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Getreide: Preise steigen weiter

von , am
02.07.2012

Verantwortlich für die Preisrallye an den internationalen Märkten ist die anhaltende Hitzewelle in den USA. Damit verbunden sind weitere Reduzierungen der Ertrags- und Produktionsprognosen.

© agrar-press
Hinzu kommen die sich mit der beginnenden Ernte abzeichnenden hitzebedingten kräftigen Produktionseinbußen in Russland und andere Schwarzmeerländern. Beide Entwicklungen haben erheblichen Einfluss auf die globalen Versorgungbilanzen und damit auch auf die Weltmarktpreise.
 
Allein in den letzten beiden Juniwochen sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt um rund 25 Euro/t (zwölf Prozent) nach oben geschossen und erreichten ein zwölf-Monathoch. In den USA betrug der jüngste Preissprung bei Weizen sogar 20 Prozent (%).
 
US-Analysten sehen in Folge einer kleineren Maisernte einen größeren Bedarf an Futterweizen. Mais verteuerte sich in den USA in nur zwei Wochen um 15 % und in Europa zogen die Maispreise um zehn Euro (fünf Prozent) an. Auch die Kurse für Soja kletterten Ende Juni in den USA um knapp zehn Prozent.

US-Getreidebestände kräftig geschrumpft

Die mit Spannung erwarteten neuen Daten des USDA zur Entwicklung der dortigen Anbauflächen und Lagerbestände wurde von den unverändert kritischen Wetterprognosen für die Hauptanbaugebiete im Mittelwesten in den Hintergrund gedrängt und hatten demzufolge nur wenig Einfluss auf die Preisentwicklung. Zudem trafen die vom USDA am letzten Freitag veröffentlichten Daten ganz überwiegend die Erwartungen der Analysten und enthielten somit keine großen Überraschungen.
 
Ermittelt hat das USDA Ende Juni einen rund
  • 14 % unter dem Vorjahreswert liegenden Lagerbestand bei Weizen.
  • Gleichzeitig war auch der US-Maisbestand Ende Juni 14 % kleiner als im letzten Jahr, während
  • die Sojabestände acht Prozent höher waren als vor zwölf Monaten.
Bei Weizen und Mais lagen die ermittelten Bestände leicht unter den Analystenerwartungen und bei Soja etwas darüber.

Trotz Rekordanbau keine Rekordernte?

Die anhaltende Hitzewelle in den USA ist für die aktuelle Preisrallye verantwortlich.
Bei der Entwicklung der US-Anbauflächen für die wichtigsten Ackerbaukulturen war der Überraschungseffekt ebenfalls gering. Die Aussaatfläche bei Mais wurde im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 96,4 Millionen (Mio.) acres (39 Mio. ha) ausgedehnt und erreichte damit den höchsten Stand seit 1937. Die bisher vom USDA unterstellten Rekorderträge werden wegen der Hitze von den Analysten jedoch schon lange nicht mehr erwartet. Die aktuellen Ertragsschätzungen der Analysten liegen deutlich (fünf bis acht Prozent) unter der letzten Ertrags- und Produktionsprognose des USDA. Diese wird jedoch erst am 11. Juli aktualisiert. Von der weiteren Entwicklung der Ertrags- und Produktionsprognose beim US-Mais wird wohl der stärkste Effekt auf die Getreidepreise ausgehen.

US-Weizenanbau unter den Erwartungen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die aktualisierte US-Anbaufläche von Weizen lag mit 56 Mio. acres (22,27 Mio. ha) rund drei Prozent höher als im letzten Jahr, blieb damit jedoch unter den Analysten-Erwartungen. Grund ist die recht deutlich unter den Prognosen liegende Anbaufläche bei Sommerweizen von nur noch 12 Mio. acres (4,85 Mio. ha). Größer als im Vorjahr und auch als zuvor vom USDA geschätzt, ist hingegen die Anbaufläche von Soja mit 76,1 Mio. acres (30,79 Mio. ha). Auschlaggebend für den unerwarteten Zuwachs ist der wegen der frühen Winterweizenernte erfolgte umfangreichere Anbau von Soja als Zweitfrucht nach Weizen.
 
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