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Pflanzenschutzmittel

Französische Behörde: Neonicotinoide kaum zu ersetzen

Pflanzenschutzspritze auf Feld
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
08.06.2018

Pflanzenschutzmittel auf der Basis von neonicotinoiden Wirkstoffen sind nicht ohne Weiteres zu ersetzen, auch wenn für die meisten Anwendungen ausreichend wirksame Alternativen existieren. Zu diesem Ergebnis kommt das französische Amt für Gesundheitsschutz in Ernährung, Umwelt und Arbeit (ANSES) in einem aktuellen Bericht über Risiken und Nutzen der Wirkstoffe.

Dem Bericht zufolge existieren für den Großteil der 130 untersuchten zugelassenen Anwendungen ausreichend wirksame Ausweichmöglichkeiten. Allerdings gebe es keine Substanzen oder Wirkstoffgruppen, deren Risikoprofil positiver als das der Neonicotinoide sei.

In den meisten Anwendungsbereichen ist nach Angaben des ANSES damit zu rechnen, dass es wegen der geringeren Auswahl an Wirkstoffen zu mehr Resistenzen kommen wird, und zwar insbesondere gegen Pyrethroide.

Die Auswirkungen eines Verbots auf die Landwirtschaft seien schwer abzuschätzen, weshalb die Suche nach Alternativen beschleunigt werden müsse.

Die Alternativen sind meist nicht-chemisch

Laut Angaben der Behörde besteht die chemische Alternative zu den Neonicotinoiden in 39 % der Fälle in nur einer Wirkstoffgruppe oder sogar lediglich einem Wirkstoff.

Jedoch gebe es für 78 % der Anwendungsmöglichkeiten nicht-chemische Alternativen; zu den aussichtsreichsten gehörten dabei physikalische Ansätze, so etwa das Aufbringen einer Schutzschicht, sowie der Einsatz von Pheromonen.

Auch der Einsatz von Nützlingen, insbesondere im geschützten Anbau, und von pflanzeneigenen Abwehrstoffen wird als vielversprechend eingestuft.

Notwendig sind neue Anbausysteme

Nach Einschätzung der franzsösischen Umweltbehörde müssen für einen Verzicht auf Neonicotinoide sehr unterschiedliche Methoden der Schädlingskontrolle kombiniert werden. Das erfordere eine tiefgreifende Umgestaltung der Anbausysteme.

Neben einer Diversifizierung des Anbaus nennt die Behörde die Umsetzung von Strategien, die sowohl benachbarte Flurstücke als auch die regionalen Gegebenheiten einbeziehen, und den Anbau von Pflanzen, die das Ökosystem stärken.

Mit Material von Agra-Europe
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