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Aussaat

Ackergras saniert nässegeschädigte Flächen

AF_Kleegras
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Karl Bockholt, agrarheute
am
10.04.2018

Einjähriges und Welsches Weidelgras oder Klee als Ackergras können dieses Frühjahr lohnen. Die Futterpflanzen helfen, nässegeschädigte Fläche zu sanieren.

2018 kann der Anbau einjähriger Futterpflanzen sinnvoll sein, wenn die schon im vergangenen Herbst nassen Flächen jetzt wieder nicht rechtzeitig bestellt werden können.

Wo die Mais- oder Rübenernte zuletzt schweres Gerät erforderte, gab es oft arge Fahrspuren. Diese Bodenverdichtungen müssen ausgebessert werden. Und auch dort, wo das als Alternative geplante Sommergetreide wegen Nässe nicht rechtzeitig gedrillt werden kann, lohnen eventuell Futterpflanzen.   

Den Boden sanieren

Das Umstellen der Fruchtfolge auf den Anbau von einjährigem Acker- oder Kleegras erzeugt nicht nur viel Ertrag. Vielmehr lässt sich auch die Bodenfruchtbarkeit beleben. Positiv sind dabei neben der phytosanitären Wirkung auch aufgelockerte Bodenstrukturen durch tief wurzelnde Leguminosen.

Die Feinsämereien brauchen aber eines feinkrümeligen Saatbett. Nur so sind Aufgang und Anfangsentwicklung optimal.

Die Fruchtfolge bereichern

Gerade bei im Vorjahr wegen der Nässe geschädigten Ackerflächen lohnt eine Ergänzung bei den Fruchtarten. Klee- und Ackergrasmischungen beleben die Fruchtfolge. Zur Frühjahrsaat sind etliche Mischungen verfügbar.

Bei gleichmäßiger Wasserversorgung über das Jahr sind akzeptable Erträge möglich. Sie kommen trotz Frühjahrssaat an das Niveau gut gepflegter Grünlandflächen heran.

An Biogasbetriebe oder als Vermehrung verkaufen

Je nach Region und Betriebszweig wird das Ackergras nicht in jedem Fall als Futtergrundlage benötigt. Kurzfristig bietet sich in dann der Verkauf an Biogasbetriebe an.

Längerfristig ist eventuell auch die Saatgutvermehrung in Betracht zu ziehen. Vor allem Welsches Weidelgras ist dafür geeignet. Wird es 2018 ausschließlich als Futterbasis im vegetativen Stadium genutzt, kann es zur Vermehrung 2019 noch einen Beitrag leisten.

Auf Qualität beim Saagut achten

Sowohl für Nach- als auch Neusaaten sind verschiedene Mischungen verfügbar. Bei den Qualitätsstandardmischungen handelt es sich um bewährte Zusammensetzungen der Grasarten. Hier wurden Konkurrenzvermögen und Saatgutanteile berücksichtigt.

Das Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle wird dann vergeben, wenn auch die enthaltenen Sorten den Empfehlungen der entsprechenden Gebiete entsprechen. Darauf ist unbedingt zu achten.

Vermehrt sind aktuell andere Angebote am Markt, bei denen in den Mischungen oft Sorten enthalten sind, die weder regional noch andernorts in Deutschland geprüft wurden.

Sortenbewusstsein schärfen

Bei den Ackergras- und Kleegrasmischungen ist genau auf die Zusammensetzung zu achten. In den Sortenempfehlungen der Länder werden verschiedene Eigenschaften berücksichtigt. Dazu zählen Ertrag, Narbenbild und Auswinterungsverhalten.

Auch die Rostresistenz ist für die Futterqualität wichtig. Darin unterscheiden sich die Sorten zum Teil sehr. So muss das Kriterium zusätzlich in die Sortenbewertung einfließen.

Auf jeden Fall lohnt es sich, die Zusammensetzung der angebotenen Mischungen mit den regionalen Sortenempfehlungen zu vergleichen. Wichtige Anbieter von Grasmischungen lassen ihre Saatgutware bei der Freiwilligen Mischungskontrolle kontrollieren.

Empfohlene Mischungen nutzen

Zur Frühjahrsaat werden etwa in Niedersachsen das Einjährige Weidelgras, die Ackergrasmischung A2 und die Kleegrasmischung A6 empfohlen. Das Weidelgras lässt sich in Reinsaat mit nur einer Sorte oder gemischt mit zwei bis drei weiteren Gräsern anbauen. Wichtig ist, dass die Arten in ihrem Entwicklungsverlauf zusammenpassen.

Die A2-Mischung besteht zu zwei Dritteln aus Welschem und zu einem Drittel aus Einjährigem Weidelgras. Bei Frühjahrsaat verbleibt das Welsche Weidelgras im vegetativen Stadium. Das blattreiche Futter ist nährstoffreich. Die nötige Strukturgrundlage liefert das Einjährige Weidelgras. Die Erträge der A2-Mischung hängen stark vom Niederschlag ab.

Die Kleegrasmischung A6 eignet sich speziell für die Frühjahressaat. Darin wird die A2-Mischung entweder mit 50 Prozent Alexandriner- oder 40 Prozent Perserklee ergänzt. Beide Kleearten sind frostanfällig und nur zur Schnittnutzung geeignet.

Gegebenenfalls Einjährige säen

Das bedeutet: Die Kleegrasmischung A6 lässt sich nur einjährig nutzen. Zudem darf die Saat wegen der Frostempfindlichkeit beider Kleearten nicht zu früh erfolgen. Die Mischung lässt sich auch noch nach einer Winterzwischenfrucht anbauen, etwa Grünroggen oder Welsches Weidelgras.

Je nach Reifegruppe liefert Einjähriges Weidelgras bereits nach etwa 45 bis 60 Vegetationstagen einen akzeptablen Futteraufwuchs. Basis für eine optimale Anfangsentwicklung des Bestands ist neben der guten Saatbettbereitung auch eine hinreichende Grundnährstoffversorgung des Bodens. Nötig ist eine Stickstoffstartgabe nach Aufgang der Saat von 80 bis 100 kg N/ha. Insgesamt kann das Feldgras im Ansaatjahr etwa 250 bis 300 kg N/ha aufnehmen, je nach Standort und Schnitthäufigkeit.

Mit Material von Landwirtschaftskammer Niedersachsen
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