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Getreide

Ausnahme: Konsumgetreide als Saatgut erlaubt

von , am
24.04.2012

Bonn - Die Auswinterungsschäden waren gravierend. Deswegen zeigen sich Pflanzenzüchter kulant: Wegen der Engpässe bei Sommergetreidesaatgut darf Konsumgetreide zur Saat verwendet werden.

Das Aussäen der Sommergerste soll so früh wie möglich stattfinden. Optimaler Saatzeitpunkt: Ende Februar bis Anfang April. © Mühlhausen/landpixel
Wie der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) berichtete, ist aufgrund der umfangreichen Auswinterungen zur Nachsaat der betroffenen Flächen mangels Alternativen zugekauftes Konsumgetreide eingesetzt worden.
 
Die Abgabe und der Erwerb von Konsumgetreide zur Nachsaat stellten gravierende Rechtsverstöße dar. "Die Getreidezüchter erkennen jedoch die unverschuldete Notlage in der Landwirtschaft an und bieten mehrheitlich Landwirten und Händlern eine Ausnahmeregelung an, die dieser außergewöhnlichen Situation Rechnung trägt", erklärte BDP-Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer.

Einmalige Entscheidung

Dr. Carl-Stephan Schäfer betonte, dass es sich um eine einmalige Entscheidung nach Absprache mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) handle. Eine Wiederholung werde es nicht geben. Die Züchter seien um eine gerechte Lösung im Sinne aller Beteiligten bemüht und verzichteten nur in dieser Frühjahrssaison auf Schadensersatzforderungen in voller Höhe. "Wir wollen nicht den Schwarzhandel legalisieren", stellte Schäfer klar. Der Schadenersatz werde beansprucht. Sehr wichtig sei den Züchtern, dass sich die Landwirte darüber bewusst seien, dass der Einsatz von Konsumgetreide als Saatgut ein Unrecht darstelle.

Jeder trägt ein Drittel

Dem Bundesverband zufolge ziehen die Abgabe und der Erwerb von Konsumgetreide zu Saatzwecken nach dem Sortenschutzrecht Schadensersatzforderungen in Höhe der vollen Z-Lizenzgebühr der jeweiligen Sorte nach sich. "Unser Angebot sieht vor, dass die Marktteilnehmer - Landwirte, Handel und Züchter - für die Begleichung der Schadensersatzforderung zu gleichen Teilen aufkommen", erläuterte Schäfer den Maßnahmenvorschlag. Landwirten, die das zeitlich befristete Angebot der Getreidezüchter in Anspruch nähmen, werde somit nur ein Drittel der üblichen Schadensersatzforderung berechnet. Ein weiteres Drittel zahlten die Händler, denen ein entsprechendes Angebot unterbreitet werde, und das letzte Drittel trügen die Getreidezüchter selbst.

Bis Ende Juni STV informieren

Wie der BDP außerdem informierte, sind Landwirte wie Händler, sollte im Notfall Konsumgetreide zu Saatzwecken abgegeben oder erworben worden sein, aufgefordert, dazu Angaben bis zum 30. Juni 2012 auf den entsprechenden Formularen bei der Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV) einzureichen. Die Erklärung für Landwirte über die Verwendung von zugekauftem Konsumgetreide zur Nachsaat Frühjahr 2012 liege als gelbes Formular dem Nachbauratgeber bei und könne auf der Website der STV heruntergeladen werden. In das Formular müssten die STV-Betriebsnummer, die Sorte und die Menge, welche der Landwirt zur Nachsaat erworben habe, eingetragen werden. Für den Handel gebe es auf der STV-Website ein separates Formular, auf dem die zu Saatzwecken abgegebene Konsumware unter Angabe von Sorte und Menge deklariert werden könne.
  • Landwirte und Händler, die von der Ausnahmeregelung bis Ende Juni Gebrauch machen wollen, finden laut BDP alle entsprechenden Informationen auf der Website www.stv-bonn.de/auswinterung.

Video "Getreidemarkt: Mit rückläufigen Preisen ist zu rechnen"

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