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Getreide

Australien: Weniger Weizen für den Weltmarkt

von , am
09.11.2012

Nach der Rekordernte im letzten Jahr, rechnet das Australische Statistikamt mit einem starken Rückgang für die im November anstehende Ernte. Die Weizenausfuhren sind auf dem niedrigsten Stand seit elf Jahren.

Das Australische Statistikamt (ABS) meldet für den Monat September einen Einbruch der Weizenausfuhren - auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten. © photoking/aboutpixel.de
Australiens Weizenexporte werden im kommenden Wirtschaftsjahr deutlich zurückgehen. Bereits vor Beginn der neuen Ernte im November/Dezember meldet das Australische Statistikamt (ABS) jetzt für den Monat September einen Einbruch der Weizenausfuhren auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten.
 
Analysten rechnen nach der Rekordernte des letzten Jahres (29,5 Mio. t) mit einem Produktionsrückgang von einem Drittel auf etwa 21 bis 23 Mio. t und eine entsprechend straken Reduzierung des Ausfuhrpotentials. Bisherige Schätzungen gehen von einem Rückgang der Exporte von 24,9 Mio. t im letzten Jahr auf 18 bis 23 Mio. t aus. Beim für heute erwarteten neuen USDA-Report gehen Analysten von einer weiteren Korrektur der Produktions- und Exportdaten nach unten aus.

Extreme Trockenheit in Westaustralien

Globaler Weizenpreisindex.
Hauptursache für den starken Produktionseinbruch ist die extreme Trockenheit im australischen Hauptanbaugebiet in Westaustralien im Juli und im August. Der vor allem in Westaustralien tätige Getreidehändler CBH-Group schätzt die gesamte Getreide-Produktion Ende Oktober für den Bundesstaat nur noch auf 9,1 bis 9,3 Mio. t nach 15 Mio. t im letzten Jahr.
 
Im September hatten die Analysten von CHB noch 10 Mio. t für möglich gehalten. Die Weizenernte wurde vom australischen Landwirtschaftsamt ABARES für Westaustralien auf 7,1 Mio. t nach 11,7 Mio. t im Vorjahr reduziert. Damit würde die Produktion nicht größer ausfallen als in Neusüdwales obwohl die Anbaufläche dort eine Million Hektar kleiner ist.

Auch andere Bundesstaaten ernten weniger

Allerdings wird auch die Produktion in Neusüdwales, Victoria und Südaustralien kleiner erwartet als im letzten Jahr. Hier spielt allerdings die Reduzierung der Anbaufläche hin zu attraktiveren Raps/ Canola eine Rolle. Alles in allem summiert sich der von ABARES erwartete Produktionsrückgang bei Weizen bislang auf sieben Millionen Tonnen und eine Erntemenge von 22,5 Mio. t. Bei Gerste schrumpft die Produktion ebenfalls um rund 1,5 Mio. t auf 6,96 Mio. t während man bei Raps (trotz Trockenheit) infolge der größeren Anbaufläche von einer relativ stabilen Produktion von knapp 2,8 Mio. t ausgeht.

Exportprognosen relativ weit auseinander

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
ABARES erwartet zuletzt wegen der großen Bestände immerhin noch eine Weizenausfuhr von 21,5 Mio. t und damit nur drei Millionen Tonnen weniger als im letzten Jahr. Das australische USDA-Büro hatte im Oktober in einer aktualisierten Einschätzung die erwartete Exportmenge von 23 auf 21 Mio. t gesenkt.

Vor diesem Hintergrund gehen gehen Analysten für den aktuellen November-Report ebenfalls von einer Reduzierung der Exportmenge aus. Analysten der australischen Commonwealthbank hatten im Oktober sogar einen Rückgang der Exporte um sieben Millionen Tonnen auf knapp 18 Mio. t unterstellt. Ein Grund hierfür sind die zuletzt deutlich abgeschmolzenen Bestände. Bereits im August waren die Weizenbestände mit 27,8 Mio. t rund zehn Millionen Tonnen kleiner als im Jahr zuvor.

Harte Konkurrenz aus Indien

Australien exportiert seinen Weizen vor allem in den asiatischen Raum. Zu den wichtigsten Abnehmern gehört neben Indonesien, Südkorea und Japan neuerdings auch China. In diesem Jahr haben die Australier allerdings Konkurrenz an ihren traditionellen Exportmärkten bekommen. Erstmals seit langem hat nämlich Indien infolge einer Rekordernte und hoher Lagerbestände die Ausfuhr wieder erlaubt und traditionelle australische Abnehmer beliefert.
 
Die indische Ausfuhrmenge ist von 1,5 Mio. t im letzten Jahr auf sechs Millionen Tonnen im laufenden Jahr gestiegen. Ein Grund für die Nachfrage nach indischen Weizen war der starke Preisvorteil gegenüber Ware aus Australien und den USA der zeitweise bei 30 bis 40 USD/t lag.
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