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Getreide

Aigner: Versorgung zu erschwinglichen Preisen ist gesichert

von , am
07.09.2010

Berlin - Rückläufige Erträge, regional unterschiedliche Qualitäten und gestiegene Erzeugerpreise - das sind nach den Worten von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Kennzeichen der diesjährigen Ernte in Deutschland.

Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) © BMELV

Wie die Ministerin bei Vorstellung des Ernteberichts ihres Hauses gegenüber Journalisten in Berlin bekanntgab, beläuft sich die Getreideernte in Deutschland in diesem Jahr auf insgesamt 43,8 Millionen Tonnen, das sind zwölf Prozent weniger als 2009. Mit durchschnittlich 65,9 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) wurde laut Ministerium das Vorjahresergebnis beim Ertrag um 8,5 Prozent unterschritten.

Starke Schwankungen am Markt

Positiv äußerte sich die Ministerin zum Marktverlauf. Der Anstieg der Erzeugerpreise tue den Landwirten nach der Durststrecke des letzten Jahres gut. Die Erzeugerpreise bewegten sich je nach Getreideart derzeit zwischen 50 Prozent und 100 Prozent über dem niedrigen Niveau des Jahres 2009. Die höheren Preise gleichen der Ministerin zufolge im Schnitt die geringeren Erträge aus. In einzelnen Regionen komme es jedoch zu spürbaren Einbußen. Welche Auswirkungen dies auf die landwirtschaftlichen Einkommen haben werde, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Prognosen für die weitere Marktentwicklung bezeichnete Aigner als schwierig, weil das Marktgeschehen gegenwärtig starken Schwankungen unterliege. Keine Probleme gebe es bei der Versorgung des Marktes. Auch Qualitätsgetreide stehe in ausreichender Menge zur Verfügung.

Versorgung zu erschwinglichen Preisen ist gesichert

Aigner verwies auf Schätzungen der EU-Kommission, die auf ein Gesamtaufkommen in der EU-27 von rund 279 Millionen Tonnen Getreide in diesem Jahr hinauslaufen. Das sind fünf Prozent weniger als 2009. Weltweit werde mit einer Getreideernte von 1,75 Milliarden Tonnen gerechnet. Dieser Wert liegt um rund zwei Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Die Verbraucher warnte die Ministerin vor übertriebener Besorgnis: "Die Versorgung ist gesichert, Lebensmittel können weiterhin zu erschwinglichen Preisen eingekauft werden", betonte Aigner. Die gestiegenen Getreidepreise rechtfertigen ihrer Ansicht nach keine Verteuerung der Grundnahrungsmittel. Ernährungsindustrie und Handel rief sie zur Mäßigung in ihrer Preispolitik auf.

Qualität insgesamt befriedigend

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Die Qualität der diesjährigen Getreideernte in Deutschland ist dem Erntebericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge entgegen ersten Befürchtungen befriedigend. Beim Weizen zeigten die Untersuchungen gute Proteinwerte von durchschnittlich 13,1 Prozent und damit höhere Eiweißgehalte als 2009. Die Fallzahlen sind im Ernteverlauf ebenso wie die Hektolitergewichte teilweise zurückgegangen, so dass nicht mehr alle Mengen der als Brotweizen klassizierten Sorten ihre Backfähigkeit behalten haben und als Futterweizen oder im Bioenergiesektor Verwendung nden. Der Bedarf der Mühlen von sechs Millionen Tonnen bis sieben Millionen Tonnen kann aber nach Ministeriumsangaben gedeckt werden.

Roggenerträge ein Fünftel geringer als im Vorjahr

Die mit Abstand wichtigste Getreideart in Deutschland ist der Weizen. Von ihm sind dieses Jahr 23,6 Millionen Tonnen geerntet worden. Das entspricht einem Minus von 5,3 Prozent im Vergleich zu 2009. Die Qualität der diesjährigen Roggenernte nimmt laut Erntebericht ab, je später die Partien geerntet wurden: Der Anteil in Brotroggenqualität liegt unter dem Vorjahreswert. Die Erträge gingen um ein Fünftel zurück und erreichten im Schnitt 45,1 dt/ha. Geerntet wurden auch aufgrund einer deutlichen Flächeneinschränkung insgesamt 2,84 Millionen Tonnen und damit rund 34 Prozent weniger als 2009. Nur geringe Ertragseinbußen gab es bei der Wintergerste. Mit 66,5 dt/ha wurde das langjährige Durchschnittsniveau beim Ertrag übertroffen. Der Anbau war allerdings um rund zehn Prozent eingeschränkt worden. Die Erntemenge sank ebenfalls spürbar, und zwar auf 8,67 Mio t. Die Partien weisen relativ hohe Hektolitergewichte auf.

Getreidepreise teilweise verdoppelt

Die Getreidepreise liegen gegenwärtig durchweg höher als im Vorjahr. Bei Wintergerste wird der Anstieg auf 75 Prozent veranschlagt. Bei Brotroggen sowie bei Brot- und Qualitätsweizen hat sich der Vorjahrespreis in etwa verdoppelt. Bei Futterweizen liegt der Erzeugerpreis laut Ministeriumsangaben derzeit rund 60 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Das Agrarressort berichtet von einer deutlichen Tendenz zu Tagespreisen. Die Preisndung sei noch nicht abgeschlossen. Bei Futtergetreide wird die Markt- und Preisentwicklung in den kommenden Monaten aus Sicht des Ministeriums von einem ausreichenden, bei Brotgetreide von einem unterdurchschnittlichen Angebot geprägt sein. Die Abgabebereitschaft der Erzeuger bei hochwertigen Qualitäten wird als weiterhin verhalten eingestuft.

Rapspreise höher als vor Erntebeginn

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Beim Winterraps wurde mit einem Hektarertrag von 38,8 dt/ha dem Erntebericht zufolge in diesem Jahr zwar das Rekordniveau des letzten um annähernd zehn Prozent verfehlt, der langjährige Durchschnitt von 38,6 dt/ha jedoch übertroffen. Die stärksten Ertragsrückgänge gab es in Bayern und Thüringen, Zuwächse hingegen vor allem in Hessen, Niedersachsen und dem Saarland. An der Spitze rangiert Schleswig-Holstein mit 43,6 dt/ha. Mit einem Ölgehalt von durchschnittlich 42,6 Prozent bei zwei Prozent Besatz und neun Prozent Feuchte wird das Vorjahresergebnis nicht erreicht. Geerntet wurden 2010 bundesweit 5,71 Millionen Tonnen Winterraps: Im Vorjahr waren es noch 6,29 Millionen Tonnen. Gleichzeitig liegt die diesjährige Erzeugung jedoch um rund sechs Prozent über dem langjährigen Durchschnitt.

Ölsaatenerzeugung auf Vorjahresniveau

In der EU-27 beläuft sich die Ernte der vier wichtigsten Ölsaaten Raps, Sonnenblumen, Sojabohnen und Leinsaat laut Schätzungen in diesem Jahr auf 27,7 Millionen Tonnen, 2009 waren es 1,5 Millionen Tonnen mehr. Weltweit geht das Agrarressort von einer Ölsaatenerzeugung auf Vorjahresniveau aus. Auf dem Weltölsaatenmarkt rechnet das Ministerium in den nächsten Monaten mit weiteren Kursschwankungen, allerdings bei fester Grundtendenz. Dies werde auch Auswirkungen auf den eher knapp versorgten deutschen und europäischen Rapsmarkt haben. Derzeit tendierendie Rapspreise in Deutschland nach Ministeriumsangaben deutlich fester als zu Erntebeginn. Die bisherigen Verkäufe lagen um 35 Prozent bis 45 Prozent über den vergleichbaren Vorjahrespreisen.

Deutlich geringere Kartoffelproduktion

Die Zuckerproduktion wird sich nach Schätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums in diesem Jahr auf rund 3,67 Millionen Tonnen belaufen. Der voraussichtliche Rückgang gegenüber 2009 um rund 530.000 Tonnen wird auf geringere Hektarerträge zurückgeführt. Erwartet werden 10,1 Tonnen je Hektar gegenüber 11,5 Tonnen je Hektar im Vorjahr. Eingeschränkt wurde in diesem Jahr in Deutschland der Kartoffelanbau, und zwar um zwei Prozent bis drei Prozent auf 255.200 Hektar. Bei den Speisefrühkartoffeln elen die Erträge geringer als in sonstigen Jahren aus, die Qualität war jedoch gut. Der Anbau von mittelfrühen und späten Sorten wurde gegenüber 2009 vermindert, wobei die mit Speisekartoffeln bepflanzte Fläche ausgedehnt, der Anbau von Industriekartoffeln aber um rund 11.000 Hektar reduziert wurde. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet eine Gesamterntemenge an Kartoffeln von rund zehn Millionen Tonnen. Dieser Wert läge deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt von rund 11,3 Millionen Tonnen.

Anbau von Hülsenfrüchten ausgedehnt

Anders als in den vorhergehenden Jahren wurde der Anbau von Hülsenfrüchten wieder ausgedehnt: Die Fläche vergrößerte sich gemäß den amtlichen Zahlen um 24 Prozent auf 102.700 Hektar. Mit Futtererbsen bestellten die Betriebe 58.700 Hektar, was annähernd der Vorjahresäche entspricht. Der Schwerpunkt des Anbaus von Hülsenfrüchten liegt nach wie vor in Ostdeutschland. Der Freilandgemüseanbau erbrachte in diesem Jahr gemäß Erntebericht durchschnittliche Erträge bei insgesamt zufriedenstellenden Qualitäten. Beim Spargel führten die ungünstigen Witterungsbedingungen zu einer kleineren Ernte als 2009. Im bundesweiten Schnitt wurden 49 dt/ha erzielt. Dabei gab es große regionale Unterschiede. In Ostdeutschland lagen die Erträge annähernd auf Vorjahresniveau, nicht so in Nordrhein- Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Beim Obst berichtet das Bundeslandwirtschaftsministerium unter anderem von niedrigeren Erträgen bei Erdbeeren, einer geringeren Süßkirschen- und Sauerkirschenernte sowie einer zumeist noch zufriedenstellenden Ernte von Paumen und Zwetschgen.

Geringe Apfel und Weinernte erwartet

Die deutsche Apfelernte dürfte mit etwa 800.000 Tonnen in diesem Jahr niedrig ausfallen. Beim Wein geht das Ministerium von einer unterdurchschnittlichen Erntemenge von etwa neun Millionen Hektorliter aus. Beim Hopfen wird mit einem Zuwachs um rund 4.000 Tonnen auf 35.685 Tonnen gerechnet. Beim Grünland verweist das Agrarressort auf große regionale Ertragsunterschiede. Erneut kräftig zugenommen hat der Anbau von Silomais. Den Flächenzuwachs um weitere 200.000 Hektar auf rund 1,85 Millionen Hektar führt das Ministerium fast vollständig auf den Einsatz zur Erzeugung von Biogas zurück. Dieser Flächenanteil wird auf rund 600.000 Hektar veranschlagt. (AgE)

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