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Achtung

Gefahrenquellen im Silo erkennen: Gärgasunfälle vermeiden

Hochsilo und Fahrsilo
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Eva Eckinger, agrarheute
am
03.05.2018

Bald wird wieder siliert. Doch damit einher gehen jährlich zahlreiche Silo-Unfälle. Um dies zu vermeiden, gibt eine Expertin Tipps im Umgang mit Gärgasen.

Es ist Frühling und die Silier-Saison steht vor der Tür. Das Fachmagazin Schweizer Bauer nahm dies zum Anlass, um sich mit dem Thema Silo- und Gärgasunfälle zu beschäftigen. Nachgefragt wurde bei Cornelia Stelzer von der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Sie weist auf die Gefahren in Sachen Gärgas hin.

Gärgasvorkommen beim Silieren: Kohlendioxid CO2

Schon wenige Stunden nach dem Beginn des Silierens ist der ganze Sauerstoff im Gärraum durch Kohlendioxid CO2 ersetzt, erklärt Cornelia Stelzer. Das farb- und geruchlose Gas können wir Menschen nicht wahrnehmen. Atmet man es aber ein, so führt es schnell zu Kopfschmerzen/Schwindel über Bewusstlosigkeit bis hin zum Ersticken. 

Gärgasvorkommen beim Silieren: Nitrose Gase NOX

Des weiteren nennt die Expertin Nitrose Gase NOX. Dahinter verbirgt sich ein Gemisch aus unterschiedlichen Stickoxiden, die sich beim Abbau von Nitrat im Futter bilden. Ihr Geruch ist sehr unangenehm und stechend, ihre Farbe bräunlich-orange.

Je nach Konzentration und Kontaktdauer können Reizungen und Verätzungen von Schleimhäuten sowie Atemwegen bis hin zu lebensbedrohlichen Lungenödemen und Atemlähmungen entstehen, so Stelzer.

Aufgepasst: Gärgase nicht nur im Hochsilo

Der Schweizer Bauer warnt mahnt zur Achtung: Denn Gärgase bilden sich bei allen Siliervorgängen und nicht nur im Hochsilo. Die Gashaube, die sich nach dem Einsilieren des Fahrsilos unter der Unterziehfolie bildet, darf unter keinen Umständen abgelassen werden, so Stelzer weiter. Vermutet man einen erhöhten Austritt von Gärgasen aus dem Fahrsilo, so müsse der Bereich rund um das Silo großzügig abgesperrt werden, bis sich die Siliervorgänge stabilisiert haben.

Auch nach dem Öffnen können sich durch Nachgärungen Gase bilden – daher muss vor dem Betreten des Silierraums immer eine ausreichende Belüftung sichergestellt werden.

Nachsilieren und Kontrolle der Gas-Konzentration

Viele der Unfälle passieren beim Nachsilieren, weiß Cornelia Stelzer. Grund ist der oftmals unterschätzte rasche Anstieg des CO2-Gehaltes. Die korrekte sowie ausreichende Belüftung der Räume vor dem Betreten ist von lebenswichtiger Bedeutung, mahnt die Expertin.

Der CO2-Gehalt steigt ab Beginn des Einsilierens kontinuierlich an. Deshalb müsse laut Stelzer jederzeit mit gefährlichen Gas-Konzentrationen gerechnet werden. Achtung: Der Kerzentest reicht nicht aus! Denn die für den Menschen tödliche Konzentration von 10%-Vol CO2 kann ausschließlich mit speziellen Messgeräten festgestellt werden.

Öffnen und Betreten von Silierräumen

Vor allem das Öffnen von Hochsilos sei riskant, erklärt die Beratungsstelle. Da die Gase schwerer sind als Luft, sinken sie beim Öffnen der Luken nach unten. Deshalb muss man sofort danach nach oben wegsteigen. Anschließend umgehend den Silodeckel öffnen, damit Frischluft einströmen kann. Erst nach dem Luftaustausch darf der Silierraum betreten werden.

Cornelia Stelzer weist auf die Besonderheit bei nach Innen zu öffnenden Luken hin, denn diese können durch Futter blockiert sein. Steigt man hinab, um das Futter zu entfernen, begibt man sich mitten ins Gas. Der Silierraum muss deshalb unbedingt vorher durch ein Gebläse oder eine Belüftung zwangsbelüftet werden.

Tiefsilos: Zwangsbelüftung notwendig

Auch Tiefsilos müssen zwingend vor jedem Betreten zwangsbelüftet werden, erklärt die Expertin in Schweizer Bauer. Denn hier könnten durch die oftmals fehlenden oder weit auseinanderliegenden Seitenluken die Gärgase nicht abfließen. Stelzer empfiehlt, eine geeignete Belüftung fest zu installieren oder nachzurüsten.

Außerdem rät sie: Vor dem Öffnen von Silierräumen sollten Drittpersonen aus dem unmittelbaren Bereich der abfließenden Gärgase weggeschickt werden.

Mit Material von Cornelia Stelzer, Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, Schweizer Bauer

Abdecken ohne Silosäcke

Silosäcke auf der Abdeckung
Silo abdecken
Metallrohr zur Versteifung
Schlaufen zum Fixieren des Vlies
Silo abdecken mit Wandvlies
Wandvlies als Zeichnung
Silo öffnen
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