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Stoppelkalkung

9 Tipps für die richtige Stoppelkalkung

Kalk streuen
am Freitag, 06.07.2018 - 08:58 (Jetzt kommentieren)

70 Prozent der Ackerböden in Deutschland sind nicht ausreichend mit Kalk versorgt. Dabei kann Kalk den Ertrag um mehr als 20 Prozent steigern. Er verbessert Bodenstruktur, Nährstoffverfügbarkeit, Bodenhygiene und Humusgehalt. Hier die 9 wichtigsten Tipps zur Stoppelkalkung.

Kalkdünger sind Multifunktionsdünger. Sie führen dem Boden Calcium (Ca2+)- und Magnesiumionen (Mg2+) zu. Calcium und Magnesium sind Hauptnährstoffe für die Pflanze. In erster Linie regulieren sie aber den pH-Wert im Boden. Sie wirken basisch und haben einen großen Einfluss auf die Bodenstruktur und damit auf den Ertrag der Kulturpflanzen.
 

Tipp 1: Struktur durch Bodenleben schaffen

Nur ein stabiles Bodengefüge ist gut durchwurzelbar, kann Regen ableiten, Wasser pflanzenverfügbar speichern und den Gasaustausch mit der Atmosphäre sicherstellen. Die beste Bodenstruktur ist ein Aggregatgefüge aus lebend verbauten Krümeln. Dazu braucht das Bodenleben etwas zu fressen. Das können Pflanzenreste und Wurzelausscheidungen sein. Hilfreich ist zudem eine schützende Pflanzendecke oder Mulchschicht. Beides ist nach der Getreideernte vorhanden, wenn Sie das Stroh nicht vergraben und eine Zwischenfrucht oder Winterraps einsäen. Wenn Sie dann noch mit einer Kalkung die Calciumkonzentration im Boden erhöhen, kann das Bodenleben stabile Krümel bilden. Voraussetzung hierfür sind Ton-Humus-Komplexe, die sich nur bilden, wenn ausreichend Ca2+-Ionen im Boden vorhanden sind.

Tipp 2: Kalkbedarf richtig bestimmen

Eine Bodenuntersuchung gibt alle sechs ­Jahre Aufschluss über den Versorgungsgrad des Bodens mit Nährstoffen. Dabei wird über den pH-Wert die Wasserstoffionenkonzentration (H+-Ionen) gemessen und somit, wie sauer oder basisch ein Boden ist. Mit diesem Wert wird, abhängig von der vorliegenden Bodenart, der Kalkbedarf errechnet, der notwendig ist, um den angestrebten Versorgungsbereich C einzustellen. Gerade in diesem optimalen Bereich sind die Ton- und Humuskolloide im Boden zu 70 bis 85 Prozent mit Ca2+- und zu 10 bis 15 Prozent mit Mg2+-Ionen gesättigt. Den Rest nehmen K+- und H+-Ionen ein. Der Boden befindet sich im Gleichgewicht und hat einem pH-Wert von circa 7,0.

Tipp 3: Erhaltungskalkung bei überdüngten Böden sicherstellen

Unter unseren humiden Klimabedingungen ist auf allen Böden, die keine Kalkvorräte mehr besitzen, eine regelmäßige Erhaltungskalkung erforderlich, die den pH-Wert in der Versorgungsstufe C hält. Dies betrifft circa 70 Prozent der Ackerböden. Kalkverluste sind durch die Kohlensäurebildung im Boden größtenteils natürlichen Ursprungs. Zusätzlich muss der Boden Säureeinträge aus der Luft und durch das Düngen mit Harnstoff oder schwefelhaltigen Stickstoffdüngern abpuffern.

Zeigt die Bodenuntersuchung bei Kalium und Magnesium die Versorgungsstufe D oder E an, ist er überdüngt. Hier sollten Sie zur Optimierung der Bodenstruktur in den oberen Bereich der Versorgungsstufe C aufkalken. Die Höhe der Erhaltungskalkung ist in der Bodenuntersuchung in dt CaO/ha für drei Jahre angegeben. 1 dt CaO entspricht circa 1 dt Branntkalk, 2 dt kohlensaurem Kalk oder 4 dt Carbokalk. Als Faustzahl gilt jährlich 1 t kohlensaure Kalke oder ein Mehrfaches, wenn im Abstand von mehreren Jahren gekalkt wird.

Tipp 4: Versauerte Böden gesund kalken

Sind die pH-Werte bereits in die Versorgungsstufen A und B abgefallen, sollten Sie eine Gesundungskalkung durchführen. Damit heben Sie den pH-Wert in die Stufe C an. Auf versauerten Böden ist dies die wirtschaftlichste Maßnahme, die Sie durchführen können. Die Erträge können um mehr als 20 Prozent höher ausfallen.

Tipp 5: Den richtigen Zeitpunkt wählen

Ist laut Bodenuntersuchung eine Kalkdüngung notwendig, ist nach der Getreideernte der richtige Zeitpunkt. Dann sind die Böden in der Regel gut tragfähig und der ausgebrachte Kalk kann mit der Stoppelbearbeitung in den Boden eingemischt werden. 

Tipp 6: Den passenden Kalk finden

Kohlensaure Kalke enthalten 40 bis 50 Prozent CaO als basisch wirksame Bestandteile und eignen sich für leichte bis mittlere Böden. Wie schnell der Kalk reagiert, hängt davon ab, wo er herkommt und wie fein er gemahlen wurde. Gemessen wird die Wirkungsgeschwindigkeit in Prozent Reaktivität bei einem pH-Wert von 2. Lösen sich bei diesem pH-Wert 80 Prozent des Kalks innerhalb von 10 Minuten, darf er den Zusatz „leicht umsetzbar“ tragen. Dies trifft zum Beispiel auf Kreidekalke zu, die es auch granuliert gibt. 

Falls Ihre Böden auch Magnesium brauchen, sollten Sie Magnesiumkalke aus Dolomitgestein verwenden. Hier ist eine feine Vermahlung besonders wichtig. Kohlensaure Kalke hingegen werden fast ausschließlich als Feuchtkalke geliefert. Regional sind auch feuchte Mischkalke aus kohlensaurem Kalk und Branntkalk erhältlich.

Auf mittleren bis schweren Böden haben Branntkalke mit 80 bis 90 Prozent CaO erhebliche Vorteile in der Wirkung. Angeboten werden sie in der körnigen und gemahlenen Variante. Letztere lässt sich am besten über Großflächenstreuer mit Schneckenstreuwerken ausbringen. Die ideale Bezugsform für körnigen Branntkalk ist der Big Bag. Hier bleibt die Kornqualität am besten erhalten und eine staubarme Ausbringung ist mit dem Schleuderstreuer möglich. Viele Betriebe sind bei Branntkalk körnig auf eine jährliche Kalkung von 300 bis 500 kg/ha umgestiegen.

Tipp 7: Stickstoff und Phosphat verfügbar machen

Ein optimaler pH-Wert stimuliert das gesamte Bodenleben, das durch die Mineralisierung der organischen Bodensubstanz Stickstoff, Phosphate und Schwefel freisetzt. Betriebe mit intakten Böden haben fast immer negative N-Bilanzen bei besten Erträgen, weil ihre Böden diese Nährstoffe besser transformieren als saure Böden und Böden mit unzureichender Struktur.

Tipp 8: Humus aufbauen

Auf tonarmen leichteren Böden ist der Humus für die Nährstoff- und Wasserspeicherung besonders wichtig. Beim Humus ist nicht die Menge, sondern die Qualität entscheidend. Guter Humus entsteht bei pH-Werten von 6 bis 7,5. Mit einer Kalkdüngung können Sie also guten Humus in Ihrem Boden aufbauen.

Tipp 9: Bodenhygiene sicherstellen

Mit Kalk können Sie das Bodenleben ins Gleichgewicht bringen. Im Rapsanbau beispielsweise wirkt Branntkalk vorbeugend gegen die Kohlhernie. Bei einer Aufwandmenge von 2 bis 4 t/ha hilft er sogar auf verseuchten Flächen. Ein hoher pH-Wert über 7 hemmt die Sporenkeimung und eine gute Calciumernährung in Verbindung mit einer Bordüngung stabilisiert das Zellgewebe. Die Rapspflanze wird widerstandsfähiger. Wird der Branntkalk vor der Saat ausgebracht, wirkt dies zudem gegen Ackerschnecken.

Mit Material von boden-max
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