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Getreide

Bayern: Landwirte befürchten schlechtere Qualität bei Getreide

© Rebecca Kopf/agrarheute.com
von , am
08.08.2014

München - Die einen sind fertig, die anderen haben noch nicht einmal anfangen können. Die Getreideernte in Bayern entwickelt sich zum Glücksspiel. Der Bauernverband zieht eine Zwischenbilanz.

© agrar-press
Während die einen noch gar nicht begonnen haben, Winterweizen, Sommergerste und Triticale einzuholen, haben die anderen dem Bericht des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) zufolge die Ernte schon abgeschlossen.
 
Unbeständiges Wetter macht die Getreideernte in vielen Teilen Bayerns zum Glücksspiel. Insgesamt dürften bisher vier von knapp sieben Millionen Tonnen Getreide in Bayern geerntet sein, teilt Matthias Kick, Referent für Getreide und Ölsaaten im BBV, mit. Bei den Erträgen bestätige sich die Befürchtung von extremen Schwankungen. Die Landwirte befürchten jetzt Qualitätseinbußen aufgrund der Witterung und damit weitere Preisabschläge.

Braugerste: Eiweiß könnte in diesem Jahr zu niedrig sein

Nach Berichten des BBV ist die Gefahr derzeit hoch, dass anhaltender Regen die Qualität des Getreides mindern kann. Das kann dazu führen, dass Winterweizen oder Braugerste die hohen Qualitätsanforderungen der Mühlen und Bäcker sowie der Mälzer und Brauer nicht mehr erfüllen. Kick fordert die Mühlen und Bäcker sowie Mälzer und Brauer auf, einzelne Qualitätsparameter zu überdenken.
 
Neue Weizensorten können laut BBV trotz niedriger Fallzahlwerte hervorragende Backeigenschaft haben. Bei Braugerste ist das Eiweiß in diesem Jahr wieder ein Thema. Anders als in der Vergangenheit, als den Mälzern und Brauern die Eiweißwerte oftmals zu hoch waren, soll es in diesem Jahr mancherorts zu niedrig sein. "Ich verstehe jeden Landwirt, der sagt jetzt reicht es, und den Braugerstenanbau zukünftig einstellen will", so Kick. Auch die Landwirte wissen, dass Braugerstenpartien mit unterschiedlichen Eiweißwerten gemischt und daraus problemlos gutes Bier gebraut werden kann.
Kick weis aber auch, dass man nicht umhinkomme, dass bestimmte Mindestqualitäten eingehalten werden und sich das auch in unterschiedlichen Preisen niederschlägt. In Extremjahren sollten aber einvernehmlich gewisse Zugeständnisse hinsichtlich Qualität und Preis möglich sein, so Kick.

Befürchtungen haben sich bestätigt

Akzeptiere die aufnehmende Hand Getreideanlieferungen nur mit Preisabschlägen, träfe das viele Getreidebauern in diesem Jahr besonders stark, so der BBV. Welt- und europaweit hohe Ernteerwartungen haben die Getreidepreise mittlerweile soweit nach unten gedrückt, wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr.
Bereits bei der Erntepressefahrt des BBV und des Landwirtschaftsministeriums am 17. Juli äußerte sich Bauernpräsident Walter Heidl zu den Preis- und Ertragserwartungen. Er sagte deutlich, dass in diesem Jahr keine Rekordergebnisse zu erwarten seien. Heidl sah große Spannen bei den Erträgen kommen. Die besseren Ergebnisse sollten die Bestände auf den schwereren Böden einfahren können.
 
Wie der BBV heute berichtet, haben sich die Befürchtungen bestätigt. Bei Wintergerste reicht die Spanne der Ertragsmeldungen von 40 bis über 110 Dezitonnen je Hektar. Auch bei Winterweizen und Sommergerste zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab. Auf schweren Böden berichten Landwirte von Spitzenerträgen, während auf sandigen Standorten, wo im Juni das Wasser ausging, starke Ertragseinbußen zu verzeichnen sind. 

Weitere Meldungen zur Ernte in Deutschland können Sie in unseren Themendossier nachlesen. Klicken Sie hier ...

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