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Getreide

Australien: Weizenernte um ein Fünftel kleiner?

von , am
10.09.2012

Aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse, korrigierten Analysten ihre Prognosen für die australische Weizenernte nach unten. Am Weltmarkt wird aber dringend Weizen gebraucht.

Weizen und Bohne waren gestern im Plus. © hapo/landpixel
Australiens neue Weizenernte könnte erheblich kleiner ausfallen als bislang erwartet. Eine ganze Reihe von privaten Analysten haben ihre Ertragsprognosen jetzt deutlich nach unten korrigiert. Ursache ist die Trockenheit in der wichtigsten Weizenanbauregion Westaustralien, aber auch in Victoria und Neusüdwales.
 
 
 
 
Mehr als 20 Prozent (%) liegen die Produktionsprognosen mittlerweile unter der Rekordernte des letzten Jahres. In Australien wird der Weizen von Mai bis Juni gesät und je nach Region von November bis etwa Januar geerntet.

China ist großer Absatzmarkt für Weizen

Im letzten Jahr haben australische Farmer unter sehr guten Witterungsbedingungen eine Rekordernte von 29,5 Millionen Tonnen (Mio. t) Weizen von den Feldern geholt. Der Export erreichte mit 23 Mio. t ebenfalls einen neuen Rekordwert. Abnehmer sind ganz überwiegend asiatische Länder wie Indonesien, Vietnam, Südkorea, die Philippinen, Japan und in zunehmenden Umfang auch China, das seine wachsenden Tierbestände auch mit australischen Weizen füttert.

Trockenheit und Kälte in Westaustralien

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
In diesem Jahr hat nun ein sehr kaltes und ausgesprochen trockenes Frühjahr im Hauptanbaugebiet Westaustralien für sehr schlechte Aufwuchsbedingungen beim Weizen gesorgt. Der Juli war der trockenste bisher überhaupt von Wetterstationen gemessene Juli und der kälteste seit 1950. Noch wäre durch ausreichend Regen eine Stabilisierung oder Verbesserung des Ertragspotentials möglich.
 
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat sich das Wachstumstempo der Pflanzen aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse bereits deutlich verlangsamt. Vieles wird sich in den nächsten zwei bis vier Wochen entscheiden. Für den besonders betroffenen Bundestaat Westaustralien, wird anstelle der 11,6 Mio. t Weizen wie im letzten Jahr, bereits eine bis zu sechs Millionen Tonnen kleinere Weizenernte erwartet.

Prognosen verschlechtern sich deutlich

Die Schätzungen für die australische Weizenernte wurden vor diesem Hintergrund deutlich nach unten gesetzt. So erwarte die Rabobank in ihrer aktuellen Prognose nur noch eine Erntemenge von 22,79 Mio. t und damit 23 % weniger als im letzten Jahr. Eine Konsensschätzung von verschiedenen Analysten für die Nachrichtenagentur Bloomberg, kam auf eine Weizenernte von 23,25 Mio. t.
 
Die australische Agrarbehörde ABARE hatte in ihrer Juni-Prognose noch mit 24,1 Mio. gerechnet. Hier ist in der neuen Prognose am 11. September wohl eine deutliche Korrektur zu erwarten. Ebenso bei der einen Tag später veröffentlichten Schätzung des USDA. Die Amerikaner unterstellten Anfang August noch eine Ernte von 26 Mio. t.

Australischer Weizen wird gebraucht

Angesicht des sehr knappen globalen Angebots wird die australische Ernte eigentlich dringend gebraucht. Insbesondere der teure Mais hat die Nachfrage nach Futterweizen zuletzt spürbar angekurbelt. Im Pazifik hatte Indien zuletzt mehrfach Futterweizen an koreanische und andere südostasiatische Abnehmer verkauft. Hier lagen die Preise für den indischen Weizen deutlich unter den Preisen für Mais, aber auch unter den Preisen für australischen Weizen.
 
Analysten gehen vor dem Hintergrund der hohen Maispreise und einer unter den offiziellen Daten liegenden chinesischen Weizenernte - von einer stärkeren Nachfrage Chinas nach Futterweizen aus. Man rechnet derzeit mit einem Importvolumen Chinas von vier Millionen Tonnen oder mehr - der größte Teil davon könnte aus Australien kommen.
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