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DBV Erntebilanz

Getreide- und Rapsernte: So enttäuschend sind die Ergebnisse

DBV/Julia Eder/agrarheute
am
19.08.2016

„Getreide- und Rapsernte enttäuschen auf ganzer Linie“: Der Deutsche Bauernverband veröffentlicht die vorläufige Erntebilanz für das Jahr 2016.

Die Getreide- und Rapsernte fällt für die deutschen Bauern in diesem Jahr enttäuschend aus und bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch wenn die Getreideernte noch nicht abgeschlossen ist, zeichnet sich für Deutschland eine Erntemenge von 43,5 Millionen Tonnen ab. Das sind 5,3 Millionen Tonnen bzw. 11 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch die Rapsernte fällt mit 4,5 Millionen Tonnen deutlich niedriger als im vergangenen Jahr aus. Dies geht aus dem dritten und letzten Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, der auf den Meldungen der Landesbauernverbände über die bisher geernteten Flächen und Mengen beruht.
 
Nach Einschätzung des DBV wurden die einzelnen Kulturen in folgenden Mengen geerntet.

Winterweizen

Die widrigen Erntebedingungen haben dazu geführt, dass verbreitet erst drei Viertel der Fläche geerntet werden konnten. In Schleswig-Holstein, den Küstenregionen Niedersachsens und in Sachsen steht noch deutlich mehr Winterweizen auf dem Halm. Das sind die vorläufigen Schätzungen des DBV:

  • Gesamtanbaufläche: 3,14 Millionen ha (2 Prozent weniger als im Vorjahr)
  • erwarteter Durchschnittsertrag: 7,3 t/ha (11 Prozent unter Vorjahr, regional sogar bis zu 25 Prozent)
  • Gesamterntemenge: 22,9 Millionen t (3,3 Mio. t weniger als im Vorjahr)

Die Qualität des Winterweizens fällt sehr unterschiedlich aus. Viele Landwirte sind in Sorge, ihren noch zu erntenden Weizen nur als günstigeren Futterweizen vermarkten zu können. Um weitere Qualitätseinbußen zu vermeiden, nehmen Landwirte mittlerweile in Kauf, den Winterweizen mit Feuchtigkeitsgehalten von mehr als 18 Prozent zu ernten. Zur Einlagerung muss er dann getrocknet werden, was zusätzliche Kosten verursacht.

Bilanz zu abgeschlossenen Ernten

Wintergerste

  • Gesamtanbaufläche: 1,28 Millionen ha (2 Prozent mehr als im Vorjahr)
  • Durchschnittsertrag: 6,8 t/ha (11 Prozent unter Vorjahr)
  • Gesamterntemenge: 8,7 Millionen t (0,9 Mio. t weniger als im Vorjahr)

Sommergerste

  • Gesamtanbaufläche: 341.000 ha (- 8 Prozent ggü. 2015)
  • Durchschnittsertrag: 5,3 t/ha (- 3 Prozent ggü. 2015
  • Gesamterntemenge: 1,8 Millionen t (20 Prozent weniger als im 5-Jahres-Durchschnitt)

Roggen

  • Gesamtanbaufläche: 575.000 ha (- 7 Prozent)
  • Durchschnittsertrag: 5,3 t/ha (- 6 Prozent)
  • Gesamterntemenge: 3,1 Millionen t (- 12 Prozent, regional bis zu - 20 Prozent)

Winterraps

  • Gesamtanbaufläche: 1,33 Mio. ha (50.000 ha mehr als 2015)
  • Durchschnittsertrag: 3,4 t/ha (- 14 Prozent)
  • Gesamterntemenge: 4,5 Millionen t (- 11 Prozent)

Mais und Zuckerrüben: Es besteht Hoffnung für die Erträge

Mais und Zuckerrüben befinden sich derzeit noch in der Wachstums- und Ertragsbildungsphase. Da beide Kulturen erst in den Herbstmonaten geerntet werden, könnten sich bei wärmeren Temperaturen und entsprechender Sonneneinstrahlung die Erträge, d.h. der Kornertrag des Körnermaises und der Zuckergehalt der Zuckerrüben noch positiv verändern. Sofern die Maisbestände nicht unter zu hohen Niederschlagsmengen leiden, haben die Bestände in ihrer Entwicklung nach dem relativ kühlen Frühjahr zuletzt deutlich aufgeholt. Allerdings fehlen den wärmeliebenden Maispflanzen vor allem höhere Temperaturen und die zur Kolbenausbildung notwendige Sonneneinstrahlung. Auch die Zuckerrüben lassen derzeit nur eine durchschnittliche Ernte erwarten. Regional leiden die Bestände unter der übermäßigen Wasserversorgung, weswegen Fäulen auftreten. Ein „Goldener Oktober“ könnte sich bei den spät zu rodenden Beständen jedoch noch positiv auf den Zuckergehalt auswirken.

Ursachen für das schlechte Ernteergebnis

„Ertragseinbußen in diesem Ausmaß haben wir vor der Ernte nicht erwartet,“ kommentierte DBV-Präsident Joachim Rukwied das enttäuschende Ergebnis. „In diesem Jahr standen die Feldbestände in weiten Teilen Westdeutschlands regelrecht in übersättigten und damit kalten Böden. Zudem fehlte durch die ständigen Niederschläge und die Unwetterereignisse die Sonneneinstrahlung.“

Im Nordosten hätten dagegen die Folgen von Auswinterungsschäden und eine sich anschließende Trockenheit für massive Ertragsminderungen von bis zu 30 Prozent bei den wichtigen Winterkulturen Weizen, Gerste und Raps geführt. In den vielfach staunassen und somit sauerstoffarmen Böden hat sich das Wurzelsystem der Kulturpflanzen vielfach nicht voll entwickeln können, was die Nährstoffaufnahme der Pflanzen negativ beeinträchtigt. Auch verhinderten die Niederschläge eine optimale Bestandsführung. So war entweder die Befahrbarkeit der Flächen nicht gegeben oder die andauernden Niederschläge verhinderten die termingerechte Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen. Der infolge dessen aufgetretene erhöhte Krankheits- und Schädlingsdruck verursachte ebenfalls Ertragseinbußen.

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