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Gesucht: Landwirte für den Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen

von , am
27.02.2013

Bernburg - Der Verein für Arznei- und Gewürzpflanzen Saluplanta e.V. Bernburg hat Mitte Februar zu einer Expertentagung eingeladen. Dabei wurde klar, dass der Anbauumfang für Arznei- und Gewürzpflanzen gesteigert werden muss.

Laut Greenpeace wurden in chinesischen Heilkräutern eine Vielzahl von Pestiziden gefunden. © Marina Lohrbach / Fotolia
Mitte Februar hat der Verein für Arznei- und Gewürzpflanzen Saluplanta e.V. Bernburg und die Landesanstalt, Forsten und Gartenbau (LLFG zum Bernburger Winterseminar Arznei- und Gewürzpflanzen eingeladen. An der zweitägigen Expertentagung nahmen mehr als 220 Teilnehmer aus acht Nationen teil. Neben einem festen Besucherstamm aus Deutschland nutzten unter anderem Gäste aus den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Polen, Ungarn, Litauen und Bulgarien die Tagung zur Vermittlung von praxisrelevanten Ergebnissen der Forschung und zum Austausch von Erfahrungen der Primärproduzenten, Verarbeiter und Vertreiber.

Themen: Vom Markt bis Extraktion

Fachliche Schwerpunkte der diesjährigen Veranstaltung waren u.a. der Markt für Arznei- und Gewürzpflanzen, die Erschließung neuer Möglichkeiten, die Sicherung der Qualitätsanforderungen für pflanzliche Rohstoffe, neue Ergebnisse der Züchtungsforschung bei Thymian und Melisse sowie Düngungsfragen. Vorgestellt wurde der Bedarf nach Weiterentwicklungen von Verfahren zur Herstellung von Extrakten. Die Bereitstellung von hochwertigem Pflanzenmaterial ist dabei stets Voraussetzung für die Produktion der gewünschten Extraktqualitäten, eine produktgesteuerte Optimierung der Prozessführung bedingt zwangsläufig aktuelle Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bei Arznei- und Gewürzpflanzen.

Sicherheit ist wichtiges Kriterium für Verkehrsfähigkeit

Neben der Qualität und der Wirksamkeit ist die Sicherheit ein wichtiges Kriterium für die Zulassung bzw. Registrierung von pflanzlichen Arzneimitteln und damit für deren Verkehrsfähigkeit. Die Ergebnisse vielfältiger Düngungsvarianten zeigen, dass mit einer gezielten und bedarfsgerechten Nährstoffversorgung die Erzeugung hochqualitativen Erntegutes möglich ist. Untersuchungen und Praxiserfahrungen zur technischen Trocknung wurden in einem Statusseminar ausgetauscht.
Die energieoptimierte Regelung von Trocknungsanlagen gilt es weiter zu verbessern, immerhin entfallen 50 Prozent der Verfahrenskosten auf den Produktionsabschnitt Trocknung. Weitere Möglichkeiten des Einsatzes erneuerbarer Energien bei der Trocknung von Arznei- und Gewürzpflanzen wurden vorgestellt. In den Podiumsdiskussionen wurden der hohe Stellenwert der Produktsicherheit und die Qualitätssicherung bei der Erzeugung von Arznei- und Gewürzpflanzen betont.

Aunbauumfang steigern

Die Bundesregierung fördert seit 2010 Arzneipflanzen im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Ziel ist, den gegenwärtigen Anbauumfang von 13.000 auf 20.000 Hektar bis 2020 zu erweitern. Eine Ausweitung kann jedoch nur in geringem Maße über bereits Arzneipflanzen anbauende Betriebe umgesetzt werden. Neben der Verbesserung der Produktivität in diesen Betrieben ist es daher erforderlich, auch neue Landwirte für den Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen zu gewinnen. Die zunehmende Mehrfachnutzung von Arznei- und Gewürzpflanzen(Pharmazie, Lebensmittelbereich, Kosmetik, Tierfütterung und Veterinärmedizin, Haushalts- und Industrieprodukte) wird mittel- und langfristig auch zu einer deutlichen Anbauerweiterung führen.

Anbau in 750 Einzelbetrieben

Zu beachten ist, dass die etwa 100 anbauwürdigen Kulturen, von denen 20 Arten wirtschaftlich bedeutend sind, derzeit in Deutschland in schätzungsweise 750 Einzelbetrieben angebaut werden - vom kleinbäuerlichen Betrieb mit einigen hundert Quadratmetern bis zu mehreren hundert Hektar im Großbetrieb, z.B. in Calbe, Hedersleben, Ermsleben, Cochstedt u.a.
 
Die Anbaufläche für Arznei- und Gewürzpflanzen beträgt nach Angaben der LLFG und der GFS mehr als 1.200 Hektar(ha), davon über 500 ha Majoran, 200 ha Thymian, 200 ha Einjähriger Kümmel, 100ha Mutterkorn und 80ha Fingerhut. Auf jeweils etwa 20 ha Hektar werden hierzulande noch Bohnenkraut, Fenchel und Oregano angebaut. Sachsen- Anhalt nimmt nach Thüringen, Bayern und Hessen Platz vier beim Anbau dieser Sonderkulturen unter den Bundesländern in Deutschland ein.
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