5 Mio. t korrigiert wurde. Damit haben die Chinesen auch Ägypten als größten Importeur überholt.
 
Die EU-Weizenernte wurde um weitere drei Mio. t auf jetzt 141,3 Mio. t nach oben korrigiert. Etwa 133 Mio. t der Ernte sind Weichweizen. Gleichzeitig ist die Gesamternte mehr als acht Mio. t größer als im letzten Jahr. Nach oben korrigiert wurde unter anderem die Produktion in Frankreich (38,6 Mio. t), in Deutschland (24,2), in Spanien (7,7) und Rumänien (7,1) und in geringem Umfang auch im Vereinigten Königreich (11,9) und in Polen (9,3). 

Aussichten für die Schwarzmeerländer

Für Russland ließen die USDA-Analysten die Produktionsmenge unverändert bei 54 Mio. t und den russischen Export bei 17 Mio. t. Für die Ukraine machten die sehr guten Erntedaten eine Aufstockung der Produktion gegenüber Juli um zwei Mio. t auf 21,50 Mio. t nötig und der Export wurde von acht auf zehn Mio. t nach oben gesetzt. Auch für Kasachstan hat das USDA die Ernte um 2,5 Mio. t auf jetzt 17 Mio. t nach oben korrigiert und den Export von sieben auf neun Mio. t angehoben. Speziell für die Ukraine ist zudem eine weitere Anhebung der Produktion wahrscheinlich, denn die offizielle Erntemenge liegt Anfang August über 22 Mio. t.

Abstand zwischen Mais- und Weizenpreis zu hoch

Autor: Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Im Nachhinein zeigt sich, dass der neue USDA-Report an der aktuellen Grundkonstellation für den globalen Getreidemarkt zunächst einmal nichts Wesentliches verändert hat. Die rekordhohe Maisernte drückt wegen der Austauschbeziehungen bei Futtergetreide auch auf Weizenpreise. In den USA halten viele Analysten den Abstand zwischen den Mais- und Weizenpreisen weiterhin für deutlich zu hoch und erwarten deshalb bei Weizen eine weitere Korrektur. Druck auf die Weizenpreise kommt aber auch von den Exportmärkten, zumal die Ukraine und Kasachstan größere Ernte und mehr Weizen für den Export zur Verfügung haben als bislang gedacht. Auch in der EU ist die Weizenernte zuletzt immer weiter nach oben gesetzt worden.
 
Beim Mais hat das USDA die Märkte offensichtlich überrascht, die Reaktion war eindeutig. Die Preise stiegen in Chicago zunächst kräftig an, um einen Tag später deutlich einzubrechen. Grund für den Preisanstieg war die deutliche Korrektur der US-Ernte nach unten. Dabei hatten die Analysten im Vorfeld des Reports eigentlich eine Korrektur der US-Ernte nach oben erwartet. Allerdings darf trotz der Korrektur nicht vergessen werden, dass sowohl in den USA wie auch weltweit weiterhin eine Rekordernte erwartet wird und die Endbestände sehr kräftig anwachsen. Dieses Szenario haben auch die Maispreise in den letzten Wochen nachvollzogen und sind seit Juni sowohl in den USA, als auch am Weltmarkt um rund 20 Prozent gefallen, seit dem Herbst 2012 gar um 30 Prozent. An dieser grundsätzlichen Tendenz dürfte sich erst einmal nichts ändern.
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