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Biodiversität

FRANZ-Projekt: Artenschutz für jeden Betrieb

Hummel auf Kornblume
am Freitag, 04.12.2020 - 13:00 (1 Kommentar)

Artenschutz passt auf jeden Betrieb, ist das Fazit des FRANZ-Projekts. So erlebten Landwirte und Forscher die Zusammenarbeit

Artenschutz passt in den Betriebsalltag. Das war das Zwischenfazit des seit drei Jahren laufenden FRANZ-Projekts. Auf 10 verschiedenen Betrieben in Gunstregionen setzten Landwirte und Wissenschaftler dabei gemeinsam Artenschutzmaßnahmen um.

Eine Besonderheit des Projekts ist das flexible Vorgehen, bei dem die Landwirte selbst verschiedene Artenschutzmaßnahmen auswählen und umsetzen. Experten aus den Bereichen Ökologie und Naturschutz begleiten und beraten sie dabei.

Vorsichtig an Artenschutz herantasten

Es zeigte sich, dass die Landwirte zu Beginn des Projekts vorsichtig waren und eher auf kurzfristige, leicht umsetzbare Maßnahmen, wie Blühstreifen setzten. Mit der Zeit verloren viele von ihnen aber die Scheu und wagten sich an ambitioniertere Artenschutzmaßnahmen auf dem Betrieb.

Jochen Hartmann aus der Lüneburger Heide hat beispielsweise Insektenwälle auf einigen seiner Felder angelegt. Das sind flache Erdwälle, in denen Wildbienenarten und andere Insektenarten ihre Höhlen anlegen können. Insgesamt führt er neun verschiedene Maßnahmen auf seinem Betrieb durch

Positive Rückmeldungen aus der Nachbarschaft

Mittlerweile gibt es auf seinem Betrieb wieder mehr Hasen, Fasane und sogar Rebhühner. Auch von Spaziergängern und Anwohnern bekommt er positives Feedback für das Projekt. Er plant, auch nach Projektende einige der Maßnahmen fortzuführen.

Er gibt aber zu, dass der Betriebsalltag durch die vielen Maßnahmen etwas komplexer wird. Und sagt: „Ich muss mich bemühen, weniger ordentlich zu sein, weniger zu Mulchen und die verblühte Blühfläche einfach stehen zu lassen.“

Viel Kommunikation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Auch die Wissenschaftler mussten sich umstellen. Nicht jede vorgeschlagene Maßnahme eignete sich für jeden Betrieb. Sie zeigten sich aber zufrieden mit den Ergebnissen.

Laura Sutcliffe von der Uni Göttingen berichtete, dass die Artenvielfalt auf vielen Flächen nun drei- bis viermal höher war als zuvor. Sie betonte, dass jeder landwirtschaftliche Betriebe Potenzial für den Artenschutz bietet. Auch „Standardpflanzen“, wie die Kornblume zögen bereits viele Insekten an.

Als großen Vorteil sahen sowohl Landwirte als auch Wissenschaftler die enge Zusammenarbeit. Dazu gehörte allerdings auch viel Kommunikation. Eine Besonderheit des Projekts war die Flexibilität.

Die Landwirte konnten ohne Vorgaben auswählen, wie sie den Artenschutz auf ihren Betrieben umsetzen wollten und ausprobieren, was sich am besten für ihre Betriebe eignet. "Die Maßnahmen müssen passen oder so angepasst werden, dass sie passen", fasste es Philipp Hunke vom NABU zusammen.

Steffen Pingen vom Deutschen Bauernverband forderte daher, dass es in der Agrar- und Umweltpolitik künftig mehr um die Praxistauglichkeit von Umweltmaßnahmen geht und weniger um Kontrollierbarkeit.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Deutschen Bauernverband und der Umweltstiftung Michael Otto. Das Thünen-Institut, die Uni Göttingen und der NABU begleiten das Projekt. 2018 hat das Projekt den deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen.

Mit Material von FRANZ-Projekt

Naturschutz: So setzt Jochen Hartmann auf Agroforsten und Blühstreifen

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