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Getreide

Bayern: Ernte wird Rekorderwartung nicht erfüllen

© Rebecca Kopf/agrarheute.com
von , am
18.07.2014

München - Die Getreideernte in Bayern ist in vollem Gange. Vom Minderertrag bis zum Spitzenergebnis ist bei dieser Ernte alles dabei. Jetzt warten die Landwirte auf stabiles Sommerwetter.

Eine Rekordernte wird es in diesem Jahr nicht, das steht für den Bayerischen Bauernverbandspräsidenten Walter Heidl fest. Gestern bei der Erntepressekonferenz in Andechs im Kreis Starnberg sagte er: "Vom Minderertrag bis zum Spitzenergebnis ist bei dieser Ernte alles dabei."
 
Das sieht man bereits an der großen Spanne, was die bisherigen Erträge bei der Gerste betrifft. Laut Umfragen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) liegt sie zwischen 46 und 101 Dezitonnen (dt) je Hektar (ha). Gründe für die enormen Schwankungen sind die Wasserversorgung und die Bodenart. Bei der gemeinsamen Erntepressefahrt des BBV und des Bayerischen Agrarministeriums wurde anhand der Druschergebnisse zur Gersteernte deutlich, dass die Bestände auf schweren Böden die Juni-Trockenperiode besser überstehen, als jene auf den leichten Böden. Sorge für die Ernte bereitet den Landwirten für die anstehende Ernte die Witterung. Doch auch der "Regulierungswahn" und der Preisdruck am Getreidemarkt sind Themen, die die Landwirte umtreiben, so der BBV auf der gestrigen Veranstaltung. 

Roggen, Dinkel und Weizen begutachtet

Wie sich im Rahmen der gestrigen Feldbegehung bei Roggen, Dinkel und Weizen sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Anbau, zeigte, haben die Landwirte unterschiedliche Erwartungen. Ökolandwirt Fritz Bernhard, Gutsverwalter Kloster Andechs, rechnet wegen der Trockenheit mit niedrigen Erträgen. Beim Roggen erwartet er 35 bis 40 dt/ha.
 
Josef Pfänder bewirtschaftet 9,08 ha Weizen konventionell. Das Getreide verwendet der Milchviehlandwirt ausschließlich zur Fütterung der Tiere. Seiner Aussage nach haben sich die Pflanzenschutzmaßnahmen (gegen Lager, Ährenschutz) gut angeschlagen, sodass er auf einen gesunden Bestand blicken kann. er erwartet "überdurchschnittliche Erträge" im Bereich 85 bis 90 dt/ha. Nun hoffen die Landwirte nun auf stabiles Sommerwetter.

Insgesamt Ernte auf Vorjahresniveau

Insgesamt rechnet der Bayerische Bauernverband mit einer Getreideernte auf dem Vorjahresniveau. Im vergangenen Jahr ernteten die bayerischen Getreideerzeuger 6,9 Millionen Tonnen (Mio.t) Getreide (ohne Körnermais). Der langjährige Durchschnitt liegt bei 6,7 Mio. t Getreide. Die Getreideanbaufläche ist mit 1,036 Mio. ha ähnlich hoch wie 2013.
 
Die Anbaufläche von Silomais hat sich aufgrund der niedrigen Erträge im Mais- und Feldfutteranbau ausgedehnt. Silomais ist um sieben Prozent auf 430.000 ha gestiegen, Feldfutter um fünf Prozent auf 134.000 ha.
 
Für die Feldfrüchte Mais, Zuckerrübe und Kartoffel spricht der Bauernverband trotz fehlender Frostgare von guten Aussaatbedingungen. Die Bestände hätten sich gut entwickelt. Jedoch auf leichten Standorten hat diesen Kulturen die Trockenperiode von Juni bis Juli zugesetzt.

Die einzelnen Kulturen im Überblick

Auch wenn Roggen, Dinkel und Weizen im Fokus bei der Feldbegehung standen, gab es Stichworte zu den einzelnen Kulturen, was Anbaufläche und eventuelle Erträge betrifft:
  • Winterweizen: 529.500 ha Fläche, zirka 20.000 Dinkel, Erträge regional unterschiedlich, Ertragsdepression auf leichten Standorten zu erwarten, Qualität bedingt durch den Witterungsverlauf
  • Winterroggen: 40.300 ha Anbaufläche (2013: 53.800), Grund für Rücklauf ist der niedrige Brotroggenpreis
  • Winterraps: ebenfalls rückläufige Tendenz im Anbau, 117.700 Mio. ha (2013: 129.600 ha), Erntemenge geschätzt auf 410.000 t (-75.000 t gegenüber 2013), Hektarerträge zirka 35 dt/ha
  • Kartoffel: Anbaufläche konstant bei 42.000 ha, Preise unter Druck, Markteinstieg Frühkartoffel bei 20 Euro/dt (2013: 50 Euro/dt

Stabiles Sommerwetter für Qualität

"Neben der Menge ist aber die Qualität entscheidend, ob es eine zufriedenstellende Getreideernte wird. Nur wenn das Wetter in den nächsten Wochen der Ernte passt, kann Weizen oder Gerste die Qualitäten erfüllen, die zum Brot backen oder Bier brauen gebraucht wird", betonte Heidl. Deshalb sei der größte Wunsch der Getreide- und Rapsbauern, dass sich stabiles Sommerwetter einstellt: Eine schöne, warme und vor allem trockene Wetterperiode von Ende Juli bis Mitte August wäre für eine reibungslose Ernte optimal, so der BBV-Präsident.

Sorge wegen "Regulierungswahn"

Sorge bereite den Ackerbauern neben den Witterungseinflüssen zunehmend der politische Regulierungswahn, sagte Hermann Greif, Vorsitzender des Landesfachausschusses für pflanzliche Erzeugung und Vermarktung. "Aufgrund unserer klimatischen Voraussetzungen können wir bei hohen Erträgen sehr gute Getreidequalitäten erzeugen. Dazu müssen die Kulturen aber weiterhin nach ihrem Nährstoffbedarf gedüngt sowie die gegebenenfalls auftretenden Krankheiten nach dem Schadenschwellenprinzip bekämpft werden können. Starre Obergrenzen, wie sie die EU-Kommission fordert, hätten zur Folge, dass wir in Bayern keinen Brotweizen mehr erzeugen können", betonte "BBV-Getreidepräsident" Greif.

Preisdruck durch weltweit gute Aussichten

Verantwortlich für den Preisdruck sind die hohen Ernteerwartungen weltweit. Egal ob man die Meldungen aus der Schwarzmeerregion, aus Nordamerika oder aus dem Rest Europas nimmt, es scheint in allen wichtigen Anbaugebieten keine nennenswerten Ausfälle zu geben, so der BBV.
 
In der Erntezeit geraten die Erzeugerpreise unter Druck. Doch nach der Ernte erholen sich die Preise - erfahrugsgemäß, so Greif. Dies sei seiner Meinung nach auch dringend notwendig, damit die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Kosten für Maschinen, Betriebsmittel sowie Flächen gedeckt werden können.   
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