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Pflanzenschutz

Anwenderschutz: Achtung vor Spritznebel und unangekündigten Kontrollen

Dittmar-Gesundheitsschutz
am Montag, 04.05.2020 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Beim Pflanzenschutz müssen Sie jetzt mit unangekündigten Kontrollen rechnen. Wir haben Richard Wagner vom Pflanzenschutzdienst Thüringen zu Auflagen und Vorschriften zum mittlerweile bußgeldrelevanten Anwenderschutz befragt.

Kontrolliert wird auch ohne vorherige Ankündigung. Da lässt die EU-Verordnung 2017/625 nationalen Behörden keinen Handlungsspielraum. Das gilt für alle Überprüfungen nach dem Pflanzenschutzgesetz.

Anwender und Gesundheitsschutz gehören jetzt mit zu den Anwendungsbestimmungen (AWB). Daher sind die sie jetzt CC- und bußgeldrelevant. Verstöße dagegen können bis 50.000 Euro Bußgeld kosten.

Auflagen je nach Pflanzenschutzmitel

Wagner-Richard

Worauf ist bei Kontrollen besonders zu achten?

Bei der Umsetzung der Anwendungsbestimmungen (AWB) zum Anwender- und Gesundheitsschutz ist es wichtig, qualitativ geeignete Schutzkleidung zu besitzen. Bei der Sachkunde zählt es, sowohl den Sachkunde- als auch den gültigen Fortbildungsnachweis vorzeigen zu können.

Sprechen wir über den Anwenderschutz. Die Auflagen zur geeigneten Schutzkleidung werden je nach Produkt vergeben. Was folgt daraus?

Ja genau, die AWB gelten produktspezifisch. Daraus folgt, dass die konkreten Vorgaben des jeweils ausgewählten Pflanzenschutzmittels in der Gebrauchsanleitung sehr genau gelesen werden müssen.

Problemfall Spritznebel und Kabine

Um gegen Spritznebel zu schützen, werden für manche Präparate Schlepperkabinen der Schutzkategorie 3 und 4 vorgeschrieben. Wie stelle ich fest, welche Klasse mein Schlepper hat?

Neue Modelle sind in aller Regel entsprechend gekennzeichnet. Im Zweifel ist Kontakt zum Händler aufzunehmen, um ihn danach zu fragen. Bei älteren Geräten ist die Kategorie leider nicht so leicht zuzuordnen. Sie beschränkt sich oftmals auf die gesonderte Kategorie K2* für Kabinen mit Klimaanlagen.

Wie sind die Kabinen genau kategorisiert?

Bei Kategorie 1 ist kein Schutzniveau definiert, das sind offene oder Halbkabinen. Zur Kategorie 2 zählen dicht schließende Fahrerkabinen mit Klimaanlage und Zuluftfilter. Sie schützen vor Staub und in der Zwischenkategorie 2* auch vor Spritznebel. Schutzanzug, Handschuhe sowie Augen- und Gesichtsschutz sind mit K2* ersetzbar, nicht aber der Atemschutz. Kategorie 3 bietet Schutz vor Staub und Spritznebel, zusätzlich zu Kategorie 2 mit Luftaustauschraten von mehr als 30m³/h, Anzeige des Überdrucks, Leckagen kleiner zwei Prozent und Feinstaubfilter. Aber gegen gasförmige Stoffe schützen sie auch nicht. Die höchste Kategorie 4 schützt zusätzlich vor Dämpfen, mit Aktivkohlefilter auch vor gasförmigen Stoffen.

Welche Kategorie schützt denn jetzt vor Spritznebel? Erklären Sie das bitte nochmals?

Ab K2* aufwärts. Am 8. Januar 2020 erging die Fachmeldung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dass dicht schließende Kabinen mit Klimaanlage und Staubfilter nach Kategorie K2* auch dazu geeignet sind, den Anwender vor einer dermalen Exposition zu schützen, also vor Dämpfen und Spritznebeln, die über die Haut schädigen können. Diese Regel gilt zunächst für die kommenden vier Jahre...

...weil K3- und K4-Kabinen bisher kaum in den Betrieben fahren. Ohne sie muss die persönliche Schutzausrüstung womöglich auch auf dem Schlepper getragen werden. Was gehört nun dazu?

Auf jeden Fall ist es sinnvoll, die produktspezifischen Anwendungsbestimmungen des verwendeten Produkts Ernst zu nehmen. Sie stehen in der Gebrauchsanleitung. Beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln muss generell mindestens geeignete Arbeitskleidung und festes, wasserdichtes Schuhwerk getragen werden.

Atemschutz mit Halbmasken oder Partikelfilter

Die Auflage SB199 zum Beispiel haben immerhin über 120 Präparate im Ackerbau. Sie fordert eine Atemschutz- oder eine Halbmaske: Was gilt da?

Die SB199 wurde mit der angesprochenen Meldung vom BVL inzwischen geändert. Sie wird künftig im Zulassungsverfahren bei den jeweiligen Mitteln nur mit der Ausnahme vom 8. Januar 2020 berücksichtigt. Eine Schutzmaske muss getragen werden, wenn diese laut Anwendungsbestimmungen des Mittels gefordert ist. Wenn das auf dem Etikett steht, müssen partikelfiltrierende Masken, Halbmasken mit Partikel- oder mit Kombinationsfilter gegen Gase getragen werden. Diese Schutzmaßnahmen sind eben nicht nötig, sofern man in einer Kabine der Kategorie 3 oder 4 fährt.

Einige Mittel haben überdies sogenannte ST-Auflage zum Schutz vor Dämpfen oder Gasen, etwa Cercobin FL gegen Weißstängeligkeit in Raps. Was ist da zusätzlich vorgeschrieben?

Auch da gilt dasselbe, was bereits gesagt ist. Beim Umsetzen der Anwendungsbestimmungen zum Anwenderschutz ist es eben wichtig, qualitativ geeignete Schutzkleidung zu besitzen und zu tragen. Da die Anwendungsbestimmungen produktspezifisch vergeben werden, hier nochmals der dringende Appell an alle Anwender: Lesen Sie die konkreten Vorgaben in der Gebrauchsanleitung des ausgewählten Pflanzenschutzmittels ganz genau und vor allem, setzen Sie sie genau wie beschrieben um - mit der richtigen Schutzkleidung.

Steht jeder Anwender bei solchen Auflagen nicht schon quasi mit einem Bein im Gefängnis, wenn er Pflanzenschutzmittel einsetzt und sich nicht an alle Vorschriften halten kann?

Die Anwendungsbestimmungen zum Anwenderschutz dienen dazu, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu schützen. Sie sind vor allem im Eigeninteresse umzusetzen. Je nach betrieblichen Bedingungen müssen sicher angepasste Lösungen gefunden werden. Gerade für das Befüllen auf dem Feld oder die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit Kabinen, die nicht zur Kategorie 3 oder 4 zählen, müssen bis 2024 praktikable Lösungen her!

 

Mehr zum Thema Auflagen und Anwenderschutz lesen Sie in der aktuellen gedruckten Mai-Ausgabe von agrarheute 5/2020 ab Seite 126.

Mit Material von TLLLR, Wagner
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