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Getreide

Argentinien: 20 Prozent weniger Weizenanbau

von , am
28.03.2012

Am argentinischen Getreidemarkt könnte es 2012 zu deutlichen Anbau- und Produktionsverschiebungen kommen. Ursache sind die strengen Restriktionen bei der Vermarktung und von Weizen und Mais.

Bei der Futtergerste sollte der Stickstoffgehalt im Korn über 2 Prozent liegen. © Mühlhausen/landpixel
Durch die strengen Restriktionen bei der Vermarktung und beim Export werden Weizen und Mais für argentinische Bauern immer unattraktiver. Dagegen bestehen bei der preislich zuletzt sehr attraktiven Gerste ebenso wenig Auflagen wie bei Sorghum. Vor diesem Hintergrund werden viele Farmer anstelle von Weizen lieber Gerste anbauen.
 
Bisherige Hochrechnungen des USDA ergeben einen Rückgang der Weizenfläche um eine Million Hektar auf nur noch rund vier Millionen Hektar. Die Folge wäre eine deutlich kleinere Produktion und weniger Exporte bei Weizen. Gleichzeitig würden Produktion und Export von Gerste zunehmen.

Weizenproduktion bricht ein

Im Wirtschaftsjahr 2011/12 wurden in Argentinien auf rund 5 Millionen Hektar etwa 14,5 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Die Exportmenge für das laufende Wirtschaftsjahr wird auf etwa neun Millionen Tonnen geschätzt. Der argentinische Staat gestattet die Ausfuhren erst, wenn eine ausreichende Versorgung des Binnenmarktes gewährleistet ist. Dafür müssen rund sieben Millionen Tonnen Weizen zu Verfügung stehen. Erst dann ist die Ausfuhr im Rahmen verschiedener Exporttranchen möglich.
 
Dieses Vorgehen führt nach derzeitigen Schätzungen zu einem Rückgang des Weizenanbaus um 20 Prozent auf vier Millionen Hektar und einer Erntemenge von nur noch zwöf Millionen Tonnen. In den letzten fünfzehn Jahren war die Anbaufläche nur noch einmal ähnlich klein und auch die Produktion sackte nur dreimal auf dieses Niveau.
 
Gleichzeitig dürften die möglichen Exporte auf 6,2 Millionen Tonnen schrumpfen und damit die Bedeutung Argentiniens als wichtiger Weizenexporteur verringern. Dies wäre zudem nach 2009 die zweitkleineste Exportmenge in den letzten fünfzehn Jahren. Knapp zwei Drittel der Weizenexporte gehen üblicherweise nach Brasilien.

Anbaurekord bei Gerste

Die Anbaufläche von Gerste hat sich in den letzten drei Jahren auf gut eine Million Hektar verdreifacht. Hintergrund war die attraktive Weltmarkpreis und der ohne Auflagen und Restriktionen mögliche Export. In der Vergangenheit wurde er größte Teil der argentinischen Gerste unter Vertrag für die Malzproduktion angebaut. Auch im letzten Jahr traf dies immerhin noch auf 50 Prozent der Produktion zu. Für die neue Saison rechnet man mit einer Ausweitung des Gerstenanbaus auf 1,5 Millionen Hektar. Dies wäre die größte Anbaufläche seit 50 Jahren.
 
Im letzten Jahr ernteten die argentinischen Farmer vier Millionen Tonnen Gerste und exportierten rund drei Millionen Tonnen. Die wichtigsten Abnehmer von Braugerste waren Brasilien, China und andere Länder Südamerikas. Futtergerste ging zudem auch nach Nordafrika. Im kommenden Jahr hält man Ernte von 5,4 Millionen Tonnen und Exporte von vier Millionen Tonnen für möglich.

Mais: Kleinere Fläche, höhere Erträge

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die argentinische Maisernte wurde in diesem Jahr durch eine ausgeprägte Trockenheit während der wichtigsten Wachstumsphasen von Dezember bis Januar deutlich reduziert. Nachdem man zu Beginn des Wachstums noch eine Erntemenge von 29 bis 30 Millionen Tonnen für möglich gehalten hatte, liegen die aktuellen Schätzungen für die Mitte März begonnene Ernte zwischen 20 und 22 Millionen Tonnen. Auch die Exporterwartungen sind von 18,5 Millionen Tonnen auf jetzt 14 Millionen Tonnen geschrumpft. Geerntet wird der Mais dieses Jahr von rund 3,6 Millionen Hektar.
 
Für die nächste Saison rechnet man mit einem Rückgang der Anbaufläche auf 3,5 Millionen Hektar (zugunsten von Soja). Die höheren, nicht durch Trockenheit dezimierten Erträge, dürften jedoch zu einer größeren Ernte von 23,6 Millionen Tonnen führen. Der Export könnte dann etwa 15 Millionen Tonnen erreichen und damit ebenfalls höher sein als diesem Jahr.
 
Wegen der wieder wachsenden Tierbestände und wegen der expandierenden Bioenergieindustrie, geht man jedoch von einem ebenfalls zunehmenden Inlandsverbrauch aus. Ähnlich wie bei Weizen sichert der Staat zudem eine Mindestversorgung des Binnenmarktes von acht Millionen Tonnen und erlaubt erst dann einen regulierten Export.
 

Wöchentliche Informationen zum Getreide- und Ölsaatenmarkt finden Sie unter der Rubrik Marktfrüchte unter dlz-online.
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