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Getreide

Anbaupraktiken und Klimawandel drücken den Weizenertrag

von , am
19.10.2010

Paris - In Frankreich sind sich die Wissenschaftler einig, dass die stagnierenden Weizenerträge der letzten Jahre in Europa im Wesentlichen auf die Erderwärmung und auf veränderte Anbaupraktiken zurückzuführen sind.

In einer vom französischen Agrarforschungsinstitut INRA und dem Pflanzenbauinstitut Arvalis gemeinsam veröffentlichten Studie, die in der Oktoberausgabe des Magazins "Field Crop Research" veröffentlicht wurde, weisen die Fachleute nach, dass die Ertragssteigerung von Weizen seit rund 20 Jahren zurückgeht und in zahlreichen europäischen Ländern, darunter Frankreich, praktisch auf Null gesunken ist.

Nicht geschwächt sei indes der züchterische Fortschritt von Weizensaatgut, der weiterhin einen geschätzten Gewinn von eine Dezitonne pro Hektar und Jahr ermögliche.

Geringerer Einsatz von Stickstoffdünger

Der zunehmende Ersatz von Leguminosen durch Raps als Vorkultur von Weizen seit dem Jahr 1999 kann den Wissenschaftlern zufolge die Erträge um bis zu 10 Dezitonnen pro Hektar reduzieren. Dieser negative Effekt habe dazu beigetragen, dass der durchschnittliche Weizenertrag pro Hektar und Jahr um rund 0,35 Dezitonnen gesunken sei. Hinzu kommt laut Studie der geringere Einsatz von Stickstoffdünger seit dem Jahr 2000, der eine Ertragsminderung um rund 0,15 Dezitonnen pro Hektar und Jahr zur Folge gehabt habe.

Krankheiten spielen keine Rolle

Kategorisch ausgeschlossen wird von den Wissenschaftlern hingegen die Vermutung, dass Krankheiten für die stagnierenden Weizenerträge verantwortlich gemacht werden können. Die Fachleute begründen dies mit der unverändert häufigen Behandlung der Felder mit Pflanzenschutzmitteln. Ferner ist es der Studie zufolge nicht gelungen, in Frankreich eine eindeutige Relation zwischen Schaden und Erträgen festzustellen.

Verschlechterung der Böden  

Außerdem konnten die Wissenschaftler eine Verschlechterung der Böden infolge intensiverer Produktionsmethoden nachweisen. Die Entwicklung der organischen Bodenbeschaffung in Frankreich seit Ende des vorigen Jahrhunderts sei außerordentlich kontrastreich; in einigen Regionen habe sich die biologische Vielfalt verbessert, während sich die Situation in anderen Regionen verschlechtert habe oder stabil geblieben sei, heißt es in der Studie. Insgesamt könnten die agronomischen Faktoren für einen Rückgang der Erträge von 0,5 Dezitonnen pro Jahr verantwortlich gemacht werden.

Höhere Temperaturen und Wasserdefizit

Einen gleichfalls negativen Einfluss auf die Weizenerträge schreiben die Wissenschaftler dem Klimawandel zu. Dieser behindere durch höhere Temperaturen in gemäßigten Zonen vor allem die Füllung der Körner, und das zunehmende Wasserdefizit beeinträchtige das Wachstum von Halm und Körnern. Die Auswirkungen des Klimaeffektes auf den Weizenertrag werden pro Jahr und Hektar auf 0,2 bis 0,5 Dezitonnen geschätzt. (AgE)

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