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Aus der Wirtschaft

Forscher: Schwarzmeerländer nützen Marktpotential nicht

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von , am
10.04.2014

Russland, die Ukraine und Kasachstan zählen zu den größten Weizennationen weltweit. Doch ihr Potential schöpfen sie nicht aus. Die Erträge könnten höher sein, die Marktpolitik ist meist problematisch.

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Forscher des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) haben in ihrem jüngsten Policy Brief die Kornkammer des Ostens und ihre Markt- und Wachstumschancen unter die Lupe genommen. Das (verkürzte) Ergebnis: Russland, die Ukraine und Kasachstan stehen sich selbst im Weg.
 
Der Grund liegt nicht nur in den aktuellen Unruhen in Folge der Krim-Krise, sondern insbesondere in einer problematischen Handels- und Marktpolitik, erklären die Forscher.

Russland, Ukraine, Kasachstan: große Player am internationalen Getreidemarkt

In den letzten Jahren haben sich Russland, die Ukraine und Kasachstan bedingt durch die positiven Entwicklungen in der Weizenproduktion zu den wichtigsten Playern auf dem internationalen Getreidemarkt etabliert. Mit knapp 100 Millionen Tonnen pro Jahr und einem gemeinsamen Anteil von 15 Prozent in der weltweiten Weizenproduktion gehören Russland, die Ukraine und Kasachstan zu den größten Getreidenationen.
 
Aufgrund ihrer riesigen Flächen- und Ertragspotenziale wird diesen Ländern eine erhebliche Bedeutung für die Weltgetreidemärkte zugesprochen. Dennoch liegen die Erträge pro Hektar nicht einmal bei der Hälfte dessen, was im Durchschnitt auf westeuropäischen Agrarflächen erzielt wird. Neuste Berechnungen des IAMO zeigen, dass durch entsprechende Maßnahmen, wie der Rekultivierung jüngerer brachliegender Flächen, die Weizenproduktion allein in Russland um bis zu 50 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden könnte. 

Länder verunsichern Märkte

Die Mobilisierung solcher Produktions- und Exportpotenziale hängt jedoch entscheidend von den künftigen Markt- und Wettbewerbsbedingungen sowie politischen Rahmenbedingungen ab.
 
Als Antwort auf die steigenden Weltmarktpreise für Getreide in den letzten zehn Jahren wurde mit einer Vielzahl an Exportbeschränkungen in Russland, der Ukraine und Kasachstan in die Märkte eingegriffen. Diese staatlichen Interventionen führten dazu, dass die Märkte erheblich verunsichert, Exporte nahezu ausgesetzt und eine geregelte Preisbildung außer Kraft gesetzt wurden, schreiben die Wissenschaftler.

IAMO bemängelt 'populistische Handels- und Marktpolitik'

"Solche populistischen Handels- und Marktpolitiken reduzieren die Investitionsanreize in der Getreidewirtschaft mittel- und langfristig und wirken damit der Funktionsfähigkeit von Märkten entgegen", kritisieren die IAMO-Mitarbeiter. Außerdem würden in den Ländern Produktivitäts- und Ertragspotenziale aufgrund von Produktionslücken nur geringfügig oder mit großen regionalen Unterschieden ausgeschöpft.
 
Nach Ansicht der Forscher bestehen Investitions- und Managementdefizite, die das betriebliche Wachstum und die effiziente Nutzung unternehmerischer Ressourcen hemmen. Auch in der Vermarktungsinfrastruktur, wie Lagerhaltung, Binnenlandtransport und Hafenkapazitäten, sehen sie "massive Investitions- und Modernisierungsdefizite, die die Markttransaktionen und Exportchancen blockieren".

Forscher rechnen in absehbarer Zeit mit keiner Besserung

Die Forscher des IAMO Instituts gehen nicht davon aus, dass Russland, die Ukraine und Kasachstan in absehbarer Zeit in der Lage sind, ihre Markt- und Wachstumspotenzial auszuschöpfen. 
 
"Eine Priorisierung auf marktkonforme und exportorientierte Politiken sowie Investitionen in räumliche und betriebliche Infrastruktur sind dringend erforderlich", erläutert IAMO-Direktor Thomas Glauben.
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